Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Thurzó von Bethlenfalva, György Graf

Thurzó von Bethlenfalva, György (Georg) Graf, ungarischer Staatsmann, Lietava (Komitat Trentschin) 2.09.1567, † Biccse (Komitat Trentschin) 26.12.1616, Sohn des Oberhofmeisters Ferenc Th. (des ehemaligen Bischofs von Neutra, der 1557 zur evangelischen Kirche übergetreten war und sein Bischofsamt verlassen hatte) und der Gräfin Katalin Zrínyi.

Leben

Th. war neun Jahre alt, als sein Vater starb; mit 17 Jahren kam er an den Hof des Erzherzogs Ernst, damals Gouverneur Ungarns. Bereits 1585 war er Obergespan des Komitats Árva. Wie im allgemeinen die jungen ungarischen Magnaten begann auch Th. seine Laufbahn im Kampf gegen die Türken: er nahm am sog. „langen“ Krieg (1593-1606) teil. 1590 diente er in der wichtigen Festung Komorn unter dem berühmten Feldherrn Miklós Pálffy als Kapitän von 400 Reitern; 1593 war er bei der Wiedereroberung Stuhlweißenburgs anwesend, im Jahr darauf bei der Belagerung Grans und Nögräds, 1597 Rabs. 1598 wurde er königlicher Rat, 1599 Großmundschenk, 1600 General von Transdanubien.
In den Jahren 1604-1606, während des Aufstandes Stephan Bocskays, blieb Th. den Habsburgern treu ergeben, empfahl aber dem Hof anstelle militärischer Maßnahmen die Versöhnung. In den Unterhandlungen mit Bocskay 1605/06 war er Führer der kaiserlichen Delegation. Er galt als einer der Vertrauten des Gouverneurs Erzherzog Matthias (ab 1608 als Matthias II. König von Ungarn). Nach dem Friedensschluß mit Bocskay (Wiener Friede 23.06.1606) wurde Th. in den Grafenstand erhoben, und am 7. Dezember 1609 wählte ihn der Preßburger Reichstag zum höchsten ungarischen Würdenträger, zum Palatin.
Als Palatin vertrat und verteidigte Th. aufgrund des Wiener Friedens die ständischen Rechte des ungarischen Adels. Er war ein glaubenseifriger Lutheraner, stiftete Kirchen und gründete Schulen, besonders auf seinen Domänen im Komitat Árva. 1610 berief er die Generalsynode der ungarländischen Lutheraner nach Zsolna ein, wo das Superintendenten-System angenommen und die Bischöfe und Inspektoren gewählt wurden. In seinen philosophischen und politischen Ideen war er ein Anhänger des Justus Lipsius, dessen Werke in seiner reichen Bibliothek im Schloß Biccse alle vorzufinden waren. Die Korrespondenz mit seiner Frau Erzsébet Czobor (Bethlenfalvi gróf Thurzó György levelei nejéhez. 2 Bde. Hrsg. Edmund Zichy. Budapest 1876) ist eine wertvolle Quelle zur ungarischen Kulturgeschichte.

Literatur

Kubinyi, Miklós: Thurzó György. In: Bethlenfalvi gróf Thurzó György levelei nejéhez. Bd 1. Budapest 1876, I-XCV.
Károlyi, Árpád: Az ellenreformáczió kezdetei és Thurzó György nádorrá választása. In: Századok 53/54 (1919/20) 1-33, 124-163.
Ila, Bálint: A Thurzó-levéltár protestáns egyháztörténeti iratai. Budapest 1934.
Ders.: Magánkancelláriai ügyintézés és magánlevéltári rendszer a XVII. század első felében. In: Levéltári Közlemények 26 (1955) 123-147.

Verfasser

Kálmán Benda (GND: 119265907)


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