Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Kun, Béla

Kun, Béla, ungarischer Politiker, * Szilágycseh (Cehul Silvaniei) 20.02.1886, † Sowjetunion 30.11.1939 (?), Sohn eines Dorfnotars, aus jüdischem Bürgertum.

Leben

 K. besuchte das reformierte Gymnasium in Klausenburg, wo er prüfung ablegte. Anschließend immatrikulierte er sich an der Universität als Jurastudent, arbeitete als Journalist und trat nach Abbruch des Studiums in den Dienst der „Arbeiterkrankenkasse“ (Munkásbiztosító Pénztár), gleichfalls in Klausenburg. Ab 1902 in der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung tätig, war er 1913 Delegierter der Klausenburger Parteiorganisation am 20. Kongreß der „Ungarländischen Sozialdemokratischen Partei“ (Magyarországi Szociáldemokrata Párt = MSZDP) und ging knapp vor dem Ersten Weltkrieg nach Budapest, wo er einen untergeordneten Posten in der Redaktion der „Népszava" (Volksstimme), dem Organ der Partei, bekleidete. Während des Krieges kämpfte K. als Reserveoffizier an der Ostfront und geriet 1916 in russische Gefangenschaft. Hier schloß er sich bereits zu Beginn des folgenden Jahres den Bolschewiki an und organisierte eine revolutionäre Gruppe im Kriegsgefangenenlager in Tomsk. Ende 1917 lernte er in Petrograd Lenin kennen. K. war ab März 1918 Leiter der ungarischen Gruppe der „Kommunistischen Partei Rußlands“ und gab die revolutionäre Zeitschrift „Szociális Forradalom“ (Soziale Revolution) heraus. Er wurde im Mai auch Vorsitzender der „Internationalen Föderation der sozialistischen Kriegsgefangenen“. Als Mitorganisator der internationalen Einheiten der „Roten Armee“ kämpfte er an der Perm-Front gegen die „Weißen“, wurde aber schon im November 1918 nach Ungarn zurückgesandt, wo er am 24. November 1918 mit einigen Getreuen die „Ungarländische Partei der Kommunisten“ (Kommunisták Magyarországi Pártja = KMP) und wenig später die Zeitung „Vörös Újság“ (Rote Zeitung) gründete. Wegen revolutionärer Betätigung am 21. Februar 1919 verhaftet, organisierte er, quasi vom Gefängnis aus, den Zusammenschluß der Kommunisten mit den linken Sozialdemokraten und den seit den letzten Kriegsjahren organisierten revolutionären Sozialisten, die sich am 21. März 1919, dem Tag der Ausrufung der Räterepublik - Mihály Károlyi und das Kabinett Berinkey waren einen Tag zuvor zurückgetreten sehen Partei“ (Magyarországi Szocialista Párt) vereinigten. In dem neuen „Revolutionären Regierenden Rat“ (Forradalmi Kormányzótanács) bekleidete K. offiziell zwar nur die Ämter der Volkskommissare für Auswärtige Angelegenheiten und Kriegswesen, doch war er faktisch der Chef der Räteregierung und damit der wichtigste Mann in Ungarn. Als die radikalen gesellschaftspolitischen Umwälzungen der Räteregierung - überstürzt und oft mit brutaler Gewalt durchgeführt - Ungarn immer mehr an den Rand eines Chaos drängten und die ungarische „Rote Armee“ nach anfänglichen Erfolgen gegen die Tschechen und Rumänen einer unaufhaltsamen Niederlage zusteuerte, brach die 133 Tage dauernde Herrschaft K.s am 1. August 1919 zusammen. K. floh mit führenden Männern seines Regimes nach Österreich, wo er zunächst auf Burg Karlstein (Niederösterreich) und später in Wien interniert wurde. Nach langwierigen Verhandlungen konnte er schließlich im Juli 1920 nach Sowjetrußland Weiterreisen. 1921 wurde K. Mitglied des Exekutivkomitees der III. Kommunistischen Internationale, deren Mitglied er bis 1936 blieb. Von der Sowjetunion aus versuchte er am Aufbau einer neuen illegalen kommunistischen Organisation in Ungarn mitzuwirken; er nahm auch am 1. Parteitag der neugebildeten KP Ungarns im August 1925 in Wien sowie im Februar 1930 am 2. Parteitag in Aprelevka (Sowjetunion) teil. Bei seinen wiederholten Aufenthalten in Wien wurde K. 1928 verhaftet, jedoch trotz eines Auslieferungsbegehrens der ungarischen Regierung wieder in die Sowjetunion abgeschoben. Von hier aus wirkte er weiter bis 1936 als Mitglied des Zentralkomitees der illegalen ungarischen KP. Im Zuge der „Stalinschen Säuberungen“ wurde K. 1937 wegen „trotzkistischer Verschwörung“ verhaftet, aller seiner Ämter entkleidet und in verschiedene Gefangenenlager gebracht, wo er angeblich am 30. November 1939 umkam. 1956 wurde er postum rehabilitiert. K. beschäftigte sich in mehreren publizistischen Schriften mit der Räterepublik in Ungarn (Mi a tanácsköztársaság? Moskau 1918; Miért győzött Magyarországon a proletárforradalom? Preßburg 1934) sowie dem Aufbau der kommunistischen Partei (Dokumente der Einheit. Die Vorgeschichte des Zusammenschlusses der Sozialdemokraten und der Kommunisten, Budapest 1919) und deren Zielsetzungen (Mit akarnak a kommunisták? Moskau 1918, Budapest 1919). Eine Auswahl aus seinen Reden und Schriften ist in Budapest 1958 in deutscher und 1966 in ungarischer Sprache erschienen.

Literatur

Nemes, Dezső [u. a.] (Hrsg.): A magyar forradalmi munkásmozgalom története. Bd 1. Budapest 1966.
Kun, Béláné: Kun Béla. Budapest 1966.
Münnich, Ferenc: Viharos út. Budapest 1966.
Tőkes, Rudolf L.: Béla Kun and the Hungarian Soviet Republic. New York 1967.
Dersi, Tamás: A publicista Kun Béla. Pályakezdő korszak. Budapest 1969 (mit Bibliographie).
A magyarországi Tanácsköztársaság 50. évfordulója. Nemzetközi tudományos ülésszak. Budapest 1970.

Verfasser

Gerald Schlag (GND: 12396556X)

GND: 118778218


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Empfohlene Zitierweise: Gerald Schlag, Kun, Béla, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 528-529 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1215, abgerufen am: (Abrufdatum)

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