Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

Báthory von Somlyó, István
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Báthory von Somlyó, István

Báthory von Somlyó, István (Stephan), Woiwode von Siebenbürgen 1571-1576, Fürst von Siebenbürgen und König von Polen 1576-1586, * Somlyó 27.09.1533, † Grodno 12.12.1586, Sohn von István B., Woiwode von Siebenbürgen († 1534) und Katalin Telegdi.

Leben

Der frühverwaiste Stephan B. diente zunächst am Hofe der Königin Isabella in Siebenbürgen und wurde dann Page am Hofe König Ferdinands I. in Wien. Nach dem Studium an der Universität von Padua kehrte er nach Siebenbürgen zurück und wurde zum Kapitän von Wardein ernannt. Bei seiner zweiten diplomatischen Mission an den Wiener Hof hielt man ihn dort zwei Jahre lang gefangen (1565/67).
Nach dem Frieden von Adrianopel (1568) erkannte Stephan die Möglichkeiten, die sich, aus einer Mittellage Siebenbürgens zwischen dem Habsburgischen und Osmanischen Reich ergaben. Als reichsten Magnaten Ostungarns wählte ihn der siebenbürgische Landtag nach dem Tode Johann Sigismunds am 25. Mai 1571 zum Woiwoden - gleichzeitig nominierte ihn auch der Sultan. In geheimer Sitzung des Staatsrates leistete er indessen Kaiser Maximilian II. - in dessen Eigenschaft als ungarischer König - den Eid und erkannte damit nominell die Einheit des Reiches der ungarischen Krone an. Seine Regierungstätigkeit zeichnete sich durch frühabsolutistische Tendenzen aus. Bei seinen Zentralisationsbestrebungen und bei dem Ausbau seiner Hausmacht stützte er sich auf humanistisch gebildete Räte, die zum Teil dem niederen Adel enstammten und in völliger Abhängigkeit zu Stephan standen. Die von seinem Vorgänger konfiszierten Freiheiten der Székler wurden nicht wiederhergestellt, doch öffnete sich ihnen der Weg zur militärischen Karriere und durch großzügige Verleihung von Adelsbriefen entzog sie Stephan dem Einfluß der Gutsbesitzer. Hinsichtlich der Glaubensfreiheit versuchte der Woiwode die entstandene Lage zu festigen: Katholizismus, Luthertum und Kalvinismus bestanden weiter in Freiheit nebeneinander, der Unitarismus verlor seine frühere privilegierte Stellung und wurde zu einer Umorganisation gezwungen, aber nicht verfolgt. In späteren Jahren war einer seiner engsten Ratgeber katholisch, ein anderer evangelisch, ein dritter Unitarier.
Der Wiener Hof sah mit wachsender Eifersucht auf das kleine geordnete Land: Gáspár Békés, der Nachfolgekandidat Johann Sigismunds, der 1570 den Vertrag von Speyer zwischen Maximilian und seinem Fürsten geschlossen hatte, wurde 1575 in Begleitung ungarischer Herren gegen Siebenbürgen geschickt. In der Schlacht bei Kerelőszentpál siegte Stephan am 10. Juli. Békés konnte entfliehen, doch seine Parteigänger wurden grausam verfolgt.
Gleichzeitig standen sich Maximilian und Stephan auch in Polen als Rivalen gegenüber. Im Juli 1572 waren die Jagiellonen ausgestorben und der Habsburger versuchte daraufhin sich Polens zu bemächtigen. Auf dem Krakauer Reichstag setzte sich Georg Blandrata in einer geschickten Rede für die Kandidatur des Siebenbürgers ein. Von Nuntius Laureo und dem hohen Klerus beeinflußt, wählte indessen die Aristokratie Maximilian zum König (14.12.1575). Die Mehrheit des niederen Adels und mit ihr Jan Zamojski - der spätere Gatte von Stephans Nichte Griseldis - wählte jedoch Stephan zum König, unter der Bedingung, daß er Anna, die Schwester des letzten Jagiellonen heirate. Da die Hohe Pforte mit dieser Wahl einverstanden war - Murad III. ließ den „König in Wien“ sogar wissen, er würde jeden Angriff auf Polen als casus belli ansehen - ließ er seinen Bruder Christoph in Siebenbürgen zum Woiwoden wählen (er selbst nahm den Titel eines Fürsten von Siebenbürgen an) und zog nach Krakau, wo er am 1. Mai 1576 gekrönt wurde. Laureo versuchte noch einen Bund mit Rußland zustande zu bringen, aber Maximilian starb im Oktober 1576. Sowohl Békés als auch Laureo gelang es, König Stephan für sich zu gewinnen, doch gelang es dem Nuntius nicht, eine Annäherung zwischen Kaiser Rudolf II. und Stephan zu erreichen.
Trotz innenpolitischer Schwierigkeiten - mangelndes Verständnis des polnischen Reichstages für die russische Gefahr und bedenklicher Hang des polnischen Hochadels zur Anarchie - führte Stephan eine originelle und kraftvolle Politik. Sein Hofgeschichtsschreiber Heidenstein stellte die Geschichte seiner Kriege zusammen, die der König selbst verbesserte und ergänzte; eine Reform der Krakauer Universität wurde in Angriff genommen; in Wilna, Krakau, Posen und Riga wurden Jesuitenschulen gegründet; vom Papst und dem Patriarchen von Konstantinopel wurde Material angefordert für ein Geschichtswerk, das all die Geschicke der von den Türken bedrohten oder geknechteten Völker behandeln sollte. Der Plan eines starken ungarisch-siebenbürgisch-polnischen Bündnisses als selbständiger politischer Faktor zwischen Habsburg und dem Osmanischen Reich entstand: Sigismund sollte König von Ungarn, der polnische Kanzler Zamojski Fürst von Siebenbürgen werden. Als Fernziel erschien dem König die Herausdrängung der Türken aus Europa, die Einnahme Istanbuls und die Zerstörung des Osmanischen Reiches im Bündnis mit dem Schah von Persien. Erzbischof Sokolowski von Lemberg unterbreitete den Plan Papst Sixtus V. König Stephan verlangte ein „Subsidium“ für den Kampf gegen die Türken und die Moskowiter. Der Papst billigte den Plan. Possevino überbrachte dem König dessen Botschaft. Schon war der Reichstag zusammengerufen, um Vorbereitungen für die neuen Unternehmungen zu treffen, als Stephan nach kurzer Krankheit im 54. Lebensjahr starb.

Literatur

Bíró, Vencel: Báthory István, erdélyi fejedelem. Kolozsvár 1933.
Veress, Endre: Báthory István király. Budapest 1937.
Makkai: S. 176-186.
Ders.: Sztefan Báthory. Warszawa 1961.
Vernadsky, George: History of Russia. Bd 5: The Tsardom of Moscow. 1547-1682. New Haven 1969.

Verfasser

Miguel de Ferdinandy (GND: 118686771)

GND: 118753495

Weiterführende Information (Deutsche Biographie): https://www.deutsche-biographie.de/pnd118753495.html


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Empfohlene Zitierweise: Miguel de Ferdinandy, Báthory von Somlyó, István, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 154-155 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=531, abgerufen am: (Abrufdatum)

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