Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Šrobár, Vavro

Šrobár, Vavro, slowakischer Politiker, *  Lisková (Liszkova, Komitat Liptau) 09.08.1867, † Preßburg (Bratislava) 06.12.1950.

Leben

Š. übte im slowakischen politischen Leben wichtige Funktionen aus, aber die Sympathie des eigenen Volkes gewann er nie. Er war eine talentierte, aber gespaltene Persönlichkeit. 1886 wurde er als Student des Panslawismus beschuldigt und aus allen ungarischen Schulen ausgeschlossen. Aus diesem Grunde ging er nach Böhmen, das ihn prägte. In Prag studierte Š. Medizin und war im slowakischen Hochschülerverband „Detvan“ tätig. Hier lernte er bedeutende slowakische Schriftsteller wie Martin Kukučín, Anton Nádaši und Jozef Gregor Tajovský kennen. In Prag hatte er auch Kontakt mit Masaryk, der einen starken Einfluß auf ihn ausübte. In seiner Jugend arbeitete Š. auch literarisch. Seine Beiträge veröffentlichte er in verschiedenen slowakischen Zeitschriften. Noch in Prag gab er mit Nádaši die literarische Satire „Ako sa u nás žije“ (Wie man bei uns lebt) heraus. Von 1898 an war er einer derjenigen, die Masaryks volkserzieherische und politische Ideen verbreiteten. Er propagierte sie hauptsächlich in der ab 1898 in Skalitz veröffentlichten jungslowakischen Zeitschrift „Hlas“ (Die Stimme), bei der er als Redakteur arbeitete. Š. stellte sich gegen die alte slowakische slawophile Tradition und vertrat die Notwendigkeit des tschechisch-slowakischen Zusammenlebens. Hier entfachte sich auch der Streit zwischen den Generationen; die ältere, wie sie Svetozar Hurban-Wajanský repräsentierte, legte das Gewicht auf die nationale Elite, Š. interessierte sich für den einfachen Menschen. Daher schätzt man seinen Demokratismus bis heute. Er legte seine Anschauungen in Schriften wie ,,Boj o nový život“ (Kampf um ein neues Leben, 1920) und „Oslobodené Slovensko. Pamäti z rokov 1918-1920“ (Befreite Slowakei. Erinnerungen aus den Jahren 1918-1920, 1923) nieder. Seine Erlebnisse und Erfahrungen aus dem alten Ungarn faßte er in dem Buch „Pamäti z vojny a väzenia“ (Erinnerungen aus Krieg und Gefängnis, 1922) zusammen. Sein Theaterstück „Z otroctva vekov“ (Aus der Sklaverei der Zeiten, 1920) und sein Roman „Svetlo v temnotách“ (Licht in der Finsternis, 1937) sind literarisch unbeachtet geblieben und sind nur ein Beweis seiner eigenen Zerrissenheit. Das zeigt sich auch in seinen Aufzeichnungen „Z möjho života“ (Aus meinem Leben, 1946). Im alten Ungarn arbeitete Š. mit dem populären Führer der slowakischen Katholiken, Andrej Hlinka, zusammen, der 1905 auch seine Kandidatur in das ungarische Parlament unterstützte. Auf der Maikundgebung von 1918 in Liptovský Svätý Mikuláš verlas er eine Deklaration, in der die Vereinigung der Slowaken mit den Tschechen gefordert wurde. Am 26. Oktober 1918 fuhr Š. nach Prag, um mit dem Tschechischen Nationalrat zu verhandeln, und Unterzeichnete hier auch u. a. die tschechische Unabhängigkeits-Deklaration vom 28. Oktober 1918. Einen Tag darauf wurde er vom tschechischen Ministerpräsidenten Karel Kramář zum Minister für die Slowakei in der tschechischen Regierung ernannt, und am 30. Oktober erfolgte dann auf einer Versammlung in Turčianský Svätý Martin der endgültige Anschluß der Slowakei an die Tschechoslowakische Republik. Š. war überzeugter „Tschechoslowake“ und diente mit seiner politischen Linie mehr den Tschechen als den Slowaken. Ab 1922 fiel er daher aus dem slowakischen politischen Leben heraus. Im Zweiten Weltkrieg arbeitete er in der Illegalität als Anhänger der Politik von Beneš. Er nahm am Aufstand im Jahre 1944 teil und übte in der befreiten ČSR auch unter dem kommunistischen Regime bis zu seinem Tode Regierungsfunktionen aus.

Literatur

Medvecký, Karol: Slovenský prevrat. Trnava 1930.
Sidor, Karol: Slovenská politika na pôde pražského snemu, 1918-1938. Bratislava 1943.
Ders.: Vavro Šrobár o sebe a o Hlinkoví. In: Nádej vít'azna (1947) 316-337.
Husák, Gustav: Svedectvo o slovenskom národnom povstaní. Bratislava 1964.

Verfasser

I. Kružliak (GND: 1090446543)


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