Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Baillet de Latour, Theodor Graf

Baillet de Latour, Theodor Graf, österreichischer Kriegsminister, * Linz 15.06.1780, † Wien 06.10.1848, aus einer belgischen Adelsfamilie.

Leben

B. erlebte eine spektakuläre militärische Karriere in den Napoleonischen Kriegen. 1805 wurde er zum Major beim Generalstab, 1814 zum Generalmajor ernannt. 1829 war er Leiter der österreichischen Militärkommission bei der Frankfurter Bundesversammlung, 1841 Feldzeugmeister, 1848 letzter Hofkriegsratspräsident. Er wurde am 29. April 1848 nach dem Rücktritt des Kriegsministers Lazini in dessen Position ins Kabinett Pillersdorf berufen. Die Auseinandersetzungen mit Ungarn und mit der zivilen Verwaltung bestimmten seine kurze Amtszeit, in der er sich mehr und mehr als Sachwalter der reaktionären Politik des Kaisers und seiner Umgebung erwies. Die Stellung eines konstitutionellen, der Volksvertretung verantwortlichen Ministers begriff er durchaus nicht. Seine organisatorischen Veränderungen im Ministerium zielten danach, eine vollständige Herauslösung des Militärs aus der politischen Verwaltung zu erreichen. B., der auch im Kabinett Doblhoff-Wessenberg Kriegsminister blieb, stellte sich bezüglich der Errichtung eines eigenständigen ungarischen Ministeriums, dem auch ein Kriegsminister angehörte, stets auf den Standpunkt der Einheitlichkeit des Heeres. Die Auseinandersetzungen mit den Ungarn erreichten nach Ausbruch der Kämpfe zwischen Kroatien - unter dessen Banus Jelačić - und Ungarn, bzw. nach der Auflösung des ungarischen Reichstages am 3. Oktober ihren Höhepunkt. B., dem der Anschlag der reaktionären Kräfte gegen die ungarische Verfassung gelegen kam, war bereit, eine solche Aktion auch gegen die Österreicher zu unterstützen. Er förderte daher die Unterdrückung des ungarischen Aufstandes, indem er ein Wiener Regiment gegen Ungarn abgehen lassen wollte. Damit überschritt er seine verfassungsmäßigen Befugnisse. Die Wiener Bevölkerung, in erster Linie die durch die Privilegiengesetzgebung der Revolution nicht erfaßte, stellte sich gegen die Abfahrt der Truppen. Die intransigente Haltung B.s ließ die Kämpfe immer heftiger werden. B. selbst wurde am 6. Oktober von der aufgebrachten Menge erhängt.

Literatur

Endres, Robert: Revolution in Österreich. Wien 1947.
Wagner, Walter: Die Geschichte des k. k. Kriegsministeriums. Bd 1. Graz, Wien, Köln 1966.

Verfasser

H. Haas (GND: 116752769)


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