Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Johannes II. Komnenos

Johannes II. Komnenos, byzantinischer Kaiser 1118-1143, * Konstantinopel September/Dezember 1087, † Kilikien 8.04.1143, Sohn des Alexios I. Komnenos und der Irene Dukas.

Leben

Zum Nachfolger bestimmt, sah J. sich dennoch gezwungen, sich in der Todesstunde seines Vaters gegen die Intrigen seiner Mutter und seiner Schwester Anna Komnene durchzusetzen, die Annas Gatten Nikephoros Bryennios an die Macht bringen wollten. Seine Mutter fügte sich in die Niederlage, seine Schwester erst nach dem Fehlschlag einer Verschwörung. J. führte persönlich ein beispielhaftes Leben und hielt Verschwendung und Sittenverderbnis vom Flofe fern. Er galt seinen Untertanen als das Musterbild eines Kaisers. Er kümmerte sich gebührend um die Verwaltung und um das Militär, so daß er seinem Sohn und Nachfolger Manuel (I.) eine volle Staatskasse und ein starkes Heer vererben konnte. Ein großer Fehler war es aber, daß er die Einkünfte aus den Gütern der Seesoldaten nicht mehr für den Flottenbau verwendete, sondern sie der Staatskasse zuführte. Kontantinopel verschönerte er durch den Bau prachtvoller Kirchen; das Hospital des von ihm gegründeten Pantokratorklosters war beispielhaft für das ganze Mittelalter. Eine große Gefahr entstand 1122 auf dem Balkan durch eine Invasion der Petsche- negen. J. schlug sie vernichtend und endgültig. Viele Gefangene wurden im Reich angesiedelt oder in das byzantinische Heer eingegliedert. Anschließend erkämpfte er einen großen Sieg über die unbotmäßigen Serben und machte auch dabei viele Kriegsgefangene, die er in Kleinasien ansiedelte. Eine dauerhafte Befriedung gelang ihm jedoch nicht. J., der eine ungarische Prinzessin (Piroska-Irene) geheiratet hatte (1104/5), mischte sich in die ungarischen Thronstreitigkeiten ein und blieb im Krieg, den er dadurch hervorrief, Sieger (1128). Vergebens versuchte J., die von seinem Vater Venedig verliehenen Privilegien rückgängig zu machen. Eine Expedition der venezianischen Flotte im Ägäischen Meer erzwang eine Bestätigung und Erweiterung sämtlicher Konzessionen (1126). In Kleinasien unternahm J. mit Erfolg mehrere große Feldzüge. 1135 besiegte er die gefährlichen Danischmendiden von Melitene. 1137 gelang es ihm, in Kleinarmenien die byzantinische Oberhoheit wiederherzustellen. Anschließend nahm er Antiochien ein, und Raymond von Poitiers mußte dem Kaiser den Treueid leisten. Gegen die zunehmende Gefahr seitens der Normannen von Sizilien unter Roger II. (1105-1154) sicherte er sich die Unterstützung der deutschen Kaiser Lothar III. (1133 bis 1137) und Konrad III. (1138-1152), wie auch der mächtigen Handelsstadt Pisa (1136). So festigte J. mit Erfolg die von seinem Vater begonnene Restauration und baute sie weiter aus. Als Raymond von Poitiers seinem Treueid untreu wurde, entschloß J. sich im Jahre 1142, das Problem der Kreuzfahrerstaaten in Syrien durch einen großen Feldzug, der ihn bis nach Palästina führen sollte, zu lösen. Der Tod durch einen Jagdunfall (kaum durch Mord), der ihn schon am Anfang dieses Unternehmens ereilte, verhinderte die Ausführung. Von seinen vier Söhnen, Alexios, Andronikos, Isaak und Manuel, hatte J. die zwei ältesten vor sich sterben sehen. Auf seinem Sterbebett sicherte er dem jüngsten, Manuel, die Nachfolge. Sein Leichnam wurde nach Konstantinopel übergeführt und im Pantokratorkloster beigesetzt.

Literatur

Chalandon, Ferdinand: Les Comnènes. Études sur l’empire byzantin aux XIe et XIIe siècles. Bd 2. Jean Comnène (1118-1143) et Manuel I Comnène (1143-1180). Paris 1912.
Lamma, Paul: Comneni e Staufer. Ricerche sui rapporti fra Bisanzio e l’Occidente nel secolo XII. 2 Bde. Roma 1955/57.
Ostrogorsky: S. 310-314.
The Cambridge Medieval History. IV. The Byzantine Empire. 1. Byzantium and its Neighbours. Hrsg. Joan M. Hussey. Cambridge 1966, 219-226 (mit Bibliographie).
Browning, Robert: The Death of John II Comnenus. In: Byzantion 31 (1961) 229-235.
Polemis, Demetrios I.: The Doukai. A Contribution to Byzantine Prosopography. London 1968, Nr. 108, S. 135-136.

Verfasser

Jan Louis van Dieten (GND: 1047967324)

GND: 118712454


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Empfohlene Zitierweise: Jan Louis van Dieten, Johannes II. Komnenos, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 279-280 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1044, abgerufen am: (Abrufdatum)

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