Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Čaplovič, Ján

Čaplovič (Csaplovics), Ján, slowakischer Verwaltungsjurist, Journalist und Ethnologe, * Felsőpribell (Horní Príbelec, Honter Komitat) 22.09.1780, † Wien 29.05. 1847, aus verarmtem ungarischen Adel.

Leben

Der Vater, der als Lehrer am Gymnasium in Losonc (Lučenec) wirkte, und die „Gelehrte Evangelische Gesellschaft“ in Kleinhont (Malohont) lenkten Č. früh aus den ständischen Bindungen in die slowakisch-volkliche Gedankenwelt.
Č absolvierte die Rechtsakademie in Zagreb 1798, war vorübergehend in der Kanzlei eines Advokats in Neusohl tätig und schlug dann aus wirtschaftlichen Gründen die Beamtenlaufbahn ein. Er wurde nach Ablegung des Advokaturexamens 1808 Gerichtstafelassessor im Altsohler Komitat. Der Feldzug Napoleons verhinderte 1809 seine Anstellung an der ungarischen Hofkanzlei in Wien, er ging daher zum serbisch-orthodoxen Bischof in Pankrac (Slawonien). 1813 nahm Č. die Sekretärsstelle bei Graf Franz Philipp Joseph Schönborn-Buchheim in Wien an und stieg bis 1819 zum Direktor der Schönbornschen Güter in Ungarn auf. Mit diesem Posten verband er Gerichtstafelassessorenfunktionen in den für die Güter zuständigen Komitaten.
Č. begann die Reihe seiner verwaltungsrechtlichen Arbeiten mit der Mitarbeit an Alexander Kubinyis „Enchiridion lexici juris inclyti regni Hungariae . . .“ im Jahre 1798. 1811 erschienen sein „Nucleus plani tabularis, sive synopticus decisionum curialium extractus“, aber auch Handbücher zur wirtschaftlichen Bienenzucht. Nach 1814 gewann er in Wien Verbindungen zu deutschen Zeitschriften und Verlagen und publizierte bis 1830 - z. B. in der „Handelszeitung“ - wirtschaftskritische Beiträge. „Slavonien und zum Theil Croatien, ein Beitrag zur Länder- und Völkerkunde“ erschien 1819 in Pest, der „Schematismus ecclesiarum et scholarum evangelicorum aug. conf. in incl. regno Hungariae addictorum pro anno 1820“ 1820 in Wien, ebenda „Topographisch-statistisches Archiv des Königreichs Ungern“, das er 1821 herausgab. Im „Bernolákischen“ Slowakisch veröffentlichte er seine „Slowenské Wersse“ 1822 in Pest.
Gegen den seit 1791 sich verschärfenden magyarischen Zentralismus und gegen dessen Magyarisierungstendenzen suchte Č. eine Stütze im zisleithanischen Österreich und wurde bei allem nüchternen wirtschaftspolitischen Rationalismus ein immer härterer Kritiker - oft anonym - in deutschen Zeitungen, z. B. 1830-1840 in der Augsburger „Allgemeinen Zeitung“ oder in der Publikation „Slawismus und Pseudomagyarismus ...“, die 1841 in Leipzig erschien. Seine Stellung im slowakischen Kulturkampf ab 1831 war nicht panslawistisch bestimmt, wohl aber von einem evangelischen Tschechoslowakismus: vgl. sein „Rozgjmánj o zmad'ařowánj země Uherské .. .“ (Prag 1842). Sein „Gemälde von Ungern“ (Pest 1829) brachte ihm neben anderen Publikationen den Ruf eines Ethnographen mit wissenschaftlicher Sachlichkeit.

Literatur

Čapek, Jan Blahoslav: Československá literatura toleranční, 1781-1861. Bd 1. Praha 1933. = Knihovna České mysli. 11.
Jankovič, Vendelín: Ján Čaplovič, život, osobnost, dielo. Turč. Sv. Martín 1945.
Vyvíjalová, Mária: Juraj Palkovič (1769-1850). Kapitoly k ideovému formovaniu osobnost a působeniu v národnom hnutí. Bratislava 1968 (mit Bibliographie).
Gogolák: Bd 1-2.

Verfasser

Kurt Oberdorffer (GND: 105126594)


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