Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Clam-Martinic, Heinrich Karl Maria Graf von

Clam-Martinic, Heinrich Karl Maria Graf von, österreichischer Politiker, * Wien 1.01.1863, † Schloß Clam bei Grein 7.03.1932, aus altem böhmischen Geschlecht.

Leben

C. studierte 1881 bis 1883 in Prag und 1885 bis 1887 in Innsbruck Rechtswissenschaften, ohne sein Studium abgeschlossen zu haben, weil er nach dem Tode seines Onkels im Jahre 1887 den Besitz Clam übernahm. In der Zeit zwischen seinen Studien in Prag und Innsbruck leistete er seinen Militärdienst ab und wurde 1891 nach mehreren längeren Waffenübungen zum Oberleutnant d. R. befördert. Das Jahr 1892 brachte ihm eine interessante Abwechslung: er nahm an der Weltreise des Thronfolgers Franz Ferdinand teil. Im Dezember 1902 wurde C. auf Lebenszeit ins Herrenhaus berufen und schloß sich gemäß der Familientradition der konservativen Gruppe des dynastietreuen Großgrundbesitzes an. Mit Graf Silva Taroucca, Graf Ottokar Czernin und anderen gehörte er zu den bedeutenden Gegnern der Wahlrechtsreform von 1907. C. war einer der Vertrauten des Thronfolgers Franz Ferdinand, doch nicht, wie bisher oft angenommen, sein innenpolitischer Ratgeber, welche Rolle wohl eher Czernin zugefallen ist. C.s Gesinnung wird deutlich dadurch charakterisiert, daß sich der damals bereits 51jährige schon am 21. Juli 1914 freiwillig meldete und tatsächlich kurz darauf einberufen wurde. Seine Kriegserlebnisse hatten ihn bereits zu der Auffassung gebracht, daß ein Siegfriede immer mehr zur Utopie wurde, als er am 31. Oktober 1916 seine Ernennung zum Ackerbauminister im Kabinett Koerber entgegennahm. Möglicherweise war für C.s Berufung mit ausschlaggebend, daß er - ähnlich wie Koerber - die Wiederaufnahme der parlamentarischen Tätigkeit als positiv ansah. Nach Alexander von Spitzmüllers Ablehnung, die Ministerpräsidentschaft zu übernehmen, wurde schließlich C. am 20. Dezember 1916 österreichischer Ministerpräsident, da er im Hinblick auf seine böhmischen Erfahrungen als geeigneter Mann zur Lösung der böhmischen Frage erschien. Sein Plan, eine Art „Nationalitätenkabinett“ zu bilden, scheiterte ebenso, wie die Hoffnungen, die an die Wiedereröffnung des Parlaments (30.05.1917) geknüpft worden waren. Am 23. Juni 1917 demissionierte die Regierung - auch sie hatte die Probleme Österreichs nicht lösen können; konkrete Lösungsvorschläge zu innenpolitischen Fragen waren teils nicht vorhanden gewesen, hatten zum anderen potentiellen Oktroi-Charakter getragen. In der Folge war C. als Militärgouverneur von Montenegro tätig, ehe er sich nach dem endgültigen Zusammenbruch völlig ins Privatleben zurückzog.
C.s Leben und ebenso sein politisches Handeln waren beherrscht von zwei Faktoren: seiner zutiefst katholischen Weltanschauung sowie seiner absoluten Ergebenheit zur Dynastie Habsburg; dieser „gute Österreicher“ (J. Redlich) mit den Tugenden einer unwiderruflich vergangenen Zeit mußte angesichts der Erfordernisse einer neuen Zeit zwangsläufig versagen.

Literatur

Höglinger, Felix: Ministerpräsident Heinrich Graf Clam-Martinic. Graz, Köln 1964.

Verfasser

Georg Erich Schmid (GND: 13221637X)


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