Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Bonifaz von Montferrat

Bonifaz von Montferrat, Markgraf von Montferrat und König (?) von Thessalonike 1204-1207, * 1150/55, † Mosynopolis 4.09.1207, dritter Sohn des Markgrafen Wilhelm des Alten von Montferrat und der Judith, Tochter des Markgrafen Leopold III. von Österreich.

Leben

B., der mütterlicherseits mit den Saliern und Staufern, väterlicherseits mit den Kapetingern verwandt war, stand durch die Heiraten seiner Brüder auch in engen verwandtschaftlichen Beziehungen zu den byzantinischen Kaiserhäusern der Komnenen und Angeloi und zum Königreich Jerusalem. In seiner Jugend, die er in Norditalien verbrachte, war er - nachdem seine Familie nach 1180 den probyzantinischen Kurs aufgegeben hatte - ein treuer Anhänger der staufischen Politik. 1194/95 nahm er als Flottenkommandant an der süditalienischen Expedition Kaiser Heinrichs VI. teil; nach dessen Tod ergriff er Partei für Philipp von Schwaben.
1201 in Soissons zum Führer des vierten Kreuzzuges gewählt, war B. auf Grund seiner Kontakte zu dem byzantinischen Thronprätendenten Alexios IV. Angelos maßgeblich an der Ablenkung dieses Unternehmens beteiligt. Seine Zusammenarbeit mit Venedig führte zur Erstürmung von Zadar/Zara im November 1202 und zur Eroberung von Konstantinopel durch die Kreuzfahrer am 13. April 1204. Bei der Wahl eines lateinischen Kaisers von Konstantinopel dem Grafen Balduin von Flandern unterlegen (Mai 1204), heiratete er Margarethe-Maria, Tochter Bélas III. von Ungarn und Witwe des Kaisers Isaak II. Angelos. Nach dem Teilungsvertrag von 1204 sollte B. Gebiete in Kleinasien und Griechenland nebst Kreta erhalten, forderte jedoch Thessalonike für sich. Mit Unterstützung Venedigs, dem er in einem Geheimvertrag Kreta verkauft hatte, zog er gegen den anfänglichen Widerstand Kaiser Balduins I. in Thessalonike ein (Herbst 1204), ohne jedoch nach den neuesten Forschungen (Ferjančić) den Königstitel anzunehmen, und begann mit der Unterwerfung Mittel- und Südgriechenlands (Besetzung von Larissa, Theben und Athen, erfolglose Belagerung von Korinth und Nauplion). Durch einen Aufstand in Thessalonike und durch das bulgarische Vordringen unter Kalojan wurde B. nach Norden zurückgerufen, wo er in Gegensatz zu dem Bruder und Nachfolger Balduins, Kaiser Heinrich, geriet; der Zwist konnte jedoch durch die Heirat Heinrichs mit Agnes, der Tochter des B. aus erster Ehe, beigelegt werden: B. leistete seinem Schwiegersohn den Lehenseid (Sommer 1207), fiel aber bereits im September 1207 in der Gegend von Mosynopolis im Kampf gegen die Bulgaren.

Literatur

Hopf, Karl: Bonifaz von Montferrat, der Eroberer von Konstantinopel, und der Troubadour Rambaut von Vaqueiras. Berlin 1877.
Gerland, Ernst: Geschichte des lateinischen Kaiserreiches von Konstantinopel. Homburg vor der Höhe 1905.
Miller, William: The Latins in the Levant. London 1908.
Ders.: Essays on the Latin Orient. London 1921.
Usseglio, Leopoldo: I marchesi di Monferrato in Italia ed in Oriente durante i secoli XII e XIII. 2 Bde. Casale Monferrato 1926.
Bréhier, Louis: Boniface de Montferrat. In: Dict. Hist. et Géogr. Eccl. 9 (1937) 958-966 (mit Bibliographie).
Grégoire, Henri: Empereurs grecs ou français de Constantinople. I. Boniface de Montferrat ou le détournement de la croisade. In: Bull. Fac. Lett. Univ. Strasbourg 25 (1946/47) 221-227.
Longnon, Jean: L’empire latin de Constantinople et la principauté de Morée. Paris 1949.
Ferjančić, Božidar: Počeci Solunske kraljevine (1204-1209). In: Zborn. Rad. vizant. Inst. 8 (1964) 2, 101-116.
Brand, Charles, Byzantium Confronts the West 1180-1204. Cambridge/Mass. 1968.

Verfasser

Otto Kresten (GND: 1029693145)

GND: 130803316

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