Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

In den Suchergebnissen blättern

Treffer 
 von 1526

Bezerédj, István

Bezerédj, István, ungarischer Gutsbesitzer und Politiker, * Szerdahely (Ödenburger Komitat) 28.10. 1796, † Hídja (Tolnauer Komitat) 6.03.1856, aus einer angesehenen mitteladeligen Familie, Sohn István B.s, Gutsbesitzer und Stuhlrichter im Ödenburger Komitat, und der Erzsébet Felsőbüki Nagy, Schwester Pál Felsőbüki Nagys.

Leben

B. absolvierte seine Studien von 1804 bis 1811 am Ödenburger Gymnasium und von 1811 bis 1815 an der Preßburger Rechtsakademie und war dann bis 1817 als Rechtspraktikant tätig. Von 1817 bis zu seinem Tode bewirtschaftete er die Güter seiner Familie im Tolnauer Komitat und stand zugleich von 1818 bis 1836 im Dienste dieses Komitates, zunächst als Geschworener, dann als Vizenotar, später als ehrenamtlicher Obernotar, schließlich, von 1827 an, als dessen Obernotar.
Als Politiker galt B. von Anfang an als einer der Führer der liberalen Adelsopposition des Tolnauer Komitates und stieg dann in den 1830er Jahren in die Landesführung auf. Als Abgeordneter des Tolnauer Komitates nahm er an den Landtagen von 1830, 1832/1836, 1839/1840 und 1843/1844 teil; er zeichnete sich dabei als Vorkämpfer der Aufhebung der Leibeigenschaft, der Einführung der sich auch auf die Adeligen beziehenden Steuerpflicht und anderer liberalen Neuerungen aus. Mit einem Teil seiner Leibeigenen schloß er bereits 1840 einen für diese überaus günstigen Erbablösevertrag ab und im Jahre 1844 unterzog er sich, nachdem die Initiativen der Opposition bezüglich der Besteuerung des Adels am Landtag mißglückt waren, jedem anderen ungarischen Adelsherrn vorangehend, freiwillig der Steuer. Mittlerweile wirkte er auch in seinem Komitat bei der Realisierung zahlreicher mit liberalem Geist erfüllter Neuerungen mit: in den 1830er Jahren bei der Gründung mehrerer Kinderbewahranstalten und einer Schule für Kindergärtnerinnen, 1842 beim Zustandekommen des Tolnauer „Industrie-Schutz Vereins“.
1846-1847 war auch B. unter den Gründern der ersten Landesorganisation der ungarischen Liberalen, der „Oppositionellen Partei“, und wurde nach dem Ausbruch der Revolution von 1848 und nach dem Sieg seiner Partei im Szekszárder Wahlbezirk des Tolnauer Komitates zum Abgeordneten des ersten Reichstages aufgrund der Volksvertretung gewählt. In vieler Hinsicht blieb er auch später seinen früheren Grundsätzen treu - er kämpfte beispielsweise für ein fortschrittliches Steuersystem und für die Einführung des unentgeltlichen Volksschulunterrichtes - und versah gegen Ende des Jahres 1848 einige Tage lang auch das Amt des zur Kontrolle des katholischen Episkopates berufenen Regierungskommissars. In der Beurteilung der Politik jedoch, die gegen die Konterrevolution geführt werden sollte, vertrat er nicht den Standpunkt der Anhänger des konsequenten Kampfes, sondern den der Ausgleich suchenden Friedenspartei.
Nach dem Sturz der Revolution verurteilte ihn der Pester k.k. Gerichtshof zum Tode, begnadigte ihn jedoch sogleich. Von nun an entfaltete er keine politische Tätigkeit mehr und bewirtschaftete bis zu seinem Tode zurückgezogen nur sein Gut. B. heiratete zweimal. Seine erste Frau - von 1821 bis zu ihrem Tode im Jahre 1837 - war eine entfernte Verwandte, die Jugendschriftstellerin Amália B., seine zweite Frau - von 1848 an - deren Schwester, Etelka B.

Literatur

Bartal, György: Bezerédj István. In: Csengeri Antal (Hrsg.): Magyar szónokok és statusférfiak. Pest 1851, 47-58.
Leopold, Samu: Bezerédj István, az örök igazság. Budapest 1897.
Bodnár, István és Gárdonyi Albert: Bezerédj István. 2 Bde. Budapest 1918/20.
Csóka, Lajos: Bezerédj István, a jobbágyság első felszabadítója. In: Magy. Kult. 15 (1928) 54-58.
Bodnár, István: Bezerédj István és a százéves szekszárdi kaszinó. Szekszárd 1942.
Barta, István: Bezerédj István. In: Élet és Tud. 12 (1957) 99-102.

Verfasser

György Spira (GND: 1075684846)

GND: 1021277657


RDF: RDF

Vorlage (GIF-Bild):  Bild1   Bild2   Bild3   

Empfohlene Zitierweise: György Spira, Bezerédj, István, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 203-205 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=573, abgerufen am: (Abrufdatum)

Druckerfreundliche Anzeige: Druckerfreundlich

Treffer 
 von 1526
Ok, verstanden

Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Mehr Infos