Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Catargiu, Lascăr

Catargiu, Lascăr, rumänischer Staatsmann, * November 1823, † Golăşei (Covurluier Kreis) 11.04.1899, aus einer moldauischen Bojarenfamilie.

Leben

C. genoß seine Ausbildung in den besten Instituten und Privatschulen seiner Zeit und kam schon als junger Mann in den Staatsdienst. Unter der Regierung des Fürsten Mihai Sturza (1834-1849) war er Bürgermeister von Jassy und Galatz. Als leidenschaftlicher Befürworter der Vereinigung der rumänischen Fürstentümer nahm er als Abgeordneter der „Nationalpartei“ an der moldauischen Wahlversammlung teil (15.1.1859) und setzte die Wahl Alexandru Ioan Cuzas zum Fürsten durch. Als Cuza dann am 23. Februar 1866 gezwungen wurde, zugunsten eines ausländischen Prinzen abzudanken, vertrat C. die „Konservative Partei“ im Dreierrat des Interregnums.
Fürst Karl von Hohenzollern-Sigmaringen betraute C. am 22. Mai 1866 mit der Bildung eines Allparteienkabinetts, das seine offizielle Anerkennung als neuer Regent durchsetzte und eine neue Verfassung verabschiedete (11.07.1866). Es trat erst zurück, als die Zwistigkeiten zwischen den Konservativen und den Liberalen („Roten“) drohende Formen annahmen (25.07.1866). Als Fürst Karl am 23. März 1871 infolge der antimonarchischen Demonstrationen in Bukarest abdanken wollte, gelang es C. und Nicolae Golescu - der ebenfalls ein Mitglied des Dreierrates war - den Fürsten umzustimmen. Die beiden Politiker bildeten eine neue Regierung. Mit den Altkonservativen und der jungen Generation der „Junimea“, die sich von ihren literarischen Idealen plötzlich der Politik zuwandten, wurde eine friedliche Ära des Aufbaus eingeleitet, die sich vor allem in der Festigung der politischen Verhältnisse des Landes zeigte (23.03.1871-12.04.1876). Das Heer wurde aufgerüstet, das Eisenbahnnetz ausgebaut, die Staatsfinanzen wurden saniert. Durch den Wirtschafts- und Schifffahrtsvertrag mit Österreich-Ungarn am 4. Juli 1875 erreichte Rumänien praktisch die Zollunabhängigkeit des noch unter türkischer Oberherrschaft stehenden Landes vom übrigen türkischen Gebiet. Der Vertrag ermöglichte eine intensivere Vieh- und Getreideausfuhr in die Donaumonarchie, die ihrerseits ihre Industrieprodukte nach Rumänien ausführte. Diese Bestimmungen sollten sich aber in den Folgejahren zum Nachteil der Industrialisierung des Landes auswirken.
1876 unterrichtete C. das Ausland in diplomatischen Noten über den Grundsatz der rumänischen Außenpolitik, in einem eventuellen russisch-türkischen Krieg neutral zu bleiben und eine Haltung wie die Belgiens einzunehmen. Die Auseinandersetzungen innerhalb der Parlamentsmajorität, sein Mißerfolg bei den Senatswahlen, die massiven Angriffe der Opposition nach der Koalition von Mazar-Paşa (benannt nach dem Engländer Stephan Bartlett Lakeman, der als Muslim den Namen Mazar Pascha führte und in dessen Haus die konstituierende Sitzung der liberalen Koalition stattgefunden hatte) und schließlich die Meinungsverschiedenheiten mit Fürst Karl in der Balkanfrage zwangen C. zum Rücktritt. Die „Liberale Partei“ bezichtigte ihn und sein Kabinett der Veruntreuung öffentlicher Gelder, des Verfassungsbruchs und des Vertrauensmißbrauchs (1876), C. wurde jedoch gegenüber diesen Vorwürfen rehabilitiert und gründete mit Gheorghe Vernescu eine neue „Liberal-konservative Partei“, der sich die Jugendbewegung der „Junimea“ allerdings verschloß (1878). Trotzdem errang diese Partei am 26. Oktober 1888 die Mehrheit; C. wurde Präsident der Abgeordnetenkammer und strengte nun seinerseits eine Untersuchung gegen die Minister der „Liberalen Partei“ an. Er bildete erst ein kurzlebiges (10.04.1889 bis 5.11.1889), dann ein solideres liberal-konservatives Kabinett, mit der Teilnahme der „Junimisten“. So schwanden die Spannungen mit den Vertretern der Jugend, und es folgten Jahre friedlicher Aufbauarbeit, ohne großen politischen Ehrgeiz, einzig und allein darauf bedacht, dem Land eine solide wirtschaftliche Basis zu verschaffen (9.12.1891-15.10. 1895). 1895 wurde C. Senator.
C. war ein bescheidener, pflichtbewußter Politiker, ein ehrlicher Verwalter seines Landes, dem zu Ehren in Bukarest vor dem Zweiten Weltkrieg ein Denkmal errichtet wurde.

Verfasser

George Ciorănescu (GND: 130641340)

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Empfohlene Zitierweise: George Ciorănescu, Catargiu, Lascăr, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 295 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=652, abgerufen am: (Abrufdatum)

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