Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

Levski, Vasil
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Levski, Vasil

 Levski, Vasil (Vasil Ivanov Kunčev), bulgarischer Freiheitskämpfer, * Karlovo (1952-1962 Levskigrad) 18.07.1837, † (hingerichtet) bei Sofia 18.11. 1873.

Leben

 L. wuchs in der Familie eines verarmten Handwerkers (Färber) auf. Nach dem Tode seines Vaters wurde der erst 14-jährige seinem Onkel Chadzi Vasilij, Mönch des Chilendar-Klosters, anvertraut, der ihn in Stara Zagora auf eine bulgarische Schule schickte (1855) und dazu bewog, ebenfalls Mönch zu werden. 1859 wurde L. Diakon unter dem Namen Ignatij im Kloster Sopot. Doch bald fand L. wie seine beiden Brüder die ihm gemäße Aufgabe als Revolutionär im Kampf um die Befreiung seines Volkes von der Türkenherrschaft. 1862 folgte er dem Aufruf Georgi Rakovskis und nahm mit der „Bulgarischen Legion“ an den Kämpfen der Serben gegen die türkische Garnison in Belgrad teil. Wegen seiner Tapferkeit erhielt er den Ehrennamen „Levski“ (von lev - Löwe). 1863 kehrte er über Rumänien nach Bulgarien zurück. Als Lehrer in Vojnjagovo (bei Karlovo) organisierte er „patriotische Bünde“ (patriotični družini) zur Vorbereitung eines Aufstandes und zur Agitation unter den Bauern. Vor dem Zugriff der türkischen Behörden rettete er sich zu den bulgarischen Emigranten nach Bukarest. 1867 wurde er Fahnenträger in der „četa“ des Woiwoden Panajot Chitov. Angesichts der Mißerfolge der in Rumänien oder Serbien aufgestellten Kampfgruppen (četi) bulgarischer Revolutionäre, durch Einfälle in Bulgarien das Volk zum Aufstand mitzureißen, einer Taktik, die der Bevölkerung schwere Repressalien seitens der Türken einbrachte, gelangte L. zu der Überzeugung, daß der Befreiungskampf in erster Linie in Bulgarien selbst vorbereitet werden müsse und daß das Volk dabei nicht auf fremde Hilfe vertrauen solle. 1868-1869 unternahm L. zwei Agitationsreisen durch Bulgarien, gefördert von der „Bulgarischen Gesellschaft“ in Bukarest und von der radikalen liberalen Gruppe „Junges Bulgarien“ (Mlada Bŭlgarija). Auf der zweiten Reise führte er eine an das bulgarische und türkische Volk gerichtete Proklamation der „Provisorischen Regierung auf dem Balkan“ mit und gründete schon revolutionäre Komitees. Im Oktober 1869 wirkte er bei der Gründung des Bukare- ster „Bulgarischen Revolutionären Komitees“ mit, das später „Bulgarisches Revolutionäres Zentrales Komitee“ (BRZK) benannt wurde, und führte zusammen mit Ljuben Karavelov dessen radikalen Flügel an. Eine enge Freundschaft verband ihn mit Christo Botev. Durch seine abenteuerlichen Reisen, auf denen er bald in Mönchskluft, bald in der Uniform eines türkischen Offiziers seinen Häschern entglitt und überall dem Volke den Aufstand predigte, erlangte er den legendären Ruf eines „Apostels der Freiheit“ (Apostolŭt na svobodata). In knapp zwei Jahren (1870 bis 1871) schuf er in Bulgarien ein weit verzweigtes Netz revolutionärer Komitees - die „Innere revolutionäre Organisation“ mit dem Hauptquartier in Loveč, das sich „Sektion 1 des BRZK - Provisorische Regierung in Bulgarien“ nannte. Im April/ Mai 1872 wurde auf L.s Anregung in Bukarest eine Versammlung der Vertreter sämtlicher geheimer revolutionärer Komitees und der Emigrantengruppen abgehalten. Von der Versammlung wurde ein von L. entworfenes Statut für das BRZK nach einigen Abänderungen gebilligt, auf der Handpresse Karavelovs gedruckt und den ca. 200 Zweigkomitees in Bulgarien übermittelt. Das Statut (ustav) legte eine einheitliche Organisation mit straffer Disziplin und strengster Geheimhaltung fest. Eine Geheimpolizei hatte die Zuverlässigkeit der Revolutionäre, die Tätigkeit der für die lokalen Aktionen verantwortlichen Woiwoden und den geheimen Postdienst zu überwachen sowie das türkische Spionagewesen zu bekämpfen. - Das von L. entworfene Grundmodell konspirativer Tätigkeit blieb bis in die neueste Zeit in Bulgarien lebendig - so in der mazedonischen Organisation IMRO und in der Partisanenbewegung des Zweiten Weltkrieges. An die Spitze des BRZK stellte die Versammlung Karavelov, während sie L. mit nahezu unbeschränkten Vollmachten als obersten „Apostel“ nach Bulgarien schickte, damit er dort unmittelbar die Operationen der „inneren“ Organisation leite. Nach weiterem Aus- und Umbau erlitt die Organisation jedoch plötzlich einen Rückschlag: Ohne L.s Einwilligung überfiel am 22. September 1872 sein Gehilfe Dimitŭr Obšti mit einer Bande einen türkischen Geldtransport am Araba-Konak-Paß (Sredna-Stara-Gebirge). Den Türken gelang es nicht nur, Obšti und seine Helfer zu fassen, sondern durch sie auch die Geheimnisse der Komitee-Organisation aufzudecken. Daraufhin zögerte L. damit, den Befehl des BRZK zur Anzettelung eines allgemeinen Aufstandes auszuführen. Durch Verrat geriet L. am 26. Dezember 1872 im Dorfe Kŭkrina bei Loveč den Türken in die Hände. Zunächst wurde er nach Tŭrnovo, dann nach Sofia geschleppt, dort nach langem und qualvollem Verhör zum Tode durch den Strang verurteilt und in der Nähe der Hauptstadt hingerichtet. L. stand von allen bulgarischen Revolutionären dem Volke am nächsten. Deutlicher als z. B. Karavelov verband er die nationale Befreiung seines Volkes mit der sozialen der unteren Schichten. Für L. waren Feinde nicht die Türken generell, sondern der Sultan, die Administration und die reichen bulgarischen Čorbadži. Verbündete in seinem Kampf waren die einfachen Leute aller Nationalitäten. In einer künftigen „demokratischen Republik“ (im Rahmen einer Balkanföderation) sollte nicht nur das bulgarische, sondern auch das türkische Volk gleiche Rechte genießen.

