Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Arghezi, Tudor

Arghezi, Tudor (Pseudonym für: Ion N. Theodorescu), rumänischer Dichter, * Bukarest (nach eigenen widersprüchlichen Angaben: Cărbuneşti, Komitat Gorj) 21.05.1880, † Mărţişor 14.07.1967.

Leben

Sproß einer seit Generationen unbegüterten bäuerlich-handwerklichen Familie, mit dem Vater 1891 zerstritten, war A. früh auf selbständigen Unterhalt angewiesen. Er arbeitete als Gerichtspraktikant, Steinmetzgehilfe, Kopist, Privatlehrer, Chemielaborant und war sogar auch Leiter einer Zuckerfabrik. Ab 1899 war er Diakon im Kloster Cernica. 1905-1910 führte A. ein beruflich unstetes Leben in Freiburg/Schweiz, Genf und Paris, dann kehrte er in die Heimat zurück und wurde Herausgeber von Zeitschriften („Cronica“ 1915-1916, „Cugetul românesc“ 1922-1924, „Naţiunea“ 1923, „Bilete de papagal“ (1928-1945, mit Unterbrechungen) und bedeutender Pamphletist. Wegen unliebsamer publizistischer Tätigkeit mußte A. zweimal ins Gefängnis: 1919 wegen seiner gegen die Kriegs- und Annexionspolitik gerichteten Einstellung während der deutschen Okkupation nach Văcăreşţi, 1943 wegen eines berühmt gewordenen Pasquills gegen den deutschen Gesandten Baron von Killinger („Baroane!“) nach Tîrgu-Jiu. 1919 wurde er zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt und saß seine Strafe mit Ion Slavici ab. Nach 1945 wurde A. vielfach geehrt: 1955 wurde er Mitglied der Akademie der Wissenschaften, 1957 erhielt er den Staatspreis, 1965 den Herderpreis.
A. schrieb seine ersten symbolistischen Gedichte 1896. 1904 folgte der symbolistische Zyklus „Agate negre“. 1927 erschienen die „Cuvinte potrivite“, sein erster Gedichtband, der zusammen mit „Flori de mucigai“ (1931) zugleich sein wichtigster Beitrag zur rumänischen Lyrik war. Vom französisch-rumänischen Symbolismus kommend, den er später verwarf, beeinflußt von Baudelaire, Verlaine, Laforgue, Samain, Macedonski - der ihn von Anfang an förderte -, löste sich A. bald aus jeder literarischen Schule. Weniger in der Form (er bewahrte durchweg den Reim), als in der sprachlich-metaphorischen Gestaltung fand er nach Eminescu zu eigenem, unverwechselbarem Ausdruck. Sein Ton kann volksliedhaft, heiter fabulierend, schwermütig-fragend, expressiv, ironisch, grotesk wie auch bewußt pointiert und aggressiv sein. Die Thematik seiner Gedichte ist sehr weit gespannt: neben Liebes- und Todeslyrik, Herbstbildern und Kleinweltmalerei erhebt er soziale Anklage, schildert die Welt der Erniedrigten und Beleidigten und beschäftigt sich mit dem Bauernaufstand vom Jahre 1907 („1907“). In der Prosa war A. originell im engagiert-satirischen Pamphlet: „Icoane de lemn“ handelt über die Sittenlosigkeit des Klerus (1930), „Poarta neagră“ bringt Bilder aus dem Gefängnisleben (1930).
In seiner politischen Überzeugung war A. zu keiner Zeit parteikommunistisch doktrinär. Unreflektierte Dogmengläubigkeit karikierte er mit dem Lehrsatz: „Marx aber schuf das Licht und das Bügeleisen.“ A. vertrat einen vom Gedankengut des Urchristentums genährten, eher mitfühlenden oder anklagenden als revolutionären sozialistischen Humanismus, der zumindest bis 1944 geistig verschiedenen Richtungen offenstand. Wo er sich bewußt ideologische Zielsetzungen zueigen machte, schwand spürbar die poetische Substanz.

Literatur

Crohmălniceanu, Ovid S.: Tudor Arghezi. Bukarest 1960.
Petroveanu, Mihail: Tudor Arghezi poetul. Bukarest 1961.
Marcel, Luc-André: Tudor Arghezi. Paris 1963. = Poètes d’aujourd’hui. 104.
Vianu, Tudor: Arghezi, poet al omului. Bukarest 1964.
Del Conte, Rosa: Tudor Arghezi. Inno all’uomo. Rom 1967.
Manu, Emil: Prolegomene argheziene. Bukarest 1968.
Cioculescu, Şerban: Introducere în poezia lui Tudor Arghezi. Bukarest 1971(2).

Verfasser

Hartmut Köhler (GND: 124889395)


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