Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Dimitrov, Georgi Michajlov

Dimitrov, Georgi Michajlov, bulgarischer Politiker, * Ini Čifluk (bei Adrianopel) 1903, † Washington 29.11.1972.

Leben

D. ist allgemein unter dem Namen „Gemeto“ bekannt, u. a. um ihn von dem gleichnamigen kommunistischen Führer zu unterscheiden. Er engagierte sich frühzeitig für die Agrarunion BZNS (Bŭlgarski Zemedelski Naroden Sŭjuz) unter Stambolijski und wurde, als diese durch den Staatsstreich vom 9. Juni 1923 von der Macht verdrängt wurde, von der neuen Regierung unter Cankov (1923-1926) zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde jedoch nicht vollstreckt. Nachdem D. aus dem Gefängnis entlassen worden war, studierte er in Belgrad Medizin. 1931 wurde er zum Abgeordneten gewählt. Kurz darauf wurde er Sekretär der BZNS und profilierte sich immer mehr zum Führer ihres linken Flügels, der nach ihrem Organ genannten „Pladne“-Gruppe. Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs wurde D. wegen seines engagierten Auftretens gegen die deutschfreundliche Politik des Zaren Boris verhaftet und eingesperrt; es gelang ihm zu flüchten, und er wurde in Abwesenheit zum Tode verurteilt. D. entwich über Jugoslawien in den Nahen Osten. Ab 1941 lebte er in Kairo, wo er eng mit dem britischen Befehlshaber für Nahost zusammenarbeitete. Mit Unterstützung der Engländer gründete er das Nationalkomitee „Freies und unabhängiges Bulgarien“ und ließ durch englische Flugzeuge Aufrufe zum Widerstand über Bulgarien abwerfen. Im April 1942 gaben seine im Lande verbliebenen Anhänger der „Pladne“-Gruppe einen Aufruf heraus, in dem eine Niederlage des mit Bulgarien verbündeten Deutschland prophezeit wurde; 15 Mitglieder der Gruppe wurden daraufhin vor Gericht gestellt.
Nach dem Einmarsch der Roten Armee (8.09.) kehrte D. im September 1944 nach Bulgarien zurück. Obwohl grundsätzlich ein Befürworter der im Krieg entstandenen „Vaterländischen Front“, zu der seine „Pladne“-Gruppe gehörte, lehnte er es doch ab, in deren Regierung einzutreten, wozu ihn seine Freunde und die Kommunisten drängen wollten. D. übernahm erneut die Leitung der BZNS und bemühte sich, diese zur zweiten Kraft neben den Kommunisten aufzubauen. Er war sehr populär unter den Bauern und sparte nicht mit Kritik an den kommunistischen Maßnahmen, wie den Säuberungen in der Armee, den „Volksgerichten“ usw. Der im Dezember 1944 ausbrechende griechische Bürgerkrieg verschlechterte seine Position, da er als britischer Agent verdächtigt wurde. Unter diesem Druck trat D. am 18. Januar 1945 zugunsten von Nikola Petkov zurück. Die Kritik an ihm verstummte jedoch nicht, und der Kongreß der „Vaterländischen Front“ vom Frühjahr 1945 bezeichnete ihn schon unverhüllt als „Volksfeind“. Der kommunistische Innenminister Anton Jugov ließ ihn unter Hausarrest stellen und bereitete seinen Abtransport in ein Arbeitslager vor. Am 25. Mai 1945 flüchtete D. aus seinem Haus und wendete sich zunächst an die Engländer um Hilfe. Seine Bitte blieb erfolglos, doch bot ihm der amerikanische Botschafter Maynard Barnes - mit Wissen und Billigung der amerikanischen Regierung - Asyl in der amerikanischen Botschaft an. Im August 1945 nahm Barnes D. in die USA mit. Im Juni 1946 wurde in Sofia ein großer Prozeß gegen ihn und einige seiner Anhänger veranstaltet. In Washington war D. bis zu seinem Tode Präsident des „Bulgarischen Nationalkomitees“ (Bŭlgarski Naroden Komitet).

Literatur

Komu služat? In: Sŭvremennik Nr. 7/8 vom 1./15.04.1945, 285-287.
Lazarov, K.: Procesite Krŭstju Pastuchov-Gemeto. In: Sŭvremennik Nr. 13 vom 1.07.1946, 732-737.
Bretholz, Wolfgang: Ich sah sie stürzen. Wien, München, Basel 1955.
Havránková, Růžena: První kroky lidové demokracie v Bulharsku. In: Slovanský přehled 2 (1965) 111-115.
Petrova, Dimitrina: BZNS v kraja na buržoaznoto gospodstvo v Bŭlgarija (1939-1949 g.). Sofija 1970.
Parežanin, Ratko: Bugarin, Južnoslovenin i Evropljanin. In: Iskra Nr. 522 vom 15.1. 1973.

Verfasser

Wolf Oschlies (GND: 107216760)

GND: 1048411621


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Empfohlene Zitierweise: Wolf Oschlies, Dimitrov, Georgi Michajlov, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 408-409 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=736, abgerufen am: (Abrufdatum)

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