Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Alexios I. Megas Komnenos

Alexios I. Megas Komnenos, Kaiser von Trapezunt 1204-1222, * 1182, † 1222, Sohn des Sebastokrators Manuel und Enkel von Kaiser Andronikos I.

Leben

Nach der Ermordung des Kaisers Andronikos I. Komnenos flüchteten A. und sein jüngerer Bruder David an den Hof der berühmten Thamar, Königin von Georgien, einer Verwandten ihres Vaters. Bis zum Jahre 1204 ist keine Nachricht über das Leben der beiden Brüder überliefert. Im April 1204 bemächtigte sich A. mit Unterstützung einer georgischen Heereseinheit der Stadt Trapezunt und gründete das griechische Kaiserreich von Trapezunt (1204-1461) als legitimer Erbe des Thrones der Komnenen und des von den Kreuzfahrern aufgelösten byzantinischen Reichs. Bald darauf besetzten A. und sein Bruder die gesamte Küstenregion westlich von Trapezunt, d. h. Pontus und Paphlagonien; gleichzeitig wurde A. Herrscher von Cherson am gegenüberliegenden Ufer des Schwarzen Meeres. Als David jedoch versuchte, gegen Nikomedia vorzurücken, das ihm den Weg nach Konstantinopel öffnen sollte, stieß er auf den Widerstand Theodoros’ I. Laskaris von Nikaia, der seinerseits die Nachfolge der byzantinischen Herrscher für sich in Anspruch nahm. Nach diesem gescheiterten Versuch beschränkten sich die Brüder auf die bereits eroberten Gebiete. A. herrschte über Trapezunt und die benachbarte Region bis Sinope, David übernahm das pontische Herakleia und Paphlagonien. Im Jahre 1214 mußte David die lateinische Oberhoheit über seine Herrschaftsgebiete anerkennen, um sich einen Rückhalt gegenüber dem bedrohlichen Machtzuwachs Theodoros’ von Nikaia zu schaffen, der A. übrigens bereits bis Sinope zurückgedrängt hatte.
Eben zu diesem Zeitpunkt versuchte der Sultan von Ikonion Izzedim Kaukaus (1210-1219), sich einen Zugang zum Meer zu verschaffen und belagerte und besetzte Sinope. Während der Belagerung fiel David; A. wurde besiegt und gezwungen, einen demütigenden Vertrag zu unterzeichnen und dem Sultan einen jährlichen Tribut zu zahlen (1214). Seitdem unterhielt A. Beziehungen zu Ikonion und dem georgischen Hof, spielte jedoch keine entscheidende Rolle mehr in der Politik des westlichen Kleinasien.
Über A. berichten byzantinische (Niketas Choniates, die Chronik des Panaretos) und arabische Quellen, sowie vor allem eine georgische Chronik.

Literatur

Vasiliev, A. A.: The Foundation of the Empire of Trebizond. In: Speculum 11 (1936) 3-37.
Janssens, Emile: Trébizonde en Colchide. Brüssel 1969.
Polemis, Demetrios: A note on the origin of the title „Megas Komnenos“. In: Neo-Hellenica 1 (1970) 18-22.

Verfasser

Eras L. Vranoussi

GND: 1082562718


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Empfohlene Zitierweise: Eras L. Vranoussi, Alexios I. Megas Komnenos, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 51 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=432, abgerufen am: (Abrufdatum)

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