Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Auersperg, Anton Alexander Graf

Auersperg, Anton Alexander Graf (Pseud.: Anastasius Grün), Dichter und österreichischer Politiker, * Laibach 11.04.1806, † Graz 12.09.1876.

Leben

A., aus freisinnigem Elternhaus, kam, nachdem er infolge Widersetzlichkeit mehrere Schulen hatte verlassen müssen, 1819 ins Erziehungsinstitut Klinkowströms in Wien, auf das der prononciert katholische Kreis um Hofbauer Einfluß hatte. Trotzdem wurde dort 1822-1824 der freisinnige Prešeren A.s Geschichtslehrer, mit dem er bis zu dessen Tod durch Freundschaft verbunden war. 1824-1826 studierte A. vorerst Philosophie in Wien, dann 1826-1830 Jura, zuerst in Graz, dann wieder in Wien. Er lernte hier auch Lenau kennen, dessen nachgelassene Werke er 1851 edierte. An seine Studien schloß A. 1830-1831 eine erste Süddeutschland-Reise an, die ihn u. a. zu Tieck und dem verehrten Uhland führte, aber auch nach Straßburg. Die Freiheitsbewegung in Frankreich bewegte ihn nachhaltig und wirkte auch auf seine im Herbst 1831 erschienenen „Spaziergänge eines Wiener Poeten“, die A. über Nacht berühmt machten. Die „Spaziergänge“, die erste politische Lyrik von Rang in Österreich, kritisierten das Metternichsche System unter dem Vorzeichen eines liberalen, durchaus österreichischen Patriotismus, den A. wesentlich zur dauernden Kräftigung des Vorrangs Österreichs im Deutschen Bunde dachte. Erinnerungen an Württembergs Kampf ums „alte Recht“ und an die österreichische Bewegung des Jahres 1809 vertrugen sich mit diesem Liberalismus. Daß dieser die österreichischen Nationalitäten aus dem hergekommenen, nur auf dem Verband von Fürsten ruhenden staatlichen Rahmen des Deutschen Bundes hinausdrängen konnte, sah A. noch nicht.
Ab Mitte 1831 lebte A. zurückgezogen der Bewirtschaftung seines Gutes Thurn am Hart (Krain), unterbrochen nur durch Reisen nach Italien (1834-1835), nach Deutschland (1836) und nach Paris, London und Brüssel (1837-1838). Im März 1838 hatte A. zwei Unterredungen mit Metternich, dem er zu schweigen versprach. Seine Freunde und Leser, denen er nun Gesinnung ausweisende Dichtung nicht mehr bieten konnte, enttäuschte A. dadurch sehr. Erst seit 1845 trat A. wieder häufiger in Wien auf. In den entscheidenden Märztagen hatte A. in Wien Anteil an dem Aufruf, der zur Ordnung mahnte, und gehörte der Delegation an, die das Verfassungsversprechen empfing. Zum Landtag nach Krain gereist, erfuhr A. von seiner Berufung ins Frankfurter Vorparlament. Dem nach Palackýs Absage an dieses gegründeten Verein „Slovenja“ antwortete A. mit dem Aufruf „An meine slowenischen Brüder“, worin er der nationalen Unterdrückungspolitik des gestürzten Regimes die nationale Besonderheiten achtende, weil Freiheit und Gleichberechtigung verbürgende liberale Bewegung in den deutschen Bundesstaaten entgegenstellte. Dennoch wurde A. nur von deutsch-österreichischen Wahlmännern nach Frankfurt gesandt, wo er nicht besonders hervortrat.
Nach dem Scheitern der Revolution suchte A. wieder mit dem „Nachruf an Preschern“ (1849) und der Übersetzung slowenischer „Volkslieder aus Krain“ eine Deutsche und Slowenen einigende Ebene, fand sie aber nicht mehr. Zwar trat A. 1860 im „Verstärkten Reichsrat“ dem Majoritätsvotum bei, das zum „Oktober-Diplom“ führte, betonte aber bereits dort die Reichseinheit. Die Wendung zu Schmerling machte A. 1861 mit. Seitdem wurde er immer mehr zum Verfechter liberal-zentralistischer Organisation wenigstens Cisleithaniens. Solange der Krainer Landtag in diesem Sinn verfassungstreu blieb, gehörte A. ihm an (1861-1866), dann trat er in den steirischen über (1867-1870). Seit 1861 war A. Mitglied des Herrenhauses, in dem er Schmerling unterstützte und 1867 Belcredis Sistierungspolitik geißelte. Den Regierungen Potocki und Hohenwart, die 1870/1871 den Ausgleich mit den Föderalisten suchten, trat A. schroff entgegen, indem er, konsequent die zeitgenössische liberale Doktrin vortragend, mit rasch zu geflügelten Worten gewordenen Wendungen die nichtdeutschen Nationalitäten bekämpfte.

Literatur

Schlossar, Anton: Anastasius Grün (Graf Anton Alexander Auersperg). Sein Leben und Schaffen. Leipzig 1907.
Kracher, A. u. H. Himmel, in: Goedeke (Karl), Grundriß zur Geschichte der deutschen Dichtung. N. F. Bd 1. Berlin 1962 (grundlegendes Gesamtverzeichnis und Bibliographie).
Mádl, Antal: Politische Dichtung in Österreich (1830-1848). Budapest 1969.

Verfasser

Alfred Ableitinger (GND: 122101480)

GND: 118719033


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Empfohlene Zitierweise: Alfred Ableitinger , Auersperg, Anton Alexander Graf, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 111-113 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=491, abgerufen am: (Abrufdatum)

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