Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Vay, Miklós

Vay, Miklós (Nikolaus) Baron, ungarischer Politiker, * Alsózsolca (Komitat Borsod) 29.04.1802, † Budapest 14.05.1894, Sohn des Generals Miklós V. d. Ä. und der Baronin Johanna Adelstein.

Leben

Nach Beendigung seiner juridischen Studien an der Pester Universität ging V. 1823 für ein Jahr an das Wiener Polytechnikum und stieg sodann in der Verwaltung seines Heimat- komitates Zemplin bald zum Untergespan auf (1827). Dieses Komitat vertrat er als Abgeordneter auf dem Reichstag 1830 zu Preßburg, auf dem er sich dem regierungstreuen Lager anschloß. Neben erfolgreichen Missionen als königlicher Kommissär in den oberungarischen Grenzkomitaten im Jahr der Choleraepidemie 1831 und des Aufstandes in Galizien 1846 profilierte sich V. in den 1840er Jahren als einer der Führer der konservativen Partei und wurde 1841 zum königlichen Tafelrichter, 1845 zum Vizepräsidenten des Statthaltereirates zu Ofen ernannt sowie 1844 von den Ständen zum Thronhüter gewählt. Die Ereignisse im Revolutionsjahr 1848 drängten V. zu landespolitisch größerer Wirksamkeit als königlicher Kommissär in Siebenbürgen, als der er vom 18. Juni bis 19. Dezember 1848 im Auftrag der Regierung Lajos Batthyány mit der Aufgabe betraut war, die beschlossene Vereinigung beider Länder zu verwirklichen. Doch scheiterte V. an dem am 18. Oktober offen erklärten Widerstand des kaiserlichen Generalkommandanten in Siebenbürgen, Feldmarschall Anton Puchner, ferner auch an der rumänischen Nationalbewegung, gegen die auch der gutwillige V. wenig ausrichtete. Bei der geplanten Neubildung der Regierung des Grafen Batthyány schlug dieser am 19. September V. zum Minister vor. Die von V. wiederholt bezeugte Treue zur Dynastie sowie seine Kompromißbereitschaft gaben den Ausschlag dafür, daß der um einen friedlichen Ausgleich bemühte Palatin Erzherzog Stefan am Wiener Hof die Ernennung V.s statt Batthyánys zum ungarischen Ministerpräsidenten durchsetzte, die allerdings durch das Scheitern der Mission des Grafen Franz Lamberg in Pest illusorisch blieb. Nach dem endgültigen Rücktritt Batthyánys am 2. Oktober 1848 war wiederum V. als sein Nachfolger im Gespräch, wurde aber von den Kräften am Wiener Hof, die bereits die gewaltsame Unterwerfung Ungarns anstrebten, beiseite geschoben. Ende 1848 zog sich V. aus dem öffentlichen Leben zurück. Trotzdem ließ ihn 1852 das Bach-Regime zum Tode verurteilen; eine königliche Begnadigung zu vier Jahren Gefängnis brachte ihm jedoch nach acht Monaten wieder die Freiheit. V., der schon seit 1824 führende Funktionen auch in der reformierten Kirche übernommen hatte und 1840 zum Oberkurator im Kirchenbezirk jenseits der Theiß gewählt worden war, kämpfte gegen Ende der 1850er Jahre leidenschaftlich gegen das Protestantenpatent, dessen Aufhebung er 1860 tatsächlich erreichte. Nach dem Erlaß des Oktoberdiploms ernannte ihn Franz Joseph zum ungarischen Hofkanzler. Von diesem Amt trat V. aber bereits im August 1861 im Kampf gegen die Verfassungspläne Schmerlings und gegen die Auflösung des ungarischen Reichstages zurück. Obwohl V. auch weiterhin hohe öffentliche Ämter bekleidete (ab 1841 Mitglied der Akademie der Wissenschaften, 1865 Obergespan des Komitates Borsod, 1867 wiederum Thronhüter, 1884 Vizepräsident und ab 1888 Präsident des Magnatenhauses, ab 1877 Präsident des Konvents der reformierten Kirche Ungarns, im Jahre 1881 Vorsitzender deren Synode zu Debreczin), ging sein politischer Einfluß immer mehr zurück.

Literatur

Ballagi, Géza: Emlékbeszéd Vay Miklós ig. tag felett. Budapest 1895.
Spira, György: A magyar forradalom 1848-49-ben. Budapest 1959.

Verfasser

Gerhard Seewann (GND: 1069961280)

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Empfohlene Zitierweise: Gerhard Seewann, Vay, Miklós, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 4. Hgg. Mathias Bernath / Karl Nehring. München 1981, S. 393-394 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1834, abgerufen am: (Abrufdatum)

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