Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Drumev

Drumev, Vasil (geistlicher Name: Kliment), bulgarischer Metropolit, Politiker und Schriftsteller, * Šumen 1840/41, † Sofia 23.07.1901, Sohn eines Schneiders.

Leben

D. erhielt seine erste Ausbildung in Šumen, wo er zwei Jahre als Hilfslehrer tätig war. 1858 setzte er seine Ausbildung als russischer Stipendiat im Geistlichen Seminar in Odessa fort. Ende 1861 verließ D. heimlich das Seminar, um sich nach Belgrad zu begeben und in die von Georgi St. Rakovski organisierte „Bulgarische Legie“ einzutreten, die bei einem eventuellen Krieg zwischen Serbien und der Türkei in Bulgarien einfallen und einen Aufstand hervorrufen sollte. Wegen eines geringfügigen Disziplinarvergehens wurde er von Rakovski zum Tode verurteilt und nur durch das Eingreifen anderer Bulgaren im letzten Augenblick gerettet. Nach Auflösen der Legie (nach der friedlichen Schlichtung des serbisch-türkischen Konfliktes im August 1862) begab sich D. wieder nach Rußland, wo er zunächst das Seminar in Odessa (bis 1865), dann die Geistliche Akademie in Kiew (bis 1869, Abschluß als Kandidat der Theologie) besuchte. 1869 nahm er an der Gründung der „Bulgarischen literarischen Gesellschaft“ (Bŭlgarsko knižovno družestvo, bis 1878 mit Sitz in Braila, dann in Sofia, 1911 zur Bulgarischen Akademie der Wissenschaften umbenannt) teil und wurde in den Vorstand gewählt.
Um sich in den Dienst des neugegründeten Bulgarischen Exarchats (1870) zu stellen, verließ D. 1873 Rumänien; im selben Jahr wurde er zum Priester, 1874 zum Bischof (Episkop Branicki) beim Metropolitenstuhl von Russe geweiht. Nach der Befreiung Bulgariens wurde er 1878 Verwalter der Metropolie von Tŭrnovo und Rektor der Priesterschule im Peter- und Pauls-Kloster bei Ljaskovec. 1884 erfolgte seine Ernennung zum Metropoliten von Tŭrnovo sowie zum ständigen Delegierten des bulgarischen Exarchen (dessen Sitz in Konstantinopel war) bei der Regierung in Sofia. D. nahm an der Konstituierenden Versammlung (Učreditelno sŭbranie) zur Ausarbeitung der Verfassung (wobei er den konservativen Vorschlag für ein Zweikammersystem unterstützte) und an der Großen Volksversammlung (Veliko narodno sŭbranie) zur Wahl des ersten Fürsten teil (beide in Tŭrnovo, 1879). 1879-1880 war er Ministerpräsident und Minister für Volksbildung in einer Übergangsregierung. Er war gegen die Suspendierung der Verfassung durch Fürst Alexander Battenberg in den Jahren 1881-1883; in dieser Zeit näherte er sich dem Standpunkt der Liberalen Partei. Obwohl er nicht am Staatsstreich russophiler Offiziere gegen Alexander Battenberg (im August 1886) beteiligt war, nahm er, um der Gefahr der Anarchie zu begegnen, das Angebot der Putschisten an, eine Regierung aus Vertretern verschiedener politischer Gruppen zu bilden. Wegen der schnellen Veränderung der Lage (Sieg des „Gegenputsches“ unter Stefan Stambolov) blieb die Regierung nur drei Tage im Amt; D. wurde verhaftet, jedoch - da seine Unschuld festgestellt wurde - sofort wieder freigelassen. D.s Verhältnis zur Regierung Stambolov verschlechterte sich schnell wegen seines Eintretens für eine russisch-freundliche Politik und besonders wegen seines Widerstandes gegen die auf Bestreben des neuen Fürsten Ferdinand (seit 1887) unternommenen Versuche zur Änderung des Artikels 38 der Verfassung, der die Zugehörigkeit des Thronfolgers zum orthodoxen Glauben vorschrieb. Die Verfolgung D.s durch die Regierung, die im Kampf mit den politischen Gegnern immer mehr zu terroristischen Methoden überging, gipfelte in seiner gewaltsamen Deportation in das Peter- und Pauls-Kloster (1893) und dem darauffolgenden Schauprozeß wegen aufrührerischer Tätigkeit und Majestätsbeleidigung. D. wurde verurteilt und bis zum Sturz der Regierung Stambolov (März 1894) unter erniedrigenden Bedingungen im Kloster von Gložene in Haft gehalten. 1895 führte er eine bulgarische Regierungsdelegation an, die sich in St. Petersburg um die Wiederherstellung der freundschaftlichen Beziehungen zu Rußland bemühte.
In der bulgarischen Literatur nimmt D. eine wichtige Stelle als Autor der ersten bulgarischen Novelle „Neštastna familija“ (Unglückliche Familie, 1860) und des historischen Dramas „Ivanko ubiecŭt na Asena“ (Ivanko, der Mörder Asens, 1872) ein; er ist teils von der Empfindsamkeit (in der Novelle), teils von der Romantik beeinflußt. Seine Werke erschienen 1926-1943 und 1967-1968 in den zweibändigen „Sŭčinenija“ in Sofia.

Literatur

Trifonov, Jurdan: V. Drumev - Kliment Branicki i Tŭrnovski. Sofija 1926.
Kliment Tŭrnovski - Vasil Drumev. Za 25. godišninata ot smŭrtta mu. Izsledvanija, spomeni, dokumenti. Hrsg. Michail Arnaudov. Sofija 1927.
Penev, Bojan: Istorija na bŭlgarskata literatura. Bd 4. Sofija 1936.
Pašev, Gančo Stefanov: Vŭzgledite na tŭrnovskija mitropolit Kliment (V. Drumev) za ličnostta, obštestvoto i dŭržavata, otrazeni v negovite chudožestveni proizvedenija. In: God. Sof. Univ., bogosl. Fak. Bd 23. Sofija 1945/46.
Dinekov, Petŭr: Nepoznatijat Drumev. In: Pisateli i tvorbi. Sofija 1958.
Vasilev, Stefan pop: Vasil Drumev. In: Ders.: Stroiteli na rodnata reč. Sofija 1959.

Verfasser

Dimiter Statkov (GND: 1051480892)


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