Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Dálnoki Miklós, Béla

Dálnoki Miklós, Béla, ungarischer General, Ministerpräsident, * Budapest 11.06.1890, † ebd. 21.11.1948.

Leben

1910 zum Leutnant ernannt, trat D. nach dem Ersten Weltkrieg dem ungarischen Generalstab bei und diente als Militärattache zwischen 1933 und 1936 in Berlin. Während des Zweiten Weltkrieges bekleidete er bedeutende militärische Ränge und war vom November 1942 bis Juli 1944 der Leiter der Militärkanzlei des Reichsverwesers. Am 21. Juli 1944 übergab D. Hitler einen Brief, in dem Horthy auf den bevorstehenden Austritt Ungarns aus dem Krieg hinwies. Als Mitglied der „Palast-Clique“, einer kleinen Gruppe von Generälen, die dem Reichsverweser bedingungslos ergeben waren, wurde D. - zur Vorbereitung eines Waffenstillstandes mit den Alliierten - im August 1944 mit dem Oberbefehl über die ungarische 1. Armee betraut. Am 15. Oktober, dem Tag, an dem Horthy offiziell seine Absicht zur Kapitulation bekanntgab, versuchte D., seine Armee auf die Seite der Russen zu bringen. Eine schnelle Intervention der Deutschen in Budapest sowie die Rebellion der deutschfreundlichen Offiziere in nahezu jeder Armee-Einheit, zwangen D. am folgenden Tag praktisch allein zu den Russen zu fliehen.
Zunächst ermutigte ihn die Führung der Roten Armee, eine gegen das Deutsche Reich gerichtete Armee aufzustellen, aber es gab nur wenige Überläufer und am 7. November wurde D. nach Moskau geflogen, um an den Verhandlungen der von Horthy eingesetzten geheimen Waffenstillstandskommission teilzunehmen. Die sowjetische Regierung respektierte D. in seiner besonderen Stellung als dienstältester unter den ungarischen Generälen in Moskau. D. kehrte zurück, um Ostungarn zu befreien und wurde am 12. Dezember zum Ministerpräsidenten eines neuen ungarischen Kabinetts ernannt. Seiner provisorischen Regierung, die sich am 22. Dezember in Debreczin etablierte, gehörten zwei Horthy-Generäle und eine Anzahl gegen den Nationalsozialismus gerichtete Politiker sowie zwei Kommunisten an. Doch das Regierungsprogramm war stark beeinflußt durch den kommunistischen Emigranten Ernő Gerő, und die Existenz des Kabinetts hing weiterhin von dem guten Willen der Roten Armee ab.
Im April 1945 siedelte die Regierung in das zerstörte Budapest über. Als ein Unabhängiger mit konservativer Neigung scheint D. bei den folgenden Ereignissen keine größere Rolle gespielt zu haben. Die ersten Bemühungen der Regierung in Budapest waren gekennzeichnet durch Versuche des Wiederaufbaus, der Organisierung der Nahrungsmittelzufuhr, den Krieg gegen Deutschland, die Landverteilung, die Wiederherstellung der Rechte der Juden und durch die Reparationsleistungen an die Sowjetunion und ihre Alliierten. Nach den freien Parlamentswahlen am 4. November 1945, bei denen die „Kleinlandwirtepartei“ die absolute Mehrheit gewann und die eine Niederlage der Kommunisten bedeuteten, trat das Kabinett D. ab zugunsten einer Koalitionsregierung der anti-faschistischen Parteien unter der Führung des Vorsitzenden der „Kleinlandwirtepartei“ Zoltán Tildy. Danach zog sich D. aus dem aktiven politischen Leben zurück.

Verfasser

István Deák (GND: 124078257)

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Empfohlene Zitierweise: István Deák, Dálnoki Miklós, Béla, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 362-363 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=704, abgerufen am: (Abrufdatum)

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