Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Kosmas von Ätolien

Kosmas von Ätolien (Kosmas o Etolos, Taufname Konstantinos), griechischer Wanderprediger, Heiliger und Märtyrer, * Mega Dendron (bei Naupaktos) 1714, † Bugiali (am Fluß Apsos) 24.08.1779.

Leben

K. entstammte einer Handwerkerfamilie. Sein Vater schickte den Achtjährigen zum Elementarunterricht zu Gerasimos Litsikas nach Sigditsa (nördlich Delphi). Die Weiterbildung erfolgte in der Klosterschule von Vrangiana (Agrafa). Nach zwei Jahren bei seiner Familie begann er als etwa Zwanzigjähriger in der Schule des Ananias Dervisanos in Lobotina (in der Nähe seines Geburtsortes) zu unterrichten. Nach etwa 10 Jahren Lehrtätigkeit setzte er sein theologisches und philosophisches
Studium bei Evgenios Vulgaris und Panajotis Palamas in der damals auf dem Athos aufblühenden Akademie fort. Er empfing die Weihen und lebte längere Zeit im Kloster Filoteos. 1760 begann er seine Laufbahn als Volksmissionar, angetrieben von dem schmerzlich erlebten Mangel an Lehrern und Geistlichen unter seinen griechischen Landsleuten, von der zunehmenden Zahl der Übertritte zum Islam. Weite Reisen führten ihn durch fast das ganze Festlandsgriechenland und auf viele Inseln des Ägäischen Meeres sowie in die südlichen Teile Albaniens und Serbiens. Zwischen 1769 und 1771 weilte er in Istanbul, wo er bei seinem älteren Bruder Chrisanthos in der Akademie des Fanars seine rednerischen Fähigkeiten weiter entwickelte. Nach 1774 konzentrierte er seine Bemühungen auf das westliche Griechenland und das südliche Albanien. Eine Missionsreise auf die Ionischen Inseln mußte er angesichts des Argwohns der venezianischen Behörden nach einiger Zeit abbrechen. Die türkische Verwaltung sah zunächst keinen Anlaß, gegen ihn vorzugehen. Als er aber in seinen Predigten die Juden scharf angriff, steckte sich die Judengemeinde von Janina hinter Ahmed Kurt Pascha von Berat. Sie verleumdete K. als Agenten der russischen Regierung und brachte durch Bestechung den türkischen Machthaber dazu, K. erdrosseln zu lassen. K., von dem wenige Briefe und eine Reihe durch seine Anhänger überlieferter Predigten erhalten sind, bemühte sich einerseits, seinen Zuhörern eindringlich die christlichen Pflichten (Feiertagsheiligung, Keuschheit, Einfachheit im Lebensstil und Nächstenliebe) nahezubringen, andererseits durch die Gründung zahlreicher Elementar- und einiger ,höherer’ Schulen, in denen das Altgriechische gelehrt wurde, das Bildungsniveau der Hellenen zu heben und sie dadurch für die christliche Lehre aufzuschließen. Durch die Verwendung der Dhimotiki sprach er auch die einfachsten Leute an. Viele Prophetien und Wunderheilungen werden von ihm überliefert. Durch seine Tätigkeit hat er die griechische Wiedergeburt wesentlich mitvorbereitet. Tepedelenli Ali, ab 1788 Pascha von Janina, förderte den Heiligenkult um K. eifrig und ließ sogar über der Begräbnisstätte ein Kloster erbauen. Die „Ethniki Eteria“ (Geheimbund des 19. Jh.s zur Ausbreitung des hellenischen Königreichs nach Norden) hat K. zu ihrem Schutzpatron erkoren und der Patriarch von Konstantinopel ihn am 20. April 1961 feierlich kanonisiert.

Literatur

Michalopulu, Fani: Kosmas o Etolos. Athen 1940.
Papakiriakos, Sofronios: Kosma tu Etolu. Didachi, Epistoli, Martirion. Athen 1953.
Sardelis, Kostas: Kosma Etolu analitiki vivliografia 1765-1967. Athen 1968.
Giolas, Markos A.: O Kosmas Etolos ke i epochi tu. In: Athina 76 (1972) 53-61.
Vakalopulos, Apostolos E.: Istoria tu neu Ellinismu. Bd 4. Athen 1973.

Verfasser

Gerhard Grimm (GND: 13735374X)

GND: 104336463

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