Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Lontos, Andreas Sotiraku

Lontos, Andreas Sotiraku, griechischer Freiheitskämpfer und Politiker, * Vostitsa 1784, † (Selbstmord) ebd. September 1846.

Leben

 L. entsproß einer durch Korinthenexport reich gewordenen Familie von Grundbesitzern aus der nördlichen Peloponnes. Seine Bildung verdankte er Panajotis Palamas. 1809 begleitete er Lord Byron auf dessen Griechenlandreise. Nach der Ermordung seines Vaters durch Türken (1813) floh er nach Istanbul. Dort knüpfte er so wirksame Verbindungen an, daß er schon 1818 als Verwalter des Kaza von Vostitsa in seine Heimat zurückkehren konnte. In diesem oder im folgenden Jahr schloß er sich der „Hetärie“ an. Mit einer selbst rekrutierten Schar zog er als Fahnenträger der Aufständischen Anfang April 1821 vor Patras. Mit dem Erzbischof Germanos von Patras und seinem Vetter Andreas Zaimis bildete er das „Achäische Direktorium“. Die Bestrebungen dieser „Triandrie“, die Führung des gesamten Aufstandes in die Hand zu bekommen, mußten notwendig zu Auseinandersetzungen mit den anderen Primaten und den Klephtenführern führen. Nach der Ankunft von Alexandros Mavrokordatos schloß sich L. dessen politischer Linie an. 1822 führte er dem von den Türken belagerten Missolunghi etwa 700 Mann Verstärkung zu. Im Bürgerkrieg stützte er zunächst die Regierung gegen Theodoros Kolokotronis, wechselte dann aber aus militärischen Überlegungen auf dessen Seite über. Zu einer Vermittlerrolle im Streit der Bürgerkriegsparteien war er jedoch nicht stark genug; vor den Verfolgungen der Regierung flüchtete er mit Zaimis nach Westgriechenland. Erst nach der Landung Ibrahim Paschas im April 1825 kehrte er mit wiederum selbst ausgehobenen Kriegern in die Peloponnes zurück. Nochmals von der Regierung zur Auflösung seiner Truppe und zur Flucht gezwungen, konnte er sich erst nach der Bestellung von Kolokotronis zum Oberbefehlshaber am Kampf gegen die Ägypter beteiligen. Doch als 1826 Zaimis Regierungschef wurde, kam es wiederum zu Spannungen mit Kolokotronis, wobei sich L. erneut auf die Seite der Primaten schlug. Willkürakte L.’ gegen die Einwohner von Korinth veranlaßten die Versammlung von Trözene, ihn als Befehlshaber der Streitkräfte von Vostitsa abzusetzen.
 Während der Präsidentschaft von Kapodistrias gehörte L. zur Opposition. Unter König Otto wurde er zum Major, später zum Generalmajor ernannt. Das war aber nur eine unzureichende Entschädigung für die Zerrüttung seiner Vermögens Verhältnisse durch die Kriegszeit. Außenpolitisch orientierte er sich nach England und war maßgeblich beteiligt am Putsch vom September 1843. Er wurde zunächst Kriegs-, dann Innenminister, schließlich Vizepräsident der Nationalversammlung, aber schon 1845 gestürzt. Trotz seiner Herkunft aus der Primatenschicht setzte er seinen Ehrgeiz darein, ein militärischer Führer zu werden. Seine persönliche Tapferkeit war unbestritten. Politisch folgte er den Ratschlägen seines ihm auf diesem Felde überlegenen Vetters. Seine bedenkenlose Freigebigkeit hat dazu beigetragen, ihm die Grundlage erfolgreicher Politik im damaligen Griechenland, die eigene finanzielle Basis, zu entziehen. Er setzte seinem Leben selbst ein Ende.

Literatur

Borst, William A.: Lord Byron’s first pilgrimage. New Haven 1948.
Kokkinos: passim.
Stamotopulos, Takis A.: Andreas Lontos. Athen 1960.
Petropulos, John Anthony: Politics and statecraft in the kingdom of Greece 1833-1843. Princeton 1968.
Stasinopulos, Christos A.: Lexikon tis ellinikis epanastaseos. Bd 2. Athen 1971.

Verfasser

Gerhard Grimm (GND: 13735374X)

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Empfohlene Zitierweise: Gerhard Grimm, Lontos, Andreas Sotiraku, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 44-45 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1260, abgerufen am: (Abrufdatum)

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