Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

Bonfini, Antonio
Bild: Wikimedia Commons
Wikidata: Q266482

In den Suchergebnissen blättern

Treffer 
 von 1526

Bonfini, Antonio

Bonfini, Antonio, italienischer Humanist und Geschichtsschreiber, * Patrigone bei Ascoli (?) 1427 (?), † Ofen 1502 (?).

Leben

B. wuchs in Ascoli auf und studierte dort die klassischen Sprachen bei Enocco d' Ascoli, der als einer der ersten auf den lateinischen Charakter der rumänischen Sprache hinwies und bedeutenden Anteil an der Wiederentdeckung der „Germania“ von Tacitus hatte - Erkenntnisse, die nicht ohne Einfluß auf das Hauptwerk von B. blieben. Nach Wanderjahren als Hauslehrer verschiedener italienischer Familien nahm B. 1478 die Wahl zum Rektor der Akademie von Recanati an, wo er sechs Jahre lang Latein, Griechisch und die Fächer des Triviums lehrte. 1482 wurde er in die Bürgerliste der Stadt Ascoli aufgenommen.
Durch Vermittlung des Kardinals Johann von Aragon, eines Onkels der Königin Beatrix von Ungarn, wurde B. am Hofe von Ofen bekannt. Mit Übersetzungen des Herodianus und des Hermogenes sowie mit dem „Libellus de Corviniae Domus origine“, in dem B. die Abstammung der Hunyadi auf die römische Patrizierfamilie des Valerius Messala Corvinus zurückführte, gelang es B., die Gunst Matthias’ I. von Ungarn zu gewinnen. Im Dezember 1486 überreichte B. diese Schriften dem ungarischen König persönlich während dessen Kriegszuges in Niederösterreich. In einer weiteren Schrift „Symposion de virginitate et pudicitia coniugale“, für die B. die Unterstützung König Ferdinands von Neapel, des Vaters der Königin Beatrix, fand, hob B. die politische Bedeutung der ungarischen Königin als Verwalterin der eroberten österreichischen Gebiete und als Kampfgefährtin Matthias’ I. hervor. (Zuletzt herausgegeben von István Apró, Budapest 1943). Im Januar 1487 wurde B. zum Vorleser der ungarischen Königin ernannt und von Matthias I. beauftragt, im humanistischen Stil eine Geschichte Ungarns zu schreiben. In den folgenden Jahren sammelte B. in Italien und Ungarn das Material für seine „Rerum Ungaricarum Decades“, die er erst nach dem Tode Matthias’ I. im Auftrag König Wladislaws II. mit der Darstellung der Krönung des Jagiellonen 1492 beendete. B. beabsichtigte, sein Hauptwerk bis zu seiner Gegenwart fortzuführen, doch ein Schlaganfall hinderte ihn daran. Trotz wiederholter Versuche, nach Italien zurückzukehren, gelang es Wladislaw II., B. in Ofen zurückzuhalten, wo er starb.
Mit den „Rerum Ungaricarum Decades“ schrieb B. die erste Geschichte Ungarns, die sprachlich und inhaltlich den Ansprüchen eines neuen Zeitalters Rechnung trug und sich darin wesentlich von der „Ofener Chronik“ (1473) und der „Thúróczy-Chronik“ (1488) unterschied. Nach dem Vorbild von Livius teilte B. sein Werk in Dekaden. Neben den Geschichtsschreibern der Antike benutzte er die Werke italienischer Humanisten, unter ihnen die von Enea Silvio Piccolomini, Flavio Biondo und Callimachus Experiens. Bei den ungarischen Überlieferungen stützte sich B. auf die mittelalterlichen Legenden und die „Thuróczy-Chronik“, während er für die Darstellung der Regierungszeit Matthias’ I. die Quellen selbst zusammentrug und durch Zeugenberichte sowie durch eigene Erlebnisse ergänzte. Trotz seiner Stellung als Hofhistoriograph zeichnete sich B. durch einen gemäßigten Panegyrismus aus. Mit der einzigen umfassenden Darstellung der Regierung Matthias’ I. und des prunkvollen Lebens an den Höfen von Ofen und Visegrád beeinflußte B. für Jahrhunderte das Geschichtsbild von dem Corvinen. (Die neueste Ausgabe der „Rerum Ungaricarum Decades“ ist von József Fógel, Béla Iványi und László Juhász, Leipzig und Budapest 1936-1941; ungarische Übersetzung von László Geréb [Bonfini, Mátyás király], Budapest 1959.)

Literatur

Battistrada, Mario: Il rinascimento e il regno di Mattia Corvino nell’opera di Antonio Bonfini. Ascoli Piceno 1928. In: Brigata Ascolana Amici dell’Arte. Gruppo Studiosi Storia Patria. Antonio Bonfini, 1427-1927.
Amadio, Giulio: La vita e l'opera di Antonio Bonfini, primo storico della nazione ungherese in generale e di Mattia Corvino in particolare. Montalto Marche 1930.
Horváth, Jenő: A magyar irodalmi műveltség megoszlása. Budapest 1935.
Kardos, Tibor: A magyarországi humanizmus kora. Budapest 1955.

Verfasser

Karl Nehring (GND: 170892018)

GND: 104106123


Warning: file_get_contents(): SSL operation failed with code 1. OpenSSL Error messages: error:1414D172:SSL routines:tls12_check_peer_sigalg:wrong signature type in /www/htdocs/w00daf99/BioLex/BioLexViewview.php on line 1443

Warning: file_get_contents(): Failed to enable crypto in /www/htdocs/w00daf99/BioLex/BioLexViewview.php on line 1443

Warning: file_get_contents(https://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks/-biolex-ios?format=seealso&id=104106123): failed to open stream: operation failed in /www/htdocs/w00daf99/BioLex/BioLexViewview.php on line 1443

RDF: RDF

Vorlage (GIF-Bild):  Bild1   Bild2   

Empfohlene Zitierweise: Karl Nehring , Bonfini, Antonio, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 231-232 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=596, abgerufen am: (Abrufdatum)

Druckerfreundliche Anzeige: Druckerfreundlich

Treffer 
 von 1526
Ok, verstanden

Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Mehr Infos