Literatur

Strašimirov, Dimitŭr T.: Vasil Levski. Život, dela, izvori. Bd 1. Sofija 1929.
Undžiev, Ivan: Vasil Levski. Biografija. Sofija 1947, 1967(2).
Burmov, Aleksandŭr (Hrsg.): Vasil Levski i negovite spodvižnici pred turskija sŭd. Dokumenti iz turskite archivi. Sofija 1952.
Živkov, Todor: 80 godini ot obesvaneto na velikija bŭlgarski revoljucioner-demokrat Vasil Levski. In: Rabotničesko Delo, 20.02.1953.
Sidel'nikov, Stepan Ivanovič: Načalo revoljucionnoj dejatel’nosti Vasila Levskogo. In: Trudi istoričnogo fakultety Chaŕkivskogo universitetu 7 (1959) 107-121.
Velik i bezsmŭrten. Materiali ot naučnata sesija, organizirana na 16 fevruari 1963 g. v gr. Karlovo po slučaj 90-godišninata ot obesvaneto na Vasil Levski. Plovdiv 1963.
MacDermott, Mercia: The apostle of freedom. A portrait of Vasil Levsky against a background of nineteenth Century Bulgaria. London 1967.
Konobeev, V. D.: Ob agrarnoj Programme V. Levskogo. In: Slavjane i Rossija. Moskva 1972, 188-195.
Dobrev, Ivan R.: Točnite dati na idvaneto na Vasil Levski v Chaskovo. In: Ist. Pregled (1972) 4, 89-94.

Verfasser

Hans-Joachim Hoppe (GND: 143931040)

GND: 118779834

Weiterführende Information (Deutsche Biographie): https://www.deutsche-biographie.de/pnd118779834.html


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Empfohlene Zitierweise: Hans-Joachim Hoppe, Levski, Vasil, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 28-30 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1248, abgerufen am: (Abrufdatum)

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