Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Sokol, Martin

Sokol, Martin, slowakischer Politiker, * Medzibrodie nad Hronom 03.11.1901, † ebd. 15.12.1957.

Leben

 S. spielte eine große Rolle in der Autonomiebewegung, die die Gleichberechtigung der Slowaken mit den Tschechen auf Grund des Pittsburgher Vertrages vom 30. Mai 1918, unterschrieben von den Repräsentanten der slowakisch-amerikanischen Organisationen und dem Vorsitzenden der tschechisch-slowakischen Widerstandsbewegung im Ausland, dem späteren Präsidenten der ČSR, Tomáš Garrigue Masaryk, forderte. In der Autonomiebewegung arbeitete S. bereits seit seinen Studienjahren. Nach der Gymnasialzeit in Bistritz (Banská Bystrica) studierte S. ab 1922 Rechtswissenschaften in Preßburg, wo er 1927 promovierte. Als junger Jurist trat S. in die Dienste der „Hlinkaschen Slowakischen Volkspartei“ (Hlinková slovenská l’udová strana = HSL’S), die den Kampf für die Autonomie der Slowakei anführte. 1929 wurde er Generalsekretär dieser Partei. 1935 wurde S. zum Abgeordneten für das tschechoslowakische Parlament gewählt. Er war Autor mehrerer Gesetzentwürfe und Mitverfasser des Autonomiegesetzes der Slowakei, das mit Hilfe der Hlinka-Partei im Oktober 1938 verabschiedet wurde. In der autonomen Slowakei (Oktober 1938 bis März 1939) wurde S. Präsident des slowakischen Parlaments und Innenminister. Am 14. März 1939 erklärte er nach der Entscheidung des Parlaments die Unabhängigkeit des slowakischen Staates, die bis zum Ende des Krieges (1945) dauerte. Er war Autor der Verfassung der Slowakischen Republik, übte führende Funktionen im politischen und öffentlichen Leben aus, war Mitglied des Staatsrates, Vorsitzender des „Slowakischen Roten Kreuzes“, Vorsitzender des Universitätskollegiums u. a. S. war einer der scharfsinnigsten slowakischen Politiker überhaupt. Eine demokratische Haltung, Realismus und Toleranz zeichneten ihn aus. Während des Zweiten Weltkrieges bekämpfte er die Einmischung der Deutschen in die slowakische Innenpolitik sowie den Antisemitismus. Er unterstützte die gemäßigte Politik des Staatspräsidenten Jozef Tiso. 1943 schloß sich S. der Untergrundbewegung an, deren Ziel die Überführung der Slowakei auf die Seite der Alliierten war. Er war aber mit der Wiederherstellung einer zentralistischen Tschechoslowakei der Jahre 1918 bis 1938 nicht einverstanden und forderte eine Konföderation des tschechischen und des slowakischen Staates. Am Ende des Krieges wurde er vom sowjetischen Geheimdienst in die Sowjetunion verschleppt und in Moskau gefangengehalten. Nach mehreren Monaten wurde er in die Slowakei zurückgebracht, wo er vor Gericht gestellt und zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt wurde. 1949 kam er frei und lebte dann bis zu seinem Tode in Zurückgezogenheit.

Literatur

Sidor, Karol: Slovenská politika na pôde pražského snemu, 1918-1938. Bratislava 1943.
Mikuš, Joseph A.: La Slovaquie, individualité politique de l’Europe centrale. Paris 1952.
Ders.: La Slovaquie dans le drame de l’Europe. Paris 1955.
Kirschbaum, Joseph M.: Slovakia. Nation at the Crossroads of Centrale Europe. New York 1960.
Husák, Gustáv: Svedectvo o slovenskom národnom povstaní. Bratislava 1964.
Tibenský, Ján (u. a.): Slovensko. Dejiny. Bratislava 1971.

Verfasser

I. Kružliak (GND: 1090446543)

GND: 1102919136


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Empfohlene Zitierweise: I. Kružliak, Sokol, Martin, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 4. Hgg. Mathias Bernath / Karl Nehring. München 1981, S. 156 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1673, abgerufen am: (Abrufdatum)

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