Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

Palkovič, Juraj
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Palkovič, Juraj

Palkovič, Juraj (Jiří), slowakischer Schriftsteller, Publizist und Sprachwissenschaftler, * Rimavská Baňa (Rimabánya, Komitat Gömör) 27.02.1769, † Preßburg 13.06.1850, evangelisch kleinadeliger Abstammung, Sohn des Peter Palkovič

Leben

Nach Schulen in Ožďany, Dobschau (Dobšiná) und Ödenburg wurde P. Erzieher in adeligen Familien. 1792/93 begann er ein Studium in Jena und war Mitbegründer eines Lesevereins slowakischer und tschechischer Studenten (Societas slavica). Nach seiner Heimkehr wurde er Lehrer in Lučenec (Losoncz) und danach wieder Erzieher in den Familien Prónay und Porcia.  1801 veröffentlichte P. in Waitzen seine Sammlung anakreontischer, aber national gefärbter Poesie „Muza se slowenských hör“ (Muse aus den slowakischen Bergen) und versuchte sich mit der Volkskomödie „Dva buchy a tří šuchy. Slovenská komédya k zasmání se pro pána y pro sedláka“ (Zweimal zugeschlagen und dreimal geschmiert. Slowakische Komödie für den Herrn wie auch für den Bauern, Preßburg 1800, 1810) auch in der Dramatik. 1804 erschien in Preßburg seine Beschreibung des ungarischen Staates „Známost vlasti“, jedoch nur der erste die Geographie enthaltende Teil. Seine 1805/06 veröffentlichte tchechoslowakische Übertragung des Neuen Testaments wurde von ihm auch als politische Tat empfunden. Um die Organisation des nationalen kulturellen Lebens bemüht, versuchte P. ab 1800 mit Bohuslav Tablic eine „slawisch-böhmische Gesellschaft“ (Slovensko-česká spoločnost) und danach ein Institut der tschechisch-slawischen Sprache und Literatur, bestehend aus einer gelehrten Gesellschaft und einem Lehrstuhl der tschechischslawischen Sprache und Literatur (Stolica reci a literatúry česko-slovenské) zu gründen. Ins Leben gerufen wurde 1803 am evangelischen Lyzeum in Preßburg jedoch nur der Lehrstuhl, und P. wurde als Professor berufen. In diesem Amt blieb er bis 1840, als L’udovít Štúr sein Nachfolger wurde. In der Frage der slowakischen Schriftsprache war P. der konservativste Vertreter der tschechischen Bibelsprache (Bibličtina), für ihn die einzige reine slowakische Schriftsprache; als Sprachwissenschaftler präsentierte er sich mit dem „Böhmischdeutsch-lateinischen Wörterbuch“ (Bd 1 Prag 1820, Bd 2 Preßburg 1821) und blieb ein versteifter Widersacher der Sprachreform von Josef Jungmann. Neben dem großen Einfluß, den P. auf die jüngere slowakische Generation als Professor ausübte (wie Ján Kollár, Pavel Jozef Šafařík, Samuel Rožňay, Karol Kuzmány u. a.), war seine aufklärerisch-publizistische Tätigkeit, die ihm auch seinen Lebensunterhalt sicherte, von Bedeutung für den Prozeß der nationalen Bewußtseinsbildung. Von 1805 bis 1848 gab er seinen „Větší a zvláštnější nový a starý kalendář“ (Größerer und eigenartigerer neuer und alter Kalender), vom Juli 1812 bis Juni 1818 die politische Wochenschrift „Týdenník aneb cýsařské královské národní noviny“, ab Jg. 6 (1817) Nr. 22 „Týdenník aneb prešpurské slovenské noviny“ (Wochenschrift oder kaiserlich-königliche Nationalzeitung, bzw. Wochenschrift oder Preßburger Slowakische Zeitung) heraus. Die von P. 1832 gegründete literarische Zeitschrift „Tatranka, spis pokračující rozličného obsahu pro učené, přeučené a neučené“ (Tatranka, fortschreitende Schrift verschiedenen Inhalts für Gelehrte, sehr Gelehrte und Ungelehrte) war vorerst nach drei Nummern gescheitert, errang aber nach der erneuten Fleraus- gabe 1841 durch die Mitwirkung von Štúr eine größere Bedeutung für die slowakische Nationalbewegung.

Literatur

Pišút, Milan, Karol Rosenbaum, Viktor Kochol: Literatúra národného obrodenia. Bratislava 1960. = Dejiny slovenskej literatúry. 2.
Butvin, Jozef: Slovenské národnozjednocovacie hnutie (1780-1848). Bratislava 1965.
Vyvíjalová, Mária: Juraj Palkovič 1769-1850. Bratislava 1968 (mit Bibliographie).
Gogolák: Bd 2.  

Verfasser

Akos Paulinyi (GND: 1090268270)

GND: 1024922340

Weiterführende Information (Deutsche Biographie): https://www.deutsche-biographie.de/pnd1024922340.html


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Empfohlene Zitierweise: Akos Paulinyi, Palkovič, Juraj, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 387-388 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1388, abgerufen am: (Abrufdatum)

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