Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Tomori, Pál

Tomori, Pál (Paul), ungarischer Feldherr, Erzbischof von Kalocsa, * um 1475, † Mohács 29.08.1526, aus einer kleinadligen Familie des Komitates Abaúj.

Leben

1492 begegnen wir T. zum ersten Male als Notar im Amt des Judex Curiae in Ofen. Von 1497 an diente er als „familiáris“ des Vizeschatzmeisters János Bornemisza im Ka- meralamt. Zwischen 1501 und 1514 war er Präfekt der siebenbürgischen Salzkammer, von 1505 an auch Kastellan der Burg Fogarasch in Siebenbürgen, von 1514 an der Festung Munkács. Im Jahre 1506 schlug er den Aufstand der Szekler nieder. 1514 nahm er an der Seite des Woiwoden von Siebenbürgen, Johann Szapolyai, an der Niederwerfung des von György Dózsa angeführten großen Bauernaufstandes teil und siegte über die Truppen des Lőrinc Mészáros bei Bihar. 1519 ließ er bei der Palatinswahl auf Befehl seines Patrons Bornemisza, derzeit Vogt der königlichen Burg zu Ofen, die adelige Opposition mit Kanonenschüssen auseinandersprengen. In den Parteienkämpfen zeigte er sich als unbedingter Untertan des Hofes; er war ein braver Soldat, der an der siebenbürgischen Grenze oft mit den Türken kämpfte und so als ein Kenner der Osmanen galt. 1512 war er mit einer Gesandtschaft auch in Istanbul.
Im Jahre 1520 zog sich T. aus dem weltlichen Leben zurück, verschenkte sein inzwischen angesammeltes Vermögen, wurde Franziskanermönch und lebte zuerst im Kloster von Újlak, später von Gran. 1521, nach der Eroberung Belgrads durch Sultan Süleyman I., wurde er mit päpstlicher Dispens gezwungen, das Erzbistum Kalocsa-Bäcs zu übernehmen. Zur selben Zeit wurde er zum Oberkapitän Niederungarns ernannt. Seine Hauptaufgabe war die Organisierung der Grenzverteidigung gegen die Türken. Er hielt in seinen Truppen strenge Disziplin, kämpfte tapfer gegen die Streifzüge der Türken, blieb aber auf sich allein gestellt, leidete an ständigem Geldmangel und konnte bei Hofe seine Pläne nicht durchsetzen, da er keiner politischen Richtung angehörte und einzig vom päpstlichen Legaten unterstützt wurde. Sein Pflichtgefühl und seine Rechtschaffenheit erwarben T. hohes Ansehen, er war aber der ihm gestellten Aufgabe - weder als Feldherr noch als Organisator - nicht gewachsen. Im Jahre 1526 wurde er zum Oberbefehlshaber der ungarischen Armee gegen Süleyman I. ernannt. In der Schlacht bei Mohács kämpfte er und fiel in den ersten Reihen.

Literatur

Fraknói, Vilmos: Tomori Pál élete és levelei. Budapest 1882.
Érdujhelyi, Menyhért: A kalocsai érsekség a renaissance-korban. Zenta 1899.
Fraknói, Vilmos: Egyháznagyok a magyar középkorból. Budapest 1915, 266-336.
Szekfű, Gyula: Tömöri. In: Napkelet 8 (1926) 586-594.
Szakály, Ferenc: Tomori Pál emlékezete. In: Új Irás 16 (1976) 9, 91-100.

Verfasser

Kálmán Benda (GND: 119265907)

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Empfohlene Zitierweise: Kálmán Benda, Tomori, Pál, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 4. Hgg. Mathias Bernath / Karl Nehring. München 1981, S. 339-340 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1796, abgerufen am: (Abrufdatum)

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