Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Aprilov, Vasil Evstatiev

Aprilov, Vasil Evstatiev, bulgarischer Großkaufmann und Schulgründer, * Gabrovo 21.07.1789, † Galatz 2.10. 1847, Sohn eines Kaufmanns.

Leben

Nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1800 schloß A. sich seinen Brüdern an, die in Moskau ein Geschäft besaßen, und lebte bei einer griechischen Familie, um die damals für Bulgaren notwendige Handels- und Kultursprache zu erlernen. Seine Ausbildung erhielt er zunächst in Kronstadt, wo er 1807 das deutsche Gymnasium absolvierte; darauf ging er nach Wien, um Medizin zu studieren. Nach der Rückkehr nach Rußland im Jahre 1809 ließ er sich in Odessa nieder, wo er sich vorwiegend in griechischen Handelskreisen und hetäristischen Zirkeln bewegte, ein beträchtliches Vermögen erwarb und in den Vorstand der örtlichen griechischen Schule gewählt wurde. Bis zum Jahre 1831 führte er das typische Leben jener bulgarischen Städter, über die Otec Paisij in seiner „Istorija slavjano bŭlgarska“ das vernichtende Urteil spricht, sie hätten ihre eigene Sprache und ihr kulturelles Erbe zugunsten der griechischen Sprache und Kultur aufgegeben.
Eine Wende in seinem Leben trat ein, als er das Buch des ukrainischen Historikers und leidenschaftlichen Bulgarophilen Jurij Venelin „Drevnye i nynešnye Bolgare v političeskom, narodopisnom, istoričeskom i religioznom ich otnošenii k Rossijanam“ (Moskau 1829) las. Unter seinem Eindruck wurde A. sich der überragenden Rolle bewußt, die die Bulgaren in der Geschichte der Slawen und des Balkans gespielt hatten und - bis dahin ein Förderer griechischer kultureller Bestrebungen - machte sich von nun an zur Aufgabe, das Nationalbewußtsein und die kulturelle Erweckung seiner Landsleute zu fördern. So ist vor allem ihm - in Zusammenarbeit mit N. Palauzov und anderen Bulgaren aus Odessa und Bukarest - die Gründung der ersten modernen bulgarischen Schule in seiner Heimatstadt im Jahre 1835 zu verdanken, die bald in verschiedenen Teilen Bulgariens Nachahmung fand. Neofit Rilski, der von 1835-1837 die Schule leitete, wandte hier zum ersten Mal die Bell-Lancaster-Lehrmethode an. Als das Saatbeet modernen bulgarischen Bildungswesens sah A. im Geiste, wie die Schule von Gabrovo sich eines Tages zu Bulgariens Universität entwickeln würde.
A.s Interesse an der nationalen und kulturellen Erweckung seiner bulgarischen Landsleute veranlaßte ihn, sich mit Geschichte, Erziehung und Folklore zu befassen, doch blieb er auf allen Gebieten ein Amateur und Publizist, der mit patriotischen Zielsetzungen schrieb. Sein erster Versuch „Bolgarskie knižniki ili kakomu slavjanskomu plemeni sobstvenno prinadležit kirillovskaja azbuka“ (Odessa 1841) war eine Widerlegung der serbischen Behauptung, das kyrillische Alphabet habe zuerst unter den Serben Verbreitung gefunden. A. machte dagegen geltend, daß Kyrill und Method geborene Bulgaren waren und das kyrillische Alphabet somit in erster Linie ein Verdienst der Bulgaren sei, was den Anstoß dazu gab, daß der Tag der Hl. Kyrill und Method bis zum Jahre 1878 zum bulgarischen nationalen Feiertag erhoben wurde.

Literatur

Aprilov, V. E.: Sŭčinenija. Hrsg. Petko Totev. Sofia 1968 (mit Bibliographie.)
Konstantinov, G., Cv. Minkov, St. Velikov: Bŭlgarski pisateli. Biografii, bibliografija. Sofia 1961.
Arnaudov, Michail: Vasil E. Aprilov. Život, dejnost, suvremenici (1789-1847). Sofia 1971(2).

Verfasser

Marin Pundeff


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