Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

Weigand, Gustav
Bild: Wikimedia Commons
Wikidata: Q72803

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Weigand, Gustav

Weigand, Gustav, deutscher Sprachwissenschaftler, * Duisburg 1.02.1860, † Belgershain bei Leipzig 9.07.1930.

Leben

Durch seine Dissertation (,,Die Sprache der Olympo-Walachen“, Leipzig 1888), seine Habilitationsschrift („Vlacho-Meglen“, Leipzig 1892) und viele weitere Studien (z. B. „Die Aromunen“, 2 Bde, Leipzig 1894/95) wurde W. zum Begründer der rumänischen Dialektforschung allgemein, in Deutschland darüber hinaus zum Begründer einer Rumänistik. 1893 errichtete er mit Unterstützung Rumäniens das „Institut für rumänische Sprache“ in Leipzig, das bis zum Ersten Weltkrieg das bedeutendste rumänische Institut im Ausland war und zahlreiche Studenten anzog (darunter Kristian Sandfeld-Jensen, Sextil Pușcariu, Theodor Capidan, Pericle Papahagi). Die Dialektstudien von W. und seinen Schülern erschienen vorwiegend im „Jahresbericht des Instituts für rumänische Sprache“, I-XXIX, Leipzig 1894-1921, wobei W. das Material auswertete, das er 1887-1910 auf Reisen durch alle rumänischen Siedlungsgebiete selbst gesammelt hatte. Auch der erste rumänische Sprachatlas (1909) stammt von ihm. W. berücksichtigte bei seinen Untersuchungen Folklore und Toponomastik und plante einen etymologischen Ortsnamenatlas. Bald wandte er sich, vom Rumänischen ausgehend, anderen südosteuropäischen Sprachen zu (besonders Albanisch und Bulgarisch), studierte ihre Gemeinsamkeiten und kann deshalb auch als Initiator der Balkanologie gelten. Die Parallelen zwischen den drei Sprachen erklärte er aus einem gemeinsamen thrakischen Substrat. Nach Gründung eines bulgarischen und eines albanischen Instituts stellte W. seine balkanologischen Studien in den Vordergrund und gab als Fortsetzung des „Jahresberichts“ das „Balkan-Archiv“, I-IV, Leipzig 1925-1928, heraus. Zwischen Rumänen und W. kam es zu Polemiken (vgl. die Pamphlete von Alexan dra Philippide und Giorge Pasai). Da nach W.s Definition das Rumänische „eine romanische Balkansprache“ ist, warf er seinem Schüler Pușcariu „Latinomanie“ vor, doch hat dieser die großen Verdienste W.s stets anerkannt. W., der methodisch zu den Junggrammatikern gehörte, leistete auf mehreren Gebieten unbestreitbar Pionierarbeit.

Literatur

Tagliavini, Carlo: Gustav Weigand. In: Ungarische Jahrbücher 10 (1930) 427-434.
Puşcariu, Sextil: Gustav Weigand. In: Dacoromania 6 (1931) 646-647.
Macrea, Dimitrie: Studii de istorie a limbii şi a lingvisticii române. Bucureşti 1965, 95-96, 231-245.
Bahner, Werner: Gustav Weigand. In: Bedeutende Gelehrte in Leipzig. Zur 800-Jahr-Feier der Stadt Leipzig. Hrsg. M. Steinmetz. Bd 1. Leipzig 1965, 125-132.
Coteanu, Ion u. I. Dănăilă: Introducere în lingvistica şi filologia românească. Probleme - bibliografie. Bucureşti 1970.
Schroeder, Klaus-Henning: Methodische Bemerkungen über Gustav Weigand, den Begründer der deutschen Rumänistik. In: Kurier der Rumänischstudenten 10 (1977) 49-53.


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