Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Bercsényi, Miklós Graf

Bercsényi, Miklós (Nikolaus) Graf, ungarischer Kuruzzengeneral, * Temetvény (Neutraer Komitat) September oder Oktober 1665, † Rodosto (Türkei) 6.11.1725, aus einer Großgrundbesitzerfamilie Nordungams.

Leben

B. besuchte die Tyrnauer Universität und erhielt anschließend eine militärische Ausbildung. 1686 zeichnete er sich bei der Belagerung der Ofner Burg aus und wurde zum Obersten, dann zum Oberkapitän der Szegediner Burg befördert. 1687 wurde er „Ritter des goldenen Sporen“, 1691 Obergespan des Unger Komitates, königlicher Rat und Vizegeneral der oberungarischen Bergstädte, 1696-1698 oberster Kriegskommissar Oberungarns.
Unzufrieden mit der absolutistischen Regierungsweise Leopolds I., gewann B. den jungen Ferenc Rákóczy für seine Pläne zur Beendigung der habsburgischen Herrschaft in Ungarn. Die Adelsverschwörung wurde jedoch aufgedeckt und Rákóczy 1701 verhaftet. B. floh nach Polen, wo er zunächst allein, dann mit dem entkommenen Rákóczy zusammen die Unterstützung der Könige von Frankreich und Schweden zu gewinnen trachtete. Eine entscheidende Wendung trat ein, als sich im Frühjahr 1703 die Bauern der oberen Theißgegend erhoben. B. wurde als „General der vereinigten Stände“ (1705) einer der Hauptorganisatoren des Freiheitskampfes und der vertrauteste und einflußreichste Ratgeber des Fürsten. 1706 war er Leiter der Kuruzzenabordnung, die in Tyrnau Friedensverhandlungen mit dem Kaiser führte. 1707 ernannte ihn der Fürst zum Statthalter und schickte ihn nach Warschau, wo er mit Peter dem Großen ein geheimes Bündnis schloß. Im Gegensatz zu seinem Herrn, der eher von den Schweden und Franzosen Hilfe erhoffte, zeigte sich B. als begeisterter Anhänger der russischen Orientierung. Ende 1710 ging er nach Rußland, um die russische Intervention auszuhandeln. Den in seiner Abwesenheit am 29. April 1711 geschlossenen Frieden von Szatmár lehnte er ab. Er blieb in Polen und lebte bis 1716 auf der Burg Brezan.
Vor Beginn des türkisch-österreichischen Krieges ging B. auf Einladung des Sultans auf türkisches Gebiet und versuchte 1717 von Orschowa her nach Ungarn einzubrechen. Nach dem Frieden von Passarowitz ließ er sich 1718 in Rodosto am Bosporus nieder. Seine sterblichen Überreste wurden von hier 1906 nach Ungarn übergeführt und feierlich beigesetzt.

Literatur

Székesi gróf Bercsényi Miklós főhadvezér és fejedelmi helytartó levelei Rákóczi fejedelemhez 1704-1712. Hrsg. Kálmán Thaly. 4 Bde. Pest 1876/79. = Archivum Rákóczianum. II/ 1.
Thaly, Kálmán: A székesi gróf Bercsényi család 1470-1835. 3 Bde. Budapest 1885/92.
Heckenast, Gusztáv: A Rákóczi-szabadságharc. Budapest 1953.
Köpeczi, Béla és Várkonyi Ágnes: II. Rákóczi Ferenc. Budapest 1955.

Verfasser

Béla Kalman Kiraly (GND: 11933710X)

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Empfohlene Zitierweise: Béla Kalman Kiraly, Bercsényi, Miklós Graf, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 185-186 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=560, abgerufen am: (Abrufdatum)

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