Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

Johannes VIII. Palaiologos
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Johannes VIII. Palaiologos

Johannes VIII. Palaiologos, byzantinischer Kaiser 1425-1448, * Konstantinopel 18.(?) XII. 1392, † ebd. 31.10.1448, Sohn Manuels ll. Palaiologos.

Leben

Im Alter von neun Jahren wurde J. wegen der Türkengefahr aus Konstantinopel in die Peloponnes evakuiert, wo er unter Aufsicht seiner Mutter Helene Dragas erzogen wurde. 1414 heiratete er Anna (f 1417), die Tochter des Moskauer Großfürsten Vasilij I., und vertrat seinen Vater während dessen Abwesenheit von der Hauptstadt. Nach einem kurzen Aufenthalt in Thessalonike (1416) und in Morea, wo er mit seinem Bruder Theodor erfolgreich gegen den Fürsten von Achaia Centurione Zaccaria kämpfte, kehrte er 1418 nach Konstantinopel zurück. Dort heiratete er am 19. Januar 1421, dem Tag seiner Krönung zum Mitkaiser, Sophia von Montferrat, gegen die er vom ersten Blick an echte Abneigung empfand, doch erhoffte sich Manuel II. von dieser Zweckheirat militärische Hilfe; es blieb bei der Hoffnung. Nachdem das diplomatische Manöver, den türkischen Thronprätendenten Diizme Mustafa, einen angeblichen Sohn Bayezids I., - er war nach einem mißglückten Usurpationsversuch 1416 nach Thessalo- nike geflohen und dort auf Verlangen und Kosten Mehmeds I. eingesperrt worden - gegen Murad II. hochzuspielen, kläglich gescheitert und Konstantinopel 1422 erneut einer schweren Belagerung ausgesetzt gewesen war, reiste J. 1423/24 nach Venedig, Mailand, Mantua und zum Ungarnkönig Sigismund; ein greifbares Ergebnis hatte diese „Bettelreise“ nicht. Als Alleinkaiser (ab 22.07.1425) ließ J., der nach der Scheidung von Sophia 1428 Maria Komnene, die Tochter Kaiser Alexios’ IV. von Trapezunt, heiratete, nichts unversucht, den türkischen Würgegriff wenigstens zu lockern. Daher wurden nach dem Fall Thessalonikes (1430) wiederum Unionsverhandlungen mit Rom auf genommen, die schließlich zum Konzil von Ferrara-Florenz führten, auf dem, unter Beisein des allseits bewunderten J. (Medaille von Pisanello), des Patriarchen Joseph II. und zahlreicher Vertreter des Hohen Klerus, am 6. Juli 1439 feierlich die Union verkündet wurde. Ihr Vollzug war diesmal zwar nicht, wie bei Johannes V., ein individueller Akt des Kaisers, stieß in Byzanz aber dennoch auf die gewohnt heftige Opposition: sie gruppierte sich um den Metropoliten von Ephesos, Markos Eugenikos, der im Moskauer Großfürsten Vasilij II., der seinen unionsfreundlichen Metropoliten Isidor verjagte, einen prominenten Gesinnungsgenossen fand. Auf der anderen Seite praktizierten die Unionsfreunde, voran die nunmehr römischen Kardinale Isidor und Bessarion, um so konsequenter die vollzogene Union. Schlimmer war, daß die sehnlichst erwartete westliche Hilfe ausblieb. Erst als in Siebenbürgen Johann Hunyady, in Serbien Georg Brankovic, in Albanien Georg Kastriota Skanderbeg und in der Peloponnes Konstantin (XI. bzw. XII.), der Bruder des J., respektable Einzelerfolge gegen die Türken erzielten, rief Papst Eugen IV. zum Kreuzzug auf, dem sich auch Wladislaw I. von Ungarn anschloß. Durch geschickte Einzelverhandlungen gelang es Murad II., Georg Brankovic zum Abzug zu bewegen. Dasselbe glückte zunächst auch bei Wladislaw I., der aber, unter dem Druck der siegessicheren Öffentlichkeit, von seinen unter Eid gegebenen Versprechungen zurücktrat. Die allgemeine Euphorie schlug rasch in gründliche Ernüchterung um: Am 10. November 1444 unterlagen die Verbündeten bei Varna, 1446 wurde die Peloponnes überrannt und geplündert, wenn auch noch nicht endgültig besetzt, 1448 wurde Hunyady auf dem Amselfeld (Kosovo Polje) geschlagen. Konstantinopels letzte Überlebenshoffnung war dahin - sicherlich ohne Verschulden des J. Seine Politik, die unter den Gegebenheiten wohl die einzig mögliche war und persönliche Demütigungen nicht scheute, war im Abschluß gescheitert - wer weiß, ob ohne sie Konstantinopel beim Tod des J. noch byzantinisch gewesen wäre.

Literatur

Mohler, Ludwig: Kardinal Bessarion als Theologe, Humanist und Staatsmann. 3 Bde. Paderborn 1923.
Ostrogorsky: S. 462-469 (mit Bibliographie).
Gill, Joseph: John VIII Paleologus. In: Ders.: Personalities of the Council of Florence. Oxford 1964, 104-124.
Babinger, Franz: Aufsätze und Abhandlungen zur Geschichte Südosteuropas und der Levante. 2 Bde. München 1962/66.
Pall, Francisc: Byzance à la veille de sa chute et Janco de Hunedoara (Hunyadi). In: Byzantinoslavica 30 (1969) 119-126.
Varna 1444. Sborník ot izsledvanija i dokumenti v čest na 525-ta godišnina ot bitkata kraj gr. Varna. Sofija 1969.
Barker, John W.: Manuel II Paleologus (1391-1425). A study in late Byzantine statesmanship. New Brunswick, N. J. 1969.

Verfasser

Erwin Fenster (GND: 106391216)

GND: 102544646


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Empfohlene Zitierweise: Erwin Fenster, Johannes VIII. Palaiologos, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 284-286 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1048, abgerufen am: (Abrufdatum)

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