Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

In den Suchergebnissen blättern

Treffer 
 von 1526

Kulmer, Franjo Freiherr von

Kulmer, Franjo (Franz) Freiherr von, kroatischer Politiker, * Zagreb 3.02.1806, † Wien 16.11.1853, aus einem kroatischen Magnatengeschlecht.

Leben

K. war ab 1814 Zögling des Wiener Theresianums. Anschließend studierte er Jura an der Wiener Universität und trat 1830 bei der ungarischen Hofkanzlei in Wien in den Staatsdienst ein. Nach Zagreb kehrte er 1836 als Beisitzer beim Banalstuhl zurück. Die magyarischen Hegemonialbestrebungen und der Einfluß seiner Verwandten, der Grafen Janko Drašković und Jurica Oršić, veranlaßten ihn, sich 1842 der Illyrischen Partei (ab 1843 Nationalpartei = Narodna stranka) anzuschließen. Auf dem ungarischen Landtag in Preßburg lehnte er 1843 entschieden die Einführung der ungarischen Amtssprache in den kroatischen Gebieten ab, und auf der Komitatsversammlung des Komitats Zagreb bediente er sich 1844 demonstrativ anstatt der lateinischen der kroatischen Sprache. Für die Nationalpartei war nicht nur die politische Erfahrung K.s von Bedeutung, seine guten Beziehungen zum Wiener Hof ließen ihn auch oft als Vermittler zwischen den nationalen Kroaten und Wien auftreten. Seine politische Haltung war streng legitimistisch. Vom Beginn des Jahres 1845 an bemühte er sich erfolglos, eine Aussöhnung der Nationalpartei mit der ungarisch-kroatischen Partei, den sog. Madjaronen, herbeizuführen. Erfolgreicher waren seine Bemühungen, eine Zusammenarbeit zwischen der kroatischen Nationalpartei und der dem Hof ergebenen Konservativen Partei der ungarischen Magnaten zu erreichen. 1845 wurde er zum Obergespan von Syrmien ernannt, wo die Madjaronen besonders stark waren. Als die Märzrevolution 1848 erfolgreich war, begab er sich sofort nach Wien, um im Sinne der Magnaten den seit 1845 vakanten Banalstuhl durch eine erfolgreiche Intervention beim Erzherzog Ludwig mit dem von ihm vorgeschlagenen Baron Josip Jelačić zu besetzen. Die „nationalen Forderungen“ der großen Nationalversammlung vom 25. März 1848 (politische Unabhängigkeit und territoriale Einheit der Kroaten in einer föderalistischen Habsburgermonarchie) hielt K. für übertrieben und konnte auch dem Austroslawismus Jelačićs nicht beipflichten. Besonders lehnte er alle demokratischen Tendenzen ab. Dennoch wählte ihn der kroatische Landtag auf Vorschlag von Jelačić zum Vertreter beim Wiener Hof, wo er am 2. Dezember 1848 als kroatischer Minister ohne Portefeuille mit Sitz und Stimme in den Ministerrat aufgenommen wurde (Kabinett des Fürsten Schwarzenberg). In der Folge geriet K. immer mehr in Gegensatz zur offiziellen kroatischen Politik. Er unterstützte die oktroyierte Verfassung, die die nationalen Hoffnungen der Kroaten zunichte machte. Nach der Aussetzung der Verfassung trat er 1851 zurück und wurde Mitglied des Reichsrates und Geheimrat. Er nahm sich in geistiger Umnachtung das Leben.

Literatur

Grlović, Milan: Album zaslužnih Hrvata 19 stoljeća. 2 Bde. Zagreb 1898/1900.
Nemeth, Krešimir: Nekoliko neobjavljenih pisama iz korespondencije Kulmer-Jelačić 19. III. 5.05.1849. In: Arhivski vjesnik 1 (1958) 333-365.
Šišić, Ferdo: Pregled povijesti hrvatskoga naroda. Zagreb 1962

Verfasser

Andreas Moritsch (GND: 123957184)

GND: 1017811237

Druckerfreundliche Anzeige: Druckerfreundlich

Treffer 
 von 1526
Ok, verstanden

Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Mehr Infos