Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Slavici, Ioan

Slavici, Ioan (eigentlich Ioan Sârbu), rumänischer Schriftsteller, * Şiria (bei Arad) 18.01.1848, † Panciu (Bezirk Putna) 17.08.1925.

Leben

S., gemeinhin als Schöpfer und Meister der rumänischen Kurzprosa apostrophiert, wuchs in dem von Vielsprachigkeit und nationalen Spannungen geprägten Banat, im Westen des heutigen Rumänien, auf. Er begann seine juristischen Studien in Budapest und setzte sie in Wien fort, wo er mit der Bewegung der dort studierenden rumänischen Studenten, „Romania jună“ (Das junge Rumänien), und dem von ihnen propagierten nationalen Gedankengut in Berührung kam. Gemeinsam mit seinem Freund, dem Dichter Mihai Eminescu, beteiligte sich S. aktiv an der Vorbereitung der historischen Feier, die 1871 am Grabe des Fürsten Stephan des Großen in Putna abgehalten wurde. Eminescu war es auch, der S. in den Kreis der Jassy er literarischen Gesellschaft „Junimea“ einführte, in deren Zeitschrift „Convorbiri Literare“ (Literarische Gespräche) S. historische Studien und dramatische Versuche veröffentlichte, die heute in Vergessenheit geraten sind. Nach seiner Rückkehr nach Rumänien war S. als Pädagoge und Journalist in Bukarest tätig, zuerst (1878-1884) als Redakteur der Tageszeitung „Timpul“ (Die Zeit), danach als Herausgeber und Mitarbeiter der Zeitschriften „Tribuna“, „Vatra“ (Das Herdfeuer; gemeinsam mit Coşbuc und Caragiale), „Minerva“ und „Ziua“ (Die Zeit). Seine journalistische Tätigkeit brachte ihm Achtung, aber auch Prozesse und Verurteilungen ein, die er in dem Memoirenband „Inchisorile mele“ (Meine Gefängnisse, Bukarest 1911) beschrieben hat. Seine Haltung in der Frage der (1918 erfolgten) Eingliederung Siebenbürgens in das Königreich Rumänien war und ist sehr umstritten. Die diesbezüglichen Bemühungen rumänischer Politiker und Publizisten hatte S. jahrelang als sinnlos oder zumindest als verfrüht gebrandmarkt; anstatt der staatlichen Eingliederung Siebenbürgens in das rumänische Königreich schwebte ihm die politische Autonomie dieser Provinz innerhalb des Habsburgischen Kaiserreiches vor. Wegen Kollaboration mit den deutschen Besatzern während des Ersten Weltkrieges stand S. schließlich nach Kriegsende vor einem rumänischen Kriegsgericht, das ihn zu einer elfmonatigen Gefängnisstrafe verurteilte. 1925 verstarb S. zurückgezogen in einem Kloster. In den Novellen „Popa Tanda“ (Pfarrer Tanda), „Pădureanca“ (Das Waldmädchen), „Moara cu noroc“ (Die Glücksmühle) sowie in dem Roman „Mara“ - seinen Hauptwerken - gelang S. eine heute noch gültige künstlerische Synthese zwischen feiner psychologischer Analyse und einem volkstümlich-naturalistischen Stil. Titu Maiorescu wertete S. als den Begründer jenes bäuerlichen Realismus, der bis zum heutigen Tage in der rumänischen - und besonders der siebenbürgisch-rumänischen - Prosa fortgewirkt hat.

Literatur

Călinescu, Gheorghe: Ioan Slavici. In: Istoria literaturii române de la origini pînă în prezent. Bucureşti 1941, 447-454.
Vianu, Tudor: Ioan Slavici. In: Vianu, Tudor, Şerban Cioculescu, Vladimir Streinu: Istoria literaturii române moderne. Bucureşti 1944, 1971(2), 264-270.
Marcea, Pompiliu: Ioan Slavici. Bucureşti 1965, 1968(2).
Vatamaniuc, Dimitrie: Ioan Slavici şi lumea prin care a trecut. Bucureşti 1968.
Ders.: Ioan Slavici. Opera literară. Bucureşti 1970.
Bugnariu, Teofil, Ioan Domşa, Dimitrie Vatamaniuc: Bibliografia Ioan Slavici. Bucureşti 1973.

Verfasser

Anneli Ute Gabanyi (GND: 129614114)


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