Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Mavrogheni, Nicolae

Mavrogheni, Nicolae (Nikolaus), Fürst der Walachei 1786-1790, * Insel Paros um 1735, † (enthauptet) 19.06.1790, Sohn von Petros M.

Leben

 M. entstammte einer angesehenen griechischen Kaufmannsfamilie, die zu Unrecht den Fanarioten zugerechnet wurde. Ein Teil der Familie M. flüchtete nach der Einnahme Konstantinopels durch die Osmanen 1453 auf die Peloponnes, ein anderer ließ sich in Venedig nieder. Die auf dem griechischen Festland verbliebenen M. siedelten nach der Besetzung der Peloponnes durch die Türken auf die Zykladen-Inseln über.
 Die Weigerung der Fanarioten, den „Emporkömmling“ M. als einen der ihren anzuerkennen, veranlaßte diesen, sich als Nachkomme der venezianischen Morosini auszugeben. M. bestieg als einziges Mitglied seiner Familie einen Fürstenthron. Der Hohen Pforte gegenüber blieb er im Gegensatz zu etlichen Verwandten stets loyal. Seine Karriere im Osmanischen Reich und die walachische Fürstenkrone verdankte der von zahlreichen Zeitgenossen als „ungebildet“ und „ungeschliffen“ bezeichnete M. der Protektion des Oberkommandierenden der türkischen Flotte (Kapudan-Pascha) Hasan Pascha, der den ihm ergebenen M. 1770 zum Dragomanen ernannte. Am 26. März 1786 setzte Hasan bei Abdülhamid I. in offenem Gegensatz zu den sich übergangen fühlenden Fanarioten die Berufung M.s anstelle des abgesetzten Mihai Suţu (1783-1786) durch. Neben der Feindschaft der Fanarioten hatte M. auch jene der walachischen Bojaren und des hohen Klerus der Walachei zu fürchten, da er diese durch die Erhöhung ihrer Abgaben und Steuersätze sowie durch den Abbau ihrer Privilegien gegen sich aufgebracht hatte. Die von ihm wiederholt angeordnete Erleichterung und Verkürzung der Fronarbeit und die Erweiterung der Rechte der Städter und Handwerker waren ebensowenig dazu angetan, ihm das Wohlwollen der Bojaren zu verschaffen. M. nutzte einerseits seine Herrschaft aus, um sich ungemein zu bereichern; andererseits bekämpfte er jedoch konsequent, teils mit recht exzentrischen Methoden, die verbreitete Korruption und die überhandnehmenden Verbrechen. Im österreichisch-russischen Krieg gegen das Osmanische Reich stellte er zwischen 1787 und 1790 mit eigenen Geldern Truppenverbände auf, die er gegen die vordringende österreichische Armee erfolgreich einsetzte. Fanarioten und walachische Bojaren nutzten allerdings einige Mißerfolge aus, um gegen ihn zu intrigieren und die Pforte von seinem „Verrat“ zu überzeugen, was im Juni 1790 zu seiner Enthauptung führte.

Literatur

Ionnescu-Gion, George I.: Din istoria fanarioţilor. Bucureşti 1891.
Blancard, Théodore: Les Mavroyéni. Histoire d’Orient (de 1700 à nos jours). 2 Bde. Paris 1909.
Vianu, Alexandru: Mişcarea naţional-eliberatoare şi Nicolae Mavrogheni (1787-1790). In: Studii 9 (1956) 5, 45-62.
Ionaşcu,Ion: Concluzii greşite în istoriografia burgheză despre domnia lui Nicolae Mavrogheni. In: Studii 15 (1962) 69-109.
Mihordea, V.: Politica lui Nicolae Mavrogheni faţă de ţărănime. In: Studii 16 (1963) 1325-1350.
Sfyroeras, Basile: Les Mavroyéni et la vie économique de la mer Égée. In: Symposium l’époque Phanariote, 21-25 Octobre 1970. Thessaloniki 1974, 327-339.
Ionescu,Ştefan: Bucureştii în vremea fanarioţilor. Cluj 1974.

Verfasser

Dionisie Ghermani (GND: 118893238)

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Empfohlene Zitierweise: Dionisie Ghermani, Mavrogheni, Nicolae, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 124-125 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1311, abgerufen am: (Abrufdatum)

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