Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Milutin, Stefan Uroš II.

Milutin, Stefan Uroš II., König von Serbien 1282-1321, † Nerodimlja (Kosovo polje) 29.10. 1321, Sohn von König Stefan Uroš I. und Jelena (Helena von Anjou).

Leben

Über die Jugendjahre M.s gibt es, abgesehen von den Familienporträts auf den Fresken von Sopoćani, keine Quellen. Im Schatten seines älteren Bruders Dragutin stehend, gelangte er durch dessen überraschende und in ihren Motivationen undurchsichtige Abdankung zur Königswürde. Der Vertrag von Deževo 1282 brachte ihm den Thron, scheint aber festgelegt zu haben, daß nach seinem Tode die Söhne Dragutins die Nachfolge antreten.
M. schloß sich sofort der antibyzantinischen Liga an (Karl von Anjou, Johannes I. Angelos von Thessalien, Georgi I. Terter) und eroberte binnen kurzem einen Teil Mazedoniens mit der wichtigen Stadt Skopje, die bald M.s Residenzstadt wurde. Byzantinische Gegenschläge erreichten nichts, sondern führten nur zu erneuten Vorstößen der Serben, die sogar bis an das Ägäische Meer reichten. Die Aktivität M.s verlagerte sich darauf nach Norden, wo er Dragutin gegen die Herren von Braničevo Drman und Kudelin und den Fürsten Šišman von Vidin beistand. Dieser hatte einen Feldzug tief nach Serbien hinein gemacht und unter anderem die serbische Krönungskirche im Kloster Žiča verbrannt und den Sitz des Erzbischofs von Peć angegriffen. M. geriet in diesem Krieg auch mit dem Tatarenkhan Nogaj in Konflikt, konnte diesen aber von einem Kriegszug gegen Serbien abbringen, indem er seinen Sohn Stefan Uroš III. als Geisel an den tatarischen Hof gab. Nachdem ein Versuch von byzantinischer Seite, M. Mazedonien wieder zu entreißen, 1297 fehlgeschlagen war, versuchte Andronikos II., ihn durch Heirat an Byzanz zu binden. Nach langen Verhandlungen, die Theodor Metochites als kaiserlicher Bevollmächtigter führte, heiratete M. 1299 in vierter Ehe die erst sechsjährige Prinzessin Simonis (Simonida). Mit diesem Opfer erreichte Andronikos II. eine ständige Befriedung der Grenze gegenüber Serbien, mit der eine weitgehende Byzantinisierung des serbischen Hofes Hand in Hand ging. Seit etwa derselben Zeit zeigen sich Spannungen mit Dragutin, der offensichtlich die neue Byzanzpolitik mißbilligte. In den offenen Kriegshandlungen seit 1301 scheint sich Dragutin auch auf einen Teil des M. unterstehenden Adels gestützt zu haben, indes M. die Autorität der ihm ergebenen Kirchenführung ausnützen konnte und mit Hilfe von Söldnern den Kampf entschied. Er hatte seit einiger Zeit durch „Sachsen“ den Silberbergbau vorangetrieben, der ihm bedeutende Summen zur Förderung seiner Bautätigkeit wie zur Anwerbung eines stehenden Söldnerheeres verschaffte. Erst um 1311/1313 hatte M. sich gegen Dragutin durchgesetzt, ihn gezwungen, seine Oberherrschaft anzuerkennen und die Thronfolge in sein Belieben zu stellen. Nach dem Tode Dragutins 1316 gelang es M., sich seines Neffen Vladislav zu bemächtigen und Dragutins Herrschaftsgebiet zu besetzen. Das Banat Mačva mit Belgrad mußte er allerdings nach einem Krieg mit Karl Robert von Ungarn 1319 wieder abgeben. Am 29. Oktober 1321 starb M. überraschend in seinem Schloß Nerodimlja auf dem Amselfeld. Die sofort ausbrechenden Nachfolgekämpfe haben, den Worten Erzbischof Danilos II. nach zu schließen, sogar die