Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Brătianu, Constantin

Brătianu, Constantin (Dinu) I. C. [Abkürzung der Vornamen von Vater und Großvater], rumänischer Staatsmann, * Florica 11.02.1866, † Sighetul Martnadéi 1948, Sohn Ion C. B.s..

Leben

Nach dem Studium in Rumänien legte B. das Examen in Paris ab. Er kehrte als Diplomingenieur in die Heimat zurück und ging in die Politik. Im November 1895 war er bereits Abgeordneter, 1933 Finanzminister. Nach Ducas Ermordung (29.12.1933) übernahm B. den Vorsitz der „National-Liberalen Partei“ (1934-1947), wurde jedoch bei der Regierungsübernahme nicht Premierminister, da der König Gheorghe Tătărescu den Vorzug gab. Unter seinem Vorsitz wechselte die bis dahin als fortschrittlich geltende Partei zu einer konservativen Haltung über, bewahrte aber ihr Ansehen als Verfechterin einer echt demokratischen Denkweise und national-rumänischen Gesinnung.
Während General Antonescus Militärdiktatur (1940-1944) verfaßte B. zusammen mit Iuliu Maniu mehrere Denkschriften an das Staatsoberhaupt, die sich mit der Teilung Siebenbürgens nach dem Wiener Schiedsspruch vom 30. August 1940 auseinandersetzten und Rumäniens Kriegsbeitritt gegen Sowjetrußland forderten. Die Autoren der Denkschrift vertraten jedoch die Ansicht, die rumänischen Truppen müßten am Dnjestr stehenbleiben.
Im Juni 1944 gründete B. den „National-Demokratischen Block“, der mit allen Vertretern sowohl der „Nationalen Bauernpartei“ als auch der sozialistischen und kommunistischen Partei zustande kam. Das gemeinsame Ziel war, den Sturz General Antonescus und Rumäniens Austritt aus der Achsenpolitik zu erwirken und eine Verbindung zu den westlichen Alliierten herzustellen.
Nach dem Staatsstreich vom 23. August 1944 wurde B. Mitglied des Kabinetts General Sănătescus und Minister ohne Portefeuille, in welcher Eigenschaft er aktiven Anteil an der neugeschaffenen demokratischen Verfassung nahm. Er forderte die Auflösung der Internierungslager, Respektierung der Bürgerrechte, Aufnahme der diplomatischen Beziehung mit den Alliierten, Zusammenziehung sämtlicher Truppen, um Nordsiebenbürgen zurückzuerobern. Während in Potsdam die Alliierten tagten, verfaßte B. zusammen mit Iuliu Maniu einen Aufruf an das Volk und prangerte darin die Übergriffe der „Rumänischen Kommunistischen Partei“ an. Bei der Viermächtekonferenz in Moskau (1947) forderte er die Wiederherstellung eines echt demokratischen Regimes in Rumänien. Er protestierte bei den Friedensverhandlungen in Paris (1947) gegen die willkürliche Annexion Bessarabiens und der Nordbukowina durch die Sowjetunion. B., der ebenso wie Iuliu Maniu als ein aufrichtiger Demokrat galt, wurde von den Kommunisten als „Faschist“ und „imperialistischer Handlanger“ hingestellt. Vergeblich kämpfte er gegen die volksdemokratische Auffassung und gegen die Wahlergebnisse von 1946, bei denen seine Partei nur noch drei Mandate erhielt. Die Regierung internierte ihn erst in Pomarla und brachte ihn dann nach Sighetul Marmaţiei ins Gefängnis, wo er starb.

Verfasser

George Ciorănescu (GND: 130641340)

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Empfohlene Zitierweise: George Ciorănescu, Brătianu, Constantin, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 251-252 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=612, abgerufen am: (Abrufdatum)

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