Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Kanaris, Konstantinos

Kanaris, Konstantinos, griechischer Admiral und Politiker, * Psara um 1790, † Athen 15.09.1877. Nach dem Beinamen des mit ihm verwandten Reeders Burekas, Kanarios, wurde der schon als Knabe auf dessen Schiffen arbeitende Waise K. genannt. Aus seiner Ehe mit der psariotischen Reederstochter Despina Maniati gingen u. a. der Admiral Thrasivulos K. sowie der Admiral und Marineminister Miltiadis K. hervor.

Leben

Schon als zwanzigjähriger wurde K. Kapitän eines Handelsschiffes. Obwohl kein Mitglied des revolutionären Geheimbundes Filiki Eteria, trat er sofort nach Ausbruch des Unabhängigkeitskrieges 1821 in der Rebellenflotte von Psara hervor und errang internationalen Ruhm mit einer tollkühnen Aktion: In der Nacht vom 18. zum 19. Juni 1822 setzte er das Flaggschiff der osmanischen Flotte im Hafen von Chios in Brand, wobei Admiral Kara Ali und über 2000 Offiziere und Matrosen ums Leben kamen. Am 10. November vernichtete er bei Tenedos das Kommandoschiff des Vizeadmirals. Damit gab er den Aufständischen nicht nur neuen Mut, sondern verhinderte die im Anschluß an die brutale Niederwerfung des Aufstandes der Chioten geplante Strafexpedition der osmanischen Flotte durch die Ägäis und lenkte die Aufmerksamkeit Europas auf das Kriegsgeschehen. Eine ähnliche Aktion gegen die ägyptische Flotte im Hafen von Alexandria (22.08.1825) führte nicht zum vollen Erfolg. In der Nationalversammlung von Trizin (Troizen) 1827 vertrat er Psara, unter Kapodistrias diente er als Garnisonschef von Monemvasia und befehligte 1831 die loyalen Flotteneinheiten. Nach dem Tode des Regenten lebte er zurückgezogen auf Syros, stellte sich nach der Etablierung der konstitutionellen Monarchie durch die Militärrevolte von 1843 als Marineminister (Kabinette Metaxas 1843, Kolettis 1844, Mavrokordatos 1854/55) und Ministerpräsident (28. II. - 11.04.1844, 27.10. 1848 - 24.12.1849 sowie im Krimkrieg vom 28.05.1854 bis zu Mavrokordatos5 Ankunft am 29. VII. als Chef des „Okkupationskabinetts“), dann als Senator zur Verfügung. Auf dem Höhepunkt der inneren Krise beauftragte ihn König Otto 1862 mit der Regierungsbildung. In seinem berühmten, jedoch großenteils von Athanasios Petsalis verfaßten Memorandum vom 24. Januar 1862 forderte er die Einführung des parlamentarischen Regierungssystems. Da er aber taktisch unklug vorging, die Opposition vor allem im Senat für die Regierungsbildung nicht gewinnen konnte (oder wollte) und offenkundig ungeeignete Ministerkandidaten aus seiner Umgebung auswählte, entzog ihm der Monarch sogar unter dem Beifall der gegen den Thron gereizten Öffentlichkeit den Auftrag. Nach Ottos Vertreibung 1862 gehörte er mit Vulgaris und Rufos zum Triumvirat, bildete zweimal das Kabinett (17. III. - 28.04.1864, 7.08.1864 - 14.03.1865) und wurde auf Druck der Öffentlichkeit während der Orientkrise am 7. Juni 1877 an die Spitze einer Allparteienregierung berufen. Der schlichte, ungebildete K. hatte kein politisches Talent und gehörte auch nicht zu den überragenden Strategen des Unabhängigkeitskrieges. Sein militärisches Verdienst bestand in spektakulären Einzelaktionen, politische Rollen dachte man ihm in erster Linie wegen seiner unbestechlichen, uneigennützigen Haltung zu.

Literatur

Kostopulos, Lampros: Kanaris, o burlotieris tu Ikosiena. Athen 1962. G. Hering

Verfasser

Gunnar Hering (GND: 1078119694)


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