Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Caraffa, Antonio C. Graf

Caraffa, Antonio C. Graf, kaiserlicher Kommandant in Oberungarn und Feldmarschall, * Neapel 1648, † Wien 6.03.1693, aus einem alten neapolitanischen Geschlecht, dem auch Papst Paul IV. (Giovanni Pietro C.) angehörte.

Leben

C. kam 1665 als Kämmerer an den Wiener Hof. Man charakterisierte ihn als energischen und schlauen Karrieremacher, einen Günstling Kaiser Leopolds I., dem jedes Mittel zur Vernichtung seiner Gegner recht war. 1680 kam er mit seinem Regiment nach Ungarn und kämpfte gegen die Anhänger Thökölys und die Türken. 1683 sandte ihn Leopold als Unterhändler zu König Johann Sobieski nach Polen, um die Militärhilfe für Wien zu beschleunigen. 1685 eroberte C. Eperies im Komitat Sáros.
Nach dem Fall Ofens am 2. September 1686 sollte in den eroberten ungarischen Gebieten eine straffe absolutistische Verwaltung installiert werden, und so wurde die Opposition in Ungarn mit zweifelhaften Vorgangsweisen zum Schweigen gebracht. C. wurde zum Kommandanten in Oberungarn ernannt. Anfang des Jahres 1687 nahm der General Erlau, 1688 die Festung Munkács, die die Gattin Thökölys, Ilona Zrinyi, bis zum Ende des Proviants gehalten hatte. Im Frühjahr 1687 erhielt C. den Vorsitz im berüchtigten Eperieser Bluttribunal, einem monatelangen zwielichtigen Gerichtsverfahren, in dem er von Leopold I. bereits begnadigte ungarische Adelige inhaftieren und hinrichten ließ. Ein neuer Aufstand konnte durch seine Abberufung noch vermieden werden.
1688 trat C. als Vollmachtsträger des Kaisers in Siebenbürgen auf und erreichte durch geschickte diplomatische Tätigkeit die Huldigung der Siebenbürger an Leopold I. als Oberlehnsherrn. 1689 wurde er oberster Kriegskommissär. Er verfaßte 1690 eine Denkschrift über die Bedeutung Siebenbürgens für Österreich, worin es hieß, der Tod des letzten Fürsten Apafi gäbe die Möglichkeit einer Einverleibung. C. unterstützte Miklós Bethlen, den Abgesandten der siebenbürgischen Stände, bei den darauffolgenden Verhandlungen in Wien.
1691 wurde C. Feldmarschall und kämpfte mit dem bayerischen Kurfürsten und Viktor Amadeus von Savoyen gegen Ludwig XIV. 1692 trat er wieder, zusammen mit Bischof Leopold Graf Kollonich, in Ungarn auf.

Literatur

Rezik, Johann: Die Schlachtbank zu Eperies, oder historische Beschreibung des Trauerspiels, in welchem im Jahre 1687 unter der Commission des Generals Anton Karaffa mehrere, der Empörung beschuldigte Ungarn, mit der härtesten Todesstrafe belegt wurden. In: Mag. Gesch., Statist., Staatsrecht 2 (1808) 59-219 (Verfaßt 1688).
Vico, Giovanni B.: De rebus gestis Caraphaei. 4 Bde. Napoli 1716.
Das blutige Schauspiel von dem Grafen Anton Karaffa, aufgeführt durch Henkershand zu Eperies in Oberungarn im Jahre 1687. In: Mag. Gesch., Statist., Staatsrecht 2 (1808) 5-59.
Österreichisches Militär-Konversazions-Lexikon. Hrsg. J. Hirtenfeld, H. Meynert. Bd 1. Wien 1850.

Verfasser

Karl Friedrich Rudolf (GND: 140358781)


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