Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Radić, Antun

Radić, Antun, kroatischer Gelehrter und Politiker, * Trebarjevo Desno 11.06.1868, t Zagreb 10.02.1919, Sohn des Bauern Imbro und der Jana R., Bruder von Stjepan R.

Leben

R. absolvierte das Gymnasium in Zagreb und studierte Slawistik in Zagreb und Wien. 1892 promovierte er in der kroatischen Hauptstadt mit einer Arbeit über eschatologische Motive in der kroatischen Literatur. Bis 1897 war er an verschiedenen Orten im Schuldienst tätig und übernahm anschließend die Redaktion der volkskundlichen Reihe der Jugoslawischen Akademie „Zbornik za narodni život i običaje Južnih Slavena“ (Sammelband für Volksleben und Gebräuche der Südslawen, Bd 1-6, 1896-1902). Von 1901 bis 1909 war er Sekretär der „Matica hrvatska“ und zeitweilig Redakteur ihrer Zeitschrift „Glas“ (Die Stimme). Da er gleich seinem Bruder Stjepan die Bauern als eigentlichen Träger der kroatischen Nation betrachtete und von der Notwendigkeit einer kulturellen und politischen Aufklärung der breiten Volksschichten überzeugt war, gründete er im Dezember 1899 die Zeitschrift „Dom. List hrvatskom seljaku za razgovor i nauk“ (Das Heim. Blatt für den kroatischen Bauern zur Unterhaltung und Belehrung), die er bis zum November 1904 redigierte und überwiegend mit eigenen - an den Idealen der russischen Narodniki und an den volkstümlichen Schriften des französischen Historiographen Jules Michelet (1798-1874) orientierten - Beiträgen füllte. Sein Bestreben, die Landbevölkerung (der er selbst entstammte) mittels Transformation der tradierten Volkskultur in eine moderne Zivilisation zu einem seiner Eigenständigkeit bewußten politischen Subjekt zu machen, brachte ihn in Konflikt mit dem Klerus und der Zensur; gleichzeitig bereitete er damit die Grundlage für eine kroatische Bauernideologie vor, die er durch sein Eintreten für die volkstümliche Literatur und durch seine wissenschaftlichen Verdienste um die kroatische Volkskunde kulturell und kulturpolitisch zu fundamentieren suchte. Ende 1904 gründete R. zusammen mit seinem Bruder Stjepan die „Kroatische Volks- und Bauernpartei“ (Hrvatska pučka seljačka stranka, HPSS), für die er 1910 und 1911 als   Abgeordneter in den Sabor einzog. Vom Mai 1912 bis zum August 1914 redigierte er den Ende 1906 als Parteiorgan neubegründeten „Dom. Glavne novine Hrvatske pučke seljačke stranke“ (Das Heim. Organ der Kroatischen Volks- und Bauernpartei), in dem er seine demokratisch-antiklerikale - ebenso gegen Kapitalismus wie Kommunismus gerichtete - Konzeption sowie seine austro-slawischen Zielvorstellungen zu wiederholten Malen formulierte. Infolge seiner schwierigen materiellen Lage suchte er 1917 wieder um Aufnahme in den Staatsdienst an und war bis zu seinem Tod Lehrer am klassischen Gymnasium in Zagreb. Seine zahlreichen wissenschaftlichen und politisch-aufklärerischen Schriften, darunter auch die Artikel aus dem „Dom“, sind in der 1936-1939 in Zagreb veröffentlichten 19bändigen Gesamtausgabe seiner Werke „Sabrana djela dra Antuna Radića“ (mit einer Bibliographie im letzten Band) enthalten.

Literatur

Barac, Antun: Problem nacionalne književnosti u člancima Antuna Radića. In: Savremenik (1937) 41-50.
Vuković-Todorović, Ljubica: Hrvatski seljački pokret braće Radića. 1.: Seljački pokret: Antun Radić. Beograd 1940.
Kulundžić, Zvonimir: Ante Radić i klerikalci. Zagreb 1951.
Krizman, Bogdan: Osnivanje Hrvatske Pučke seljačke stranke (1904-1905). In: Radovi Instituta za hrvatsku povijest 2 (1972) 105-179.

Verfasser

Holm Sundhaussen (GND: 120956055)


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