Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Petančić, Feliks

Petančić, Feliks (Petantius), ragusanischer Diplomat, Historiker und Künstler, * Dubrovnik ca. 1455, † nach 1517.

Leben

Aus einer nichtadligen ragusanischen Familie stammend, trug P. zunächst den Familiennamen Brutus, den er später in Petantius umwandelte. Ab 1478 war er zunächst als Lehrer in seiner Heimatstadt tätig, 1492 wurde er dann Kanzler (cancellarius ad causas criminales) am Gericht von Dubrovnik. 1487 ging er an den Hof von Matthias Corvinus, wo er als Kalligraph und Miniaturenmaler arbeitete. 1490 kehrte er nach Dubrovnik zurück, wo er nicht nur den Titel eines Notars und Richters erhielt, sondern auch schon bald mit diplomatischen Missionen betraut wurde. 1492, 1493 und 1495 weilte er als Abgesandter Dubrovniks am Hofe König Wladislaws II., 1494 und 1495 am Hof von Neapel. 1496 befand er sich erneut in Ungarn, wo er in den Dienst Wladislaws II. trat - zunächst als Kanzler der Stadt Senj (dieses Amt behielt er bis zu seinem Lebensende bei), und dann als Diplomat. Als solcher bemühte er sich besonders, eine gesamteuropäische Aktion gegen die Türken zu organisieren. So war er 1500 in Frankreich, um dieses Land in die antitürkische Koalition einzubeziehen. Einen Höhepunkt erreichte seine diplomatische Aktivität, als im gleichen Jahre eine Liga zwischen dem Kirchenstaat (Alexander VI.), Venedig, Spanien, den Johannitern von Rhodos und Ungarn zustande kam. P. wurde zum Großmeister der Johanniter, Pierre d’Aubusson, nach Rhodos entsandt, um mit ihm einen strategischen Plan für einen Angriff der Verbündeten gegen die Türken auszuarbeiten. Wegen der Uneinigkeit der Ligamitglieder kam es jedoch zu keiner koordinierten Aktion gegen die Türken. Der Entsatz von Jajce (1500) war die einzige größere Waffentat der Ungarn in diesem Kriege. Am 20. August 1503 schlossen die Ungarn einen siebenjährigen Waffenstillstand mit Sultan Bayezid II., in den auch die übrigen Bundesgenossen einbezogen wurden; im Zusammenhang mit diesem Waffenstillstand reiste P. als Abgesandter Wladislaws II. mehrmals nach Spanien. Nach dem Abschluß der gegen die Türken und Venedig gerichteten Liga von Cambrai (1508) wurde P. damit beauftragt, in Dubrovnik eine Flotte aufzustellen, um Dalmatien von der venezianischen Herrschaft zu befreien. Als aus diesem Projekt nichts wurde und die Liga zu zerfallen begann, schickte Wladislaw II. P. nach Istanbul (1513), um mit dem neuen Sultan Selim I. über eine Verlängerung des Waffenstillstandes zu verhandeln.
P. schrieb eine Reihe von Werken zur Türkenfrage, von denen zu seinen Lebzeiten kein einziges veröffentlicht wurde. Die „Historia Imperatorum Regni Turcici“ verfaßte er um 1502. Er gibt darin einen Überblick über die osmanische Geschichte von den Anfängen bis auf Bayezid II. Von dieser, auch illustrierten, Schrift existiert nur eine Handschrift, die sich in der Stadtbibliothek von Nürnberg befindet. Wahrscheinlich ebenfalls 1502, also unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Rhodos, scheint P. auch seine Abhandlung „De itineribus in Turciam“ verfaßt zu haben, die als einzige von seinen Werken gedruckt wurde (zuerst Wien 1522, 14 weitere Ausgaben). Diese Abhandlung, die Dragutin Kniewald in serbokroatischer Übersetzung und kommentiert neu publizierte (in: Vesnik Vojnog Muzeja JNA 5 [1958] 25-58), entstand im Rahmen des Kreuzzugsprojektes von 1501/02 und ist Wladislaw II. gewidmet. Danach sollten die christlichen Mächte nicht einen türkischen Angriff in Ungarn oder Italien abwarten, sondern ihrerseits die Initiative ergreifen und einen Präventivschlag führen. P. beschreibt sieben verschiedene Routen, auf denen die Ungarn bzw. ihre Verbündeten nach Istanbul gelangen könnten. Die Schrift ist auch von Bedeutung für die historische Landeskunde der Balkanhalbinsel zu Beginn des 16. Jh.s. Das dritte erhaltene Werk von P. befaßt sich ebenfalls mit dem Türkenproblem und entstand wahrscheinlich im gleichen Jahr wie die beiden anderen. Unter dem Titel „Genealogia Turcorum imperatorum, Lex imperii militaeque habita“ gibt P. darin einen Überblick über Staatsverwaltung, Hof, Finanz- und Militärwesen des Osmanischen Reiches.
Auch als Miniaturenmaler verwandte P. oft das Türkenmotiv. Seine „Historia Imperatorum Regni Turcici“ enthält eine ganze Reihe von Sultanportraits und Szenen aus dem türkischen Hofleben. Die Gestalt des vielseitigen „Turkologen“ P. wurde erst durch die Forschungen von Kniewald für die Nachwelt wiederentdeckt.

Literatur

Kniewald, Dragutin: Feliks Petančić i njegova djela. Beograd 1961.

Verfasser

Peter Bartl (GND: 133417492)

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Empfohlene Zitierweise: Peter Bartl, Petančić, Feliks, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 428-430 [Onlineausgabe]; URL: http://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1517, abgerufen am: (Abrufdatum)

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