Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Isabella (Izabella)

Isabella (Izabella), Königin von Ungarn, * Warschau 18.1. 1519, † Gyulafehérvár (Alba Iulia) 15.09.1559, Tochter des polnischen Königs Sigismund I. und der Bona Sforza.

Leben

Bereits 17 Monate nach der Hochzeit I.s mit König Johann Szapolyai starb ihr Mann am 22. Juli 1540, 15 Tage nach der Geburt ihres Sohnes Johann Sigismund, für den György Martinuzzi mit die Vormundschaft übernahm. Während ein Teil des ungarischen Adels Johann Sigismund zum König wählte und bis zu dessen Mündigkeit die Regierung der Königinwitwe übertrug, versuchte der habsburgische Gegenkönig Ferdinand I. die ihm durch den Vertrag von Wardein verbrieften Rechte auf Ungarn durchzusetzen. Sultan Süleyman I. verstand es geschickt, diesen Gegensatz auszunutzen, bestätigte Johann Sigismund als ungarischen König und nahm am 29. August 1541 mit List die von Martinuzzi gegen die habsburgischen Truppen verteidigte Burg von Ofen ein. I. zog sich darauf mit ihrem Sohn vorübergehend auf die Burg Lippa und dann nach Siebenbürgen zurück, wo Martinuzzi für die junge und unerfahrene Königin die faktische Regierungsgewalt auch für Ostungarn ausübte. Während Martinuzzi Kaiser Ferdinand I. die Herrschaft in ganz Ungarn zu sichern suchte, stieß er auf den Widerstand von I. und ihren Ratgebern. Die Königin, die sich wenig um die Angelegenheiten ihres Landes kümmerte und es vorzog, einen glänzenden Hof zu halten, geriet immer stärker in Gegensatz zu Marti nuzzi, der nicht bereit war, der schönen und verschwenderischen I. Einfluß auf politische Entscheidungen einzuräumen. So fiel es seinen persönlichen Feinden dere Péter Petrovics - nicht schwer, die Königin gegen den „Tyrannen“ aufzuhetzen. Auf den Rat von Petrovics trat I. nun entschieden für die Erbansprüche ihres Sohnes insbesonJohann Sigismund ein, obgleich damit die Gefahr einer Teilung Ungarns heraufbeschworen wurde. Einem von Petrovics geführten Angriff kam Martinuzzi zuvor, der der Königin verbat, Gyulafehérvár zu verlassen. Indessen verhandelte er im Herbst 1549 mit einer kaiserlichen Gesandtschaft über die Verwirklichung des Vertrages von Wardein und des Zusatzabkommens von Gyalu (1541). Für seine Anerkennung als König von Ungarn war Ferdinand I. bereit, Johann Sigismund mit den schlesischen Herzogtümern Oppeln und Ratibor zu entschädigen und der Königin eine Summe von 100 000 Gulden zu zahlen. I. wollte diese Niederlage nicht hinnehmen und wandte sich an die Pforte, die ihr versprach, Johann Sigismund als König von Ungarn krönen zu lassen. Doch dem kaiserlichen General Giamhattista Castaldo gelang es, I. politisch und militärisch zu isolieren, so daß die Königin gezwungen war, auf Ungarn und die „Stephanskrone“ zu verzichten. Nach langen Verhandlungen nahm sie die schlesischen Herzogtümer für ihren Sohn sowie die in Aussicht gestellte Geldsumme an. Im gleichen Monat, in dem I. die ungarische Krone an die Beauftragten des Kaisers übergab, wurde ihr Sohn mit der Kaisertochter Johanna verlobt (August 1551). I. verließ Siebenbürgen und ging nach Kaschau, das ihr bis zur endgültigen Auszahlung der vereinbarten Summe als Pfand überlassen wurde und zog sich im Juni 1552 nach Polen zurück. In dieser Zeit hielt sie ihre Verbindungen zur Pforte und zu ihren ungarischen Parteigängern aufrecht. Zu Beginn des Jahres 1556 beschlossen die siebenbürgischen Stände, I. und ihren Sohn zurückzuholen und sandten der Königin eine Botschaft nach Lemberg. Am 22. Oktober 1556 kehrte I. mit Johann Sigismund nach Klausenburg zurück, wo ihr die Stände auf dem am 25. November einberufenen Landtag erneut die Treue schworen und ihr die Regierung als rechtmäßiger Königin sowie die Vormundschaft über ihren 16jährigen Sohn übertrugen. In ihren letzten drei Regierungsjahren gelang es der Königin im Bündnis mit dem Osmanischen Reich und Frankreich, ihre Herrschaft auch gegen die zwielichtigen Umsturzversuche der Siebenbürger Ferenc Behek sowie Ferenc und Antal Kendi zu behaupten. Kurz vor ihrem Tode suchte I. eine Annäherung an das Haus Habsburg mit der Absicht, mehr ihre eigene Herrschaft, denn die ihres Sohnes zu sichern. Als Ausländerin „konnte die Königin sich die politische Mentalität der Ungarn nicht aneignen. Ihr einziges Ziel war zu herrschen, und sie fühlte nicht die Bedeutung, die die Idee der Einheit für die Ungarn darstellte“ (Makkai). Mit ihrer Rückkehr nach Siebenbürgen war die endgültige Teilung dieses Landes von Ungarn vollzogen, gleichzeitig aber auch die Grundlage für den antihabsburgischen „Transilvanismus“ gelegt.

Literatur

Huber, Alfons: Die Verhandlungen Ferdinands I. mit Isabella von Siebenbürgen 1551- 1555. In: Arch. österr. Gesch. 78 (1892) 1-39.
Veress, Endre: Izabella királyné. 1519-1559. Budapest 1901.
Makkai: S. 131-144.

Verfasser

Karl Nehring (GND: 170892018)


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