Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Libohova, Ekrem Bey

 Libohova, Ekrem (Eqrem) Bey, albanischer Politiker, * Gjirokastra 24.01. 1882, † Rom 1948, vierter Sohn des Gouverneurs von Gjirokastra und Abgeordneten im ersten türkischen Parlament von 1879 Neki Pascha aus der südalbanischen Großgrundbesitzerfamilie der Libohova-Arslan Pashali und der Behixhe Hamza, einer Tscherkessin aus Tuapse; Bruder von Mufid Bey L.

Leben

 L. besuchte das französische Gymnasium in Istanbul und schlug dann die militärische Laufbahn ein. Er besuchte die Militärakademie in Brüssel und diente 1904-1909 als Offizier im 5. Kavallerie-Regiment der osmanischen Armee. 1909 trat er in die Dienste des Innenministeriums, wurde Unterpräfekt von Bozcaada (Tenedos), dann Präfekt von Valona und zuletzt Gouverneur der Çamëria. Nach Ausbruch des 1. Balkankrieges wurde L. in den Militärdienst zurückberufen und mit der Verteidigung seines Verwaltungsbezirks Çamëria, der den rechten Flügel der Verteidigungslinien von Janina bildete, beauftragt. Obwohl Janina in die Hände der Griechen fiel, gelang es L., die ihm anvertrauten Truppen vor der Gefangenschaft zu bewahren und in das osmanisch verbliebene Albanien zurückzuführen. Für seine militärischen Verdienste ausgezeichnet, schien L. eine brillante militärische Karriere im Osmanischen Reich bevorzustehen. Er zog es jedoch vor, sich der Regierung des unabhängigen Albanien zur Verfügung zu stellen und war Mitglied der albanischen Delegation, die im Februar 1914 nach Neuwied reiste, um dem Fürsten Wied formell im Namen des albanischen Volkes die Krone anzubieten. Er wurde dann persönlicher Adjutant Wieds. Als Fürst Wied im September 1914 Albanien verließ, begleitete ihn L. nach Deutschland. Die Jahre des Ersten Weltkrieges verbrachte L. in der Schweiz, in Neapel und dann auf Korfu, zusammen mit seinem Bruder Mufid Bey und der übrigen Familie. Nach Kriegsende ließ er sich in Rom nieder. Da er über gute Kontakte zu diplomatischen und politischen Kreisen in der italienischen Hauptstadt verfügte, vertrat L. ab 1919 die Interessen der albanischen Regierung in Rom, zunächst als Geschäftsträger, ab 1925 als Gesandter. 1928, nachdem Albanien unter Zogu Königreich geworden war, wurde L. Minister des Königlichen Hofes. Am 20. Februar 1931 wurde er bei einem Attentatsversuch, der während eines Wien-Besuches auf den albanischen König verübt wurde, schwer verletzt. Nach Beendigung eines längeren Klinikaufenthaltes wurde er 1932 albanischer Gesandter in Paris und Brüssel. Von 1935 bis zur Besetzung Albaniens durch die Italiener 1939 war L. albanischer Außenminister. 1939 begab er sich zusammen mit Zogu, dessen Hof und Regierung nach Griechenland. In den folgenden Jahren lebte L. in Rom und enthielt sich jeder politischen Tätigkeit. Ende 1942 wurde L. dann wieder politisch aktiv, zunächst als Vizepräsident der albanischen Nationalbank. Am 19. Januar 1943 wurde er mit der Bildung einer neuen albanischen Regierung beauftragt, in der er den Posten des Ministerpräsidenten, und interimistisch, des Innenministers übernahm. Er wurde jedoch schon nach wenigen Wochen (am 13. Februar) durch Maliq Bushati als Ministerpräsident abgelöst. Am 12. Mai 1943 wurde L. erneut Ministerpräsident. Im Gefolge des italienisch-bulgarischen Abkommens vom 30. März mußte er am 15. Juli 1943 in die Abtretung von Pestani und zehn weiteren Ortschaften am Ohridsee an Bulgarien einwilligen. Nach dem Waffenstillstand der Italiener mit den Alliierten (8.09.1943) ging L. nach Rom, wo seine Familie lebte.

Literatur

Mitteilungen von Arslan di Libohova, Rom.

Verfasser

Peter Bartl (GND: 133417492)

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Empfohlene Zitierweise: Peter Bartl, Libohova, Ekrem Bey, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 30-31 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1249, abgerufen am: (Abrufdatum)

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