Überführung M.s in sein Grabkloster Banjska gefährdet. M. wird als Heiliger der serbisch-orthodoxen Kirche gefeiert, seine Reliquien befinden sich seit 1460 in Sofia. Die Herrschaft M.s wird aus mehreren Gründen als Glanzzeit der altserbischen Monarchie angesehen. Die erfolgreiche Expansion in die fruchtbaren Gebiete Mazedoniens brachte dem serbischen Adel wie der Kirche reichen Landbesitz und die Segnungen der byzantinischen Hochkultur. Aus den neuen Bergwerken (Brskovo, Trepča, Kratovo, Novo Brdo u. a.) wurde so viel Blei und Silber gewonnen, daß sich über den Eigenverbrauch hinaus auch der Export lohnte. Mit der Einbeziehung Serbiens in den adriatischen Wirtschaftsraum entwickelten sich Handel und Städtewesen. Äußeres Zeichen des Aufschwunges sind die zahlreichen Kirchen, die M. nicht nur in Serbien und Mazedonien, sondern auch auf dem Athos, in Konstantinopel, Jerusalem, auf dem Sinai u. a. errichtete. Die Kirchen M.s, die teils mit vollständigem Freskenschmuck erhalten sind, bilden einen wesentlichen Teil der byzantinoslawischen Kunst. Als Persönlichkeit hat M. sich über geltende Normen leicht hinweggesetzt. Das orthodoxe Eherecht manipulierte er nach politischem Kalkül, indem er seine ersten drei Frauen (eine Griechin, eine Ungarin, eine Bulgarin) nach kurzen Ehen verstieß und in schon vorgerücktem Alter das Kind Simonis heiratete. Seinen Sohn Stefan Uroš (III.) machte er durch die Ungültigkeitserklärung seiner dritten Ehe illegitim, später ließ er ihn wegen eines Aufstandes blenden und nach Konstantinopel verbannen. Das serbische Nachfolgerecht trat er mit Füßen, als er griechisch-italienische Verwandte seiner Gattin Simonis zeitweilig für die Thronfolge vorsah. Seines Neffen Vladislavs scheint er sich eidbrüchig auf dem Begräbnis seines Bruders bemächtigt zu haben. Auch die Orthodoxie, der er so viele Kirchen errichtete, machte er zum Gegenstand politischer Opportunität, als er 1308 mit Papst Klemens V. über die Kirchenunion verhandelte. Der Biograph M.s jedoch, Erzbischof Danilo II., der seine Karriere der besonderen Gunst des Königs verdankte, verstand es, in Vita und Offizium, die er für M. verfaßte, einen heiligmäßigen Lebenswandel vorzuspiegeln und damit den Heiligenkult zu begründen.

Literatur

Jireček: passim.
Dinić, Mihajlo: Odnos izmedju kraljeva Milutina i Dragutina. In: Zborn. Rad. vizant. Inst. 3 (1955) 49-82.
Radojičić, Djordje Sp.: Žitie Stefana Uroša II Milutina u Rimničkom Srbljaku (1761). In: Ist. Čas. 9/10 (1959) 97-100.
Hallensleben, Horst: Die Malerschule des Königs Milutin. Gießen 1963.
Daničić, Djura (Hrsg.): Životi kraljeva i arhiepiskopa srpskih. Napisao arhiepiskop Danilo. Beograd, Zagreb 1866. (Deutsche Übersetzung: Serbisches Mittelalter. Altserbische Herrscherbiographien. Bd2: Danilo II. und seine Schüler: Die Königsbiographien. Übersetzt, eingeleitet u. erklärt v. Stanislaus Hafner. Graz, Wien, Köln 1976. = Slavische Geschichtsschreiber. 9.)

Verfasser

Frank Kämpfer (GND: 129105678)

GND: 119462818


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Empfohlene Zitierweise: Frank Kämpfer, Milutin, Stefan Uroš II., in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 218-219 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1373, abgerufen am: (Abrufdatum)

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