Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Vojtaššák, Ján

Vojtaššák, Ján, slowakischer katholischer Bischof, * Zákamenné (Komitat Árva) 14.11.1877, † Senohraby (Böhmen) 4.08.1965.

Leben

V. stammte aus einer armen streng katholischen Bauernfamilie mit elf Kindern. Nach den Gymnasialstudien in Trstená und Rosenberg (Ružomberok) trat er im Jahre 1895 in das Zipser Diözesanseminar in Spišská Kapitula ein und wurde hier am 1. Juli 1901 zum Priester geweiht. Schon damals fühlte er sich als bewußter Slowake: Er war einer der drei Seminaristen, die als Muttersprache das Slowakische angaben. Auch als junger Priester gab er den Religionsunterricht nur auf Slowakisch und engagierte sich im slowakischen nationalen Leben. Darum wurde er zehn Jahre lang als Kaplan in den ärmsten Pfarreien eingesetzt. 1911 wurde er Pfarrer in Veliéná (Nagyfalu, Komitat Árva). Von 1913 bis 1927 war er Herausgeber und Redaktor der katholischen Monatsschrift „Svatá Rodina“ (Heilige Familie), die in einer Auflage von 20000 Exemplaren erschien. Am 9. Mai 1919 wurde V. Direktor der bischöflichen Kanzlei und im Herbst desselben Jahres auch des Priesterseminars.
Am 13. November 1920 wurde V. zum Bischof von Zips (Spiš) ernannt; die Bischofsweihe wurde ihm (mit zwei anderen Bischöfen) am 13. Februar 1921 in Neutra (Nitra) erteilt. Als Bischof widmete sich V. besonders der Ausbildung der Priester und der Lehrer. Deshalb erneuerte er gründlich das kleine wie das große Seminar und eröffnete zwei Lehrerbildungsanstalten, für Männer in Spišská Kapitula und für Frauen in Leutschau (Levoča). Auch außerhalb seiner Diözese unterstützte er die allslowakischen Anstalten und Unternehmungen, was er alles nur tun konnte, weil er auch als Bischof sehr einfach und bescheiden lebte. Während der slowakischen Republik (1939-1945) wurde er zum Vizevorsitzenden des Staatsrates ernannt.
Während des Aufstandes der Partisanen im Jahre 1944 lehnte V. jede Mitarbeit mit diesen ab. Deshalb wurde er im Sommer 1945 zum ersten Mal für einige Monate verhaftet. Nachdem die Kommunisten 1948 die Regierung ergriffen hatten und dann systematisch gegen Religion und Kirche vorgingen, protestierte V. als Vorsitzender der slowakischen Bischofskonferenz gegen diese illegalen Maßnahmen. Ab Juni 1950 wurde er in seiner Residenz in Haft gehalten, dann am 15. September 1950 ins Gefängnis nach Ruzyně (bei Prag) gebracht, während gegen ihn und die Bischöfe Michal Buzalka und Pavel Gojdič ein Schauprozeß vorbereitet wurde. Dieser Prozeß fand in Preßburg (Bratislava) vom 10. bis 15. Januar 1951 statt. Die Gefangenen wurden der Konspiration, des Staatsverrats, des Militärverrats und der Spionage gegen die Tschechoslowakische Republik angeklagt. Am 15. Januar 1951 wurde V. (als 74jähriger) zu 24 Jahren Haft verurteilt. Zunächst blieb er sechs Jahre in strengstem Arrest. 1956 wurde er wegen einer Krankheit in das Altersheim nach Tetschen (Děčín, Böhmen) verbracht, 1958 jedoch wieder ins Gefängnis geworfen. Am 5. September 1963 wurde er vom Staatspräsidenten Antonín Novotný „begnadigt“, aber zum konfinierten Aufenthalt im „Charitas-Heim“ in Senohraby (bei Prag) verpflichtet. Hier starb er am 4. August 1965. Er wurde in seinen Geburtsort überführt und dort begraben. Bischof V. gilt als Symbol der katholischen Slowakei.
Während seiner Verbannung in Tetschen (1956-1958) und in Senohraby (1963-1965) verfaßte V. seine „Autobiographie“, die ins Ausland gebracht werden konnte. Sie wurde unter dem Titel „Životopis Jána Vojtaššáka, biskupa spišského“ in Toronto (Ontario, Canada) 1977 veröffentlicht.

Literatur

Le procès des trois évêques slovaques félons, Vojtaššák, Buzalka, Gojdič. Prague 1951. [Es handelt sich um die offizielle Darstellung des Schauprozesses, vom Ministerium für Informationen vorbereitet.].
Cavalli, Fiorello S.J.: Processo contro tre vescovi slovacchi. In: Civiltà Catolica 103 (1952) Bd 2, 604-614.
Mikuš, Jozef: The three Slovak Bishops. Passaic, N.J. 1953.
Zúbek, Teodoric OFM: Slovak Bishops-Martyrs of Christ. Toronto, Ont. 1962.
Náhalka, Štefan: Vel’ky biskup Ján Vojtaššák. In: Hlasy z Ríma 14 (1965) 9, 3-7.
Tatranský, Vincent: Biskup Ján Vojtaššák. Cleveland, Ohio 1977.
Zúbek, Teodoric OFM: Biskup Ján Vojtaššák (1877-1965). In: Lit. Alm. Slováka v Amerike (1966) 5-14.

Verfasser

Miklós Lackó (GND: 103240195)


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