Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

Lampros, Spiridon P.
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Lampros, Spiridon P.

Lampros, Spiridon P., griechischer Historiker, Schriftsteller und Politiker, * Kerkira (Korfu) 08.04.1851, † Athen-Kifisia 23.07.1919, aus einer aus Epirus stammenden Familie, Sohn des Numismatikers Pavlos L.

Leben

L. bekam den ersten Unterricht in seinem Heimatort. 1860 übersiedelte die Familie nach Athen, wo L. zunächst drei Jahre Hausunterricht erhielt und 1863-1867 das Höhere Gymnasium besuchte. Anschließend immatrikulierte er sich an der Universität Athen. 1872 begab er sich nach Berlin und schloß sein Studium im August 1873 mit der Promotion in Leipzig ab. Er verfolgte seine historischen und paläographi- schen Studien aber noch weiter: bis 1875 in Berlin, dann in Paris, London und Wien. 1878 kehrte er nach Athen zurück, wo er als Dozent an der Universität erstmals einen Lehrauftrag für Paläographie erhielt. 1880 vermählte er sich mit Anna Balanos, Tochter des Advokaten Aristides Balanos. Vom März 1882 bis zum April 1885 war L. General-Inspekteur der griechischen Volksschulen. Im Januar 1887 berief ihn die Universität Athen zum außerordentlichen, im Juni 1890 zum ordentlichen Professor für allgemeine Geschichte (bis 1917). 1904-1905 und 1911-1912 bekleidete er das Amt des Rektors der Universität. Er war auch Erzieher des Thronfolgers, des späteren Königs Georg II.
 L.’ „Collection de romans grecs en langue vulgaire et en vers“ erschien bereits 1880 in Paris. Besonders aber die großen Quellenwerke zur byzantinischen und nachbyzantinischen Geschichte sichern L. einen Platz in der Reihe der führenden griechischen Historiker: „Istoria tis Eliados“ (Geschichte Griechenlands, 6 Bde, Athen 1886/1908; unvollendet, schließt mit der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453), „Catalogue of the Greek manuscripts on Mount Athos“ (Katalogos ton en tais vivliothikais tu Ajiu Orus Ellinikon kodikon, 2 Bde, Cambridge 1895/ 1900; Neudruck Amsterdam 1966), „Palaiolojia kai Peloponnisiaka“ (Paläologisches und Peloponnesisches, Bd 1-2, Athen 1912; Bd 3-4 postum herausgegeben von Ioannis K. Vojiatzidis, Athen 1926/30). Ab 1904 gab L. die historische Zeitschrift „Neos Ellinomnimon" heraus, von der er allein 13 Bände betreute (bis 1917). Aus seinem wissenschaftlichen Schaffen liegen auch 17 Bände Übersetzungen vor und insgesamt 479 Bücher und Artikel. L. betätigte sich auch als Dramatiker und Lyriker. L. war Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften, so der Preußischen Akademie der ’Wissenschaften, der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Akademie der Wissenschaften zu Madrid. Die Idee des Sports hat L. 1897-1906 als Vorsitzender des Verbandes der griechischen athletischen und gymnastischen Vereine, 1901-1918 als Generalsekretär des griechischen Nationalkomitees für die Olympischen Spiele gefördert. L.’ kurze politische Karriere fiel in die Zeit der politischen Spaltung des Landes im Ersten Weltkrieg. Nach dem durch Eleftherios Venizelos in Saloniki inszenierten Aufstand und unter dem wachsenden Druck der Alliierten auf Griechenland, in den Krieg auf ihrer Seite einzutreten, berief König Konstantin I. L. am 27. September 1916 in das Amt des Ministerpräsidenten. L. übernahm zugleich das Ressort des Unterrichtsministers. Die schwache Regierung konnte die Zusammenstöße der griechischen Streitkräfte mit der gelandeten französischen Flotte bei Keratsini (18.11.1916) nicht verhindern. Die totale Blockade von der See her durch die Entente (ab 28.11.1916) erzwang die innenpolitische Kursänderung: Die Liberalen gewannen die Oberhand, und die Regierung mußte am 21. April 1917 zurücktreten. L. wurde von einem Sondergericht wegen politischer Vergehen verurteilt (15.11.1917), sein Vermögen beschlagnahmt, er selbst nach Hydra (22.1. 1918) und Skopelos verbannt. Nach seiner Rückkehr nach Athen (20.03.1919) stand er unter strenger Polizeiaufsicht und starb bereits vier Monate später an einer Nierenentzündung.

Literatur

Heisenberg, A[ugust]: Spiridon Lampros. In: Jahrbuch der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 1919. München 1920, 37-40.
Skias, Andreas N.: Spiridon P. Lampros. In: Neos Ellinomnimon 14 (1920) 115-139.
Kiriakidis, Stilpon P.: Spiridon P. Lampros. In: Laografia 8 (1921) 231-234.
Stefanu, E.: Quelques figures de byzantinistes. 1.Spyridon Lambros (1851-1919). In: Échos d’Orient 33 (1930) 29, 73-79.
Charitakis, Georgios: Spiridon Lampros - Anna Lampru. In: Is mnimin Spiridonos Lampru. Athen 1935. III-XIV.

Verfasser

Walter Puchner (GND: 115411496)

GND: 116669276


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Empfohlene Zitierweise: Walter Puchner, Lampros, Spiridon P., in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 5-6 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1230, abgerufen am: (Abrufdatum)

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