Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Karadjordjević, Pavle

Paul (Pavle) Karadjordjević, Prinzregent in Jugoslawien 1934-1941, * St. Petersburg 27.04.1893, † Paris 14.09.1976, Sohn des Prinzen Arsen, des Bruders König Peters I., und der russischen Fürstin Andra Dimidova, verheiratet mit Prinzessin Olga von Griechenland.

Leben

P. hatte das Gymnasium in Belgrad besucht und anschließend in Oxford studiert. Seine ausgeprägten künstlerischen Interessen ließen ihn in der Zwischenkriegszeit zu einem vielbeachteten Förderer der Kunst in Jugoslawien werden (u. a. Gründung des Belgrader Kunstmuseums). Als Angehöriger des Herrscherhauses bekleidete er eine Reihe öffentlicher Ehrenämter (er war Präsident des Roten Kreuzes sowie des Automobil- und des Aeroklubs), zeigte aber noch keine ausgeprägten politischen Ambitionen. Eine unerwartete Schlüsselposition in der jugoslawischen Politik fiel P. nach dem Attentat auf seinen Vetter, König Alexander I., zu, als er am 11. Oktober 1934 für seinen Neffen Peter (II.) Vorsitzender des dreiköpfigen Regentschaftsrates wurde, dessen Mitglieder - neben Prinz P. Radenko Stanković und Ivo Perović - König Alexander durch Verfügung vom 5. Januar 1934 noch selbst bestimmt hatte. Er zeigte sich angesichts der aufgewühlten nationalistischen Leidenschaften im Lande und der sich bedrohlich zuspitzenden außenpolitischen Entwicklungen der verantwortungsvollen Aufgabe nur bedingt gewachsen. Die Verschleppung der kroatischen Frage sollte sich als eines der verhängnisvollsten innenpolitischen Versäumnisse erweisen. Erst der Rücktritt des Kabinetts Stojadinović am 4. Februar 1939 ebnete den Weg zu einem kroatisch-serbischen Ausgleich (Sporazum Cvetković-Maček vom 26. August 1939), dem allerdings die praktische Bewährung versagt blieb. In der Außenpolitik hatten wirtschaftliche und allgemeinpolitische Überlegungen die Regierung Anlehnung an die Achsenmächte suchen lassen (Freundschaftsvertrag mit Bulgarien vom 24. Januar 1937, Nichtangriffspakt mit Italien vom 25. März 1937), nachdem sich der Gedanke einer Allianz aller Balkanstaaten, die sich im Balkanpakt von 1934 abzuzeichnen begann, gegenüber der weltweiten Polarisierung als wenig wirkungsvoll erwiesen hatte. Als Dragiša Cvetković und sein Außenminister Aleksandar Cincar-Marković, dem Druck Hitlers nachgebend, am 25. März 1941 dem Beispiel Ungarns, Rumäniens, der Slowakei und Bulgariens folgten und in Wien den Beitritt zum Dreimächtepakt erklärten, wurde die Regierung in der Nacht vom 26./27. März 1941 durch einen Militärputsch unter Führung des Luftwaffengenerals Dušan Simović gestürzt. Der Thronfolger Peter II. wurde zum König ausgerufen, Prinzregent Paul mußte das Land verlassen. In Griechenland wurde er von den Engländern verhaftet und vorübergehend in Kenia interniert. Später lebte er in Paris im Exil.

Literatur

Dungern, Baron Otto Carl Ludwig von u. Aleksandar Omčikus: Kralj Petar II i knez namesnik Pavle, potomci starih srpskih vladalaca. Zagreb 1937.
Tsetkovitch [Cvetković]) Dragiša: Prince Paul, Hitler and Saloniki. In: Intern. Affairs 27 (1951) 463-469 (vgl. dazu den unter demselben Titel erschienenen Aufsatz von Knjejevitcb, R. L.: ebd. 38-44).
Čulinović, Ferdo: Jugoslavija izmedju dva rata. 2 Bde. Zagreb 1961.
Hoptner, Jacob B.: Yugoslavia in crisis, 1934-1941. New York, London 1962.
Milovanović, Nikola B.: Od marseljskog atentata do Trojnog pakta. Zagreb 1963.
Stojadinović, Milan M.: Ni rat ni pakt. Jugoslavija izmedju dva rata. Buenos Aires 1963.

Verfasser

Edgar Hösch (GND: 105823724)


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