Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Kollár, Ján

Kollár, Ján, slowakischer Dichter und Gelehrter, Ideologe des Panslawismus, * Mošovce (Mossóc, Komitat Turz) 29.07.1793, † Wien 24.1.1852, Sohn eines Kürschners und Landwirtes.

Leben

Nach Beendigung des Lyzeums in Neusohl und des Predigerseminars in Preßburg (1812-1815) begab sich K. Ende September 1817 an die Traditionsuniversität des slowakischen Protestantismus nach Jena. Dieser Studienaufenthalt in einer politisch und national erregten Zeit formte entscheidend seine geistige Entwicklung. K. erlebte das Wartburgfest, das Aufbegehren der Burschenschaften mit ihren romantischen Freiheitsidealen und überschwänglichen Deutschtümeleien aus dem Geist der Befreiungskriege, hörte die Vorlesungen der aufgeklärten Theologen sowie des Kantianers Jakob Friedrich Fries, des nationalgesinnten Historikers Heinrich Luden über altdeutsche Geschichte und des naturphilosophischen Mystikers Lorenz Oken, durfte im nahen Weimar Goethe besuchen, trauerte den ausgerotteten germanisierten Slawenstämmen in der Umgebung Jenas nach und verliebte sich in die Pastorentochter Friederike Wilhelmine („Mína“) Schmidt aus Lobeda, die er 1835 in Weimar heiratete. Aus diesen Eindrücken kristallisierte sich K.s widersprüchliche, einmalige Weltanschauung heraus. Er kehrte im März 1819 in seine Heimat zurück und wurde noch im gleichen Jahr Prediger der dreisprachigen Pester Gemeinde, ein schwieriger Posten, den er bis 1849 versah. Seine anschließende Ernennung zum Professor für slawische Altertümer an der Universität Wien war hauptsächlich eine Geste der Regierung für geleistete Beraterdienste in Fragen des Schulwesens seiner slowakischen Heimat. K.s slowakischer Patriotismus aus der Tradition des Luthertums entwickelte sich unter dem Einfluß des von ihm gleichermaßen bewunderten und gefürchteten Nationalismus der deutschen Jugend sowie der Jenaer toleranten Theologie allmählich zu einem allslawischen Nationalismus mit christlichen Vorzeichen. Es ist die große Idee eines allumfassenden Slawentums, beruhend auf geistigem Zusammenhalt und kulturellem Austausch, die als Bollwerk die Germanisierung der slawischen Völker aufhalten und deren von Herder vorausgesagte Zukunft sichern sollte. Jegliche politische Kampfansage lag K. als strengem Legitimisten und treuem Österreicher fern. So wie dieses allslawische Zusammengehörigkeitsbewußtsein geistesgeschichtlich zwischen Klassik und Romantik steht, findet es auch stilistisch zwischen rhetorischer Monumentalität und elegischer Sentimentalität in allen dichterischen, publizistischen, gelehrten Werken K.s seinen Ausdruck. Der menschlich liebenswürdige und bescheidene Mann ist durch sein human und harmonisch gedachtes Pendant zum Pangermanismus der Hauptideologe des vormärzlichen Panslawismus der west- und südslawischen Völker geworden. Die Reichweite seiner Idee beschränkte sich in der Dichtung „Slávy dcera“ (Tochter der Sláva, nämlich Mína), 1824-1852 in vier erweiterten Ausgaben erschienen, noch vorwiegend auf Tschechen und Slowaken. Doch schon die Schrift „Uber die literarische Wechselseitigkeit zwischen den verschiedenen Stämmen und Mundarten der slavischen Nation“ (1837, tschechisch schon 1836 in der Zeitschrift „Hronka“, zweite deutsche Auflage 1844) trug entscheidend zur Stärkung des Nationalismus bei allen west- und südslawischen Völkern bei. Weit über das Ziel hinaus schossen K.s beide Reisebeschreibungen über Reisen durch Oberitalien, Tirol und Bayern (1843, 1845), deren Völker seiner Vorstellung nach vorwiegend germanisierte Slawen waren.

Literatur

Jan Kollár. 1793-1852. Sborník statí o životě, působení a literární činnosti pěvce „Slávy dcery“ na oslavu jeho stoletých narozenin. Vídeň 1893.
Murko, Matthias: Deutsche Einflüsse auf die Anfänge der böhmischen Romantik. Mit einem Anhang: Kollár in Jena und beim Wartburgfest. Graz 1897.
Jakubec, Jan: Kollár básník a buditel. In: Literatura česká devatenáctého století. Od josefínského obrození až po českou modernu. Bd 2. Praha 1903, 1917(2).
Slovanská vzájemnost. 1836-1936. Sborník prací k 100. výročí vydání rozpravy Jana Kollára o slovanské vzájemnosti. Praha 1938.
Mráz, Andrej: Ján Kollár. Literárna štúdia. Bratislava 1952.
Ormis, Ján V.: Bibliografia Jána Kollára. Bratislava 1954.
Kohn, Hans: Die Slawen und der Westen. Die Geschichte des Panslawismus. Wien, München 1956.
Várossová, Elena: Svetonáhl’ad a obrodenecká ideológia Jána Kollára. In: Kapitoly z dejín slovenskej filozofie. Bratislava 1957.
Rosenbaum, Karol: Ján Kollár. In: Dejiny slovenskej literatúry. Bd 2. Literatúra národného obrodenia. Hrsg. Ivan Kusý. Bratislava 1960, 170-200.
Kirschbaum, J[oseph] M.: Ján Kollár, Slovák poet of panslavism. Winnipeg, Toronto 1966.

Verfasser

Josef Hahn (GND: 1121331297)

GND: 118777750


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Empfohlene Zitierweise: Josef Hahn, Kollár, Ján, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 433-434 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1150, abgerufen am: (Abrufdatum)

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