Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Báthory von Somlyó, Zsigmond

Báthory von Somlyó, Zsigmond (Sigismund), Fürst von Siebenbürgen Mai 1581-Juli 1594, August 1594-April 1598, August 1598-März 1599, Februar 1601-Juni 1602, * 1572, † Prag 27.03.1613, Sohn des Woiwoden Kristóf (Christoph) B. von Siebenbürgen und der Erzsébet Bocskay, Schwester István Bocskays.

Leben

Als neunjähriger noch zu Lebzeiten seines Vater gewählt, regierten während Sigismunds Minderjährigkeit die von König Stephan von Polen ernannten Räte und von 1585 an der Wardeiner Kapitän János Giczy allein. 1588 wurde der junge Fürst auf dem Landtag von Mediasch für großjährig erklärt, unter der Bedingung, daß er die Jesuiten verbannt. Einige von ihnen durften jedoch im Lande bleiben, so auch der Beichtvater und Berater des Fürsten, der Spanier Alfonso Carrillo.
Bald nach der Thronbesteigung des Fürsten kam es zu Spannungen mit Balthasar B. und Stephan B., den Söhnen von Sigismunds Onkel Andreas B. Der Fürst setzte Stephan B. als Wardeiner Kapitän ab und ernannte stattdessen István Bocskay (Sommer 1592). Balthasar B. war Exponent der türkenfreundlichen Mehrheit des Adels, dagegen sympatisierte Bocskay mit den Habsburgern. Nach Ausbruch des Fünfzehnjährigen Krieges versuchte Papst Klemens VIII., auch Sigismund an der Liga gegen die Türken zu interessieren. Der Fürst schickte Pater Carrillo zu Verhandlungen nach Prag. Als auch die Hohe Pforte von ihrem Vasallen Truppen gegen die Liga verlangte, setzte sich Sigismund im Landtag vergeblich für die Belange der Liga ein. Unter dem Druck einer Kriegsdrohung durch die Türken übergab er die Macht Balthasar B. und der türkenfreundlichen Partei (28.07.1594). Bald bereute er aber seine Entscheidung und nahm Fühlung mit Bocskay auf, der sich entschlossen hatte, Sigismund und nicht den türkenfreundlichen Landtag zu unterstützen. Darauf zog Sigismund in Klausenburg ein, um sich den Landtag gefügig zu machen (27.08.1591). Balthasar B. und zehn seiner Anhänger wurden hingerichtet.
Bocskay schloß nun im Auftrag Sigismunds einen Vertrag mit Rudolf II. (28.01.1595): Der Kaiser verbündete sich mit dem Fürsten gegen die Türken, bestätigte dessen Erbrechte auf Siebenbürgen und vermählte ihn mit einer Erzherzogin, dafür erkannte Sigismund die Oberhoheit Rudolfs II. und - für den Fall des Aussterbens seines Hauses - dessen Erbrecht auf Siebenbürgen an. Der Landtag stimmte dem Bündnis im April zu und annullierte das Gesetz gegen die Jesuiten.
Während der Sieg Bocskays bei Giurgiu (29.10. 1595) für kurze Zeit Siebenbürgen von der Türkengefahr befreite, kam es durch Sigismunds Nachgiebigkeit gegenüber den Forderungen des siebenbürgischen Adels zu neuen Unruhen. Die Székler, die zahlreich am Feldzug in die Walachei teilgenommen hatten, wurden im Dezember 1595 wieder ihrer Freiheiten beraubt. Der darauffolgende Székleraufstand wurde von den Truppen Bocskays niedergeworfen.
Das Jahr 1596 brachte militärische Rückschläge für das christliche Lager. Die Belagerung von Temeschwar mißlang Sigismund und die Schlacht bei Mezőkeresztes, die Entscheidungsschlacht des Fünfzehnjährigen Krieges, an der auch der Fürst teilgenommen hatte, ging ebenfalls verloren (26.10. 1596). Der Fürst bot darauf Rudolf II. persönlich seine Abdankung an. Auch wollte der Fürst die Ehe mit der Erzherzogin Maria Christiana lösen, was am leichtesten zu erreichen war, wenn er auch auf das Fürstentum verzichtete. Pater Carrillo erreichte die Annahme seiner Bedingungen (23.12.1597), und Sigismund übergab Siebenbürgen im Tausch für die Herzogtümer von Oppeln und Ratibor sowie für eine Jahresrente dem Kaiser (10.04.1598). Das Vorgehen der kaiserlichen Kommissare in Siebenbürgen führte zu weiterer Unzufriedenheit, darüber hinaus drohte ein neuer türkischer Angriff. Diese Umstände veranlaßten Bocskay, der inzwischen von den Kommissaren abgesetzt worden war, Sigismund zurückzurufen, der am 20. August 1598 wieder die Regierung übernahm. Doch bereits im März 1599 dankte er zugunsten seines Vetters, des Kardinals Andreas B., wieder ab. Im Auftrag Rudolfs II. vertrieb darauf der Woiwode Michael den neuen Fürsten in der Schlacht von Schellenberg (Sellenberk, 28.10.1599). Seine selbstherrliche Regierung erregte jedoch den Protest der Siebenbürger, die sich um Hilfe an den Kaiser wandten, der den Kaschauer Oberkapitän Georg Basta gegen den Woiwoden entsandte. Der kaiserliche General besiegte die walachischen Truppen am 18. September 1600 bei Miriszló. Darauf drang Sigismund - von Polen unterstützt und als Verbündeter der Hohen Pforte - von der Moldau her in Siebenbürgen ein, wo er am 4. Februar 1601 vom Landtag erneut als Fürst bestätigt wurde. Michael ging nach Prag und erreichte beim Kaiser, daß Basta zur Sicherung seiner Herrschaft nach Siebenbürgen zog. Am 3. August 1601 verlor Sigismund die Schlacht bei Goroszló gegen die beiden Verbündeten und floh in die Moldau, um ein letztes Mal mit türkischer Unterstützung nach Siebenbürgen einzufallen. Kronstadt nahm ihn auf und die Sachsenstädte ergaben sich ihm bis auf Hermannstadt (Oktober 1601). Da bat Bocskay von Prag aus den Fürsten, er möge zurücktreten. Die Vereinbarung kam im Einvernehmen mit Basta am 29. Juni 1602 zustande: Sigismund, dessen unstetige und unberechenbare Politik Siebenbürgen dem Zusammenbruch nahe gebracht hatte, zog sich gegen territoriale und finanzielle Entschädigung nach Böhmen zurück.

Literatur

Benda, Kálmán: Bocskai István. Budapest 1942.
Makkai: S. 185-197, 200-203.

Verfasser

Miguel de Ferdinandy (GND: 118686771)


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