Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Dimitrije (Pavlović)

Dimitrije (Pavlović), serbischer Patriarch 1920-1930, * Požarevac 15.10. 1846, † Belgrad 6.04.1930.

Leben

D. besuchte das Priesterseminar in Belgrad, das er im Jahre 1868 beendete. Danach war er zwei Jahre Volksschullehrer. Nach der Priesterweihe (1870) studierte D. an der philologischen Abteilung der Belgrader Hochschule und wurde nach Abschluß seines Studiums Lehrer am Priesterseminar in Belgrad (1878). Kurz darauf wurde er Mönch, behielt aber seinen Taufnahmen bei.
Während dieser Zeit war zwischen dem damaligen Belgrader Metropoliten Mihailo und der serbischen Regierung unter König Milan wegen der Einführung verschiedener Gebühren auf die Zuteilung von kirchlichen Ämtern (Gesetz vom 3.04.1881) ein Streit ausgebrochen, der die Absetzung des Metropoliten Mihailo und seiner Bischöfe zur Folge hatte. Zum neuen Metropoliten von Belgrad und ganz Serbiens wurde am 27. März 1883 Teodosije Mraović ernannt, der früher ebenfalls Lehrer am Belgrader Priesterseminar gewesen war. Da der neue Metropolit sich erst eine Hierarchie „schaffen“ mußte, wurde auch D. Bischof von Niš (30.10. 1884). Auf diesem Posten blieb D. bis zum 28. Mai 1889, als nach der Abdankung König Milans der Metropolit Mihailo nach Serbien zurückkehrte und seinen Thron wieder bestieg, was die Entlassung der unter Teodosije eingesetzten Bischöfe zur Folge hatte.
Auch D. mußte seine Diözese verlassen und ging nach Paris, wo er an der Sorbonne drei Jahre Slawistik und danach in Montpellier zwei Jahre Agronomie studierte. Als D. 1894 aus Frankreich zurückkehrte, wurde er nach dem Athos entsandt, um im serbischen Kloster Hilandar die Streitigkeiten zu schlichten, die zwischen den serbischen und den bulgarischen Mönchen herrschten. Während dieser Zeit erforschte D. das Typikon des Klosters, das diesem vom hl. Sava gegeben worden war. Im „Spomenik SA“, Bd 31, 1898, gab D. die erste kritische Ausgabe dieses Typikons heraus, die noch immer als die beste gilt. Im Jahre 1895 wurde D. zum Staatsrat ernannt.
Nach dem Tode des Metropoliten Mihailo (5.02.1898) wurde D. unter Metropolit Inokentije zum Bischof von Šabac ernannt. Auf diesem Posten blieb er bis zum 19. August 1905, als er selbst Metropolit von Belgrad und ganz Serbiens wurde.
Als im Jahre 1908 Bosnien und Herzegowina von Österreich-Ungarn annektiert wurden, verfaßte D. ein Memorandum über die Lage des serbischen Volkes in der Monarchie und sandte es an alle orthodoxe Kirchen und nach Rußland. Nach den Balkankriegen (1913) war es D. gelungen, die Diözesen, die sich unter der Jurisdiktion des ökumenischen Patriarchen befanden, auf dem kanonischen Wege der serbischen Kirche anzugliedern. Nach der Niederlage Serbiens im Ersten Weltkrieg wurde D. von der Regierung aufgefordert, sich mit den Resten der serbischen Armee durch Albanien nach Korfu zurückzuziehen, was er auch tat. In der Emigration gelang es D., mit der Anglikanischen Kirche gute Beziehungen herzustellen und in England eine Gruppe junger serbischer Theologen ausbilden zu lassen, die zur Belebung des kirchlichen Lebens nach dem Ersten Weltkrieg viel beigetragen haben. Nach dem Krieg kehrte D. nach Serbien zurück und begann die Vereinigung der serbischen Teilkirchen vorzubereiten. Als der älteste unter den damaligen Bischöfen der serbisch-orthodoxen Kirche (er war 73 Jahre alt) und als Metropolit von Belgrad und ganz Serbiens wurde D. am 12. November 1920 zum ersten Patriarchen der vereinigten serbisch-orthodoxen Kirche gewählt und am 13. November 1920 in sein neues Amt in Belgrad feierlich eingeführt. Während seiner Amtszeit, am 8. November 1929, wurde das Gesetz über die serbisch-orthodoxe Kirche („Zakon o pravoslavnoj crkvi“) erlassen, mit dem die Kirche vom Staate getrennt wurde, und mit der Ausarbeitung der Kirchenverfassung begonnen. Unter D. wurde in Belgrad eine theologische Fakultät gegründet, die das wissenschaftliche Organ „Bogoslovlje“ herausgab. Gleichzeitig wurde an der theologischen Fakultät in Zagreb eine Abteilung für orthodoxe Theologie eröffnet.

Literatur

Stranjaković, Dragoslav: Ujedinjenje Srpske Pravoslavne crkve i obnova Pećke Patriaršije 1918-1922 g. In: Glasn. Srpske pravosl. Crkve 43 (1962) 140-146.
Slijepčević, Djoko: Istorija srpske pravoslavne crkve. Bd 2. München 1966, 466-469.
Kovačević, Božidar: Srpski patrijarsi poslednjih pedeset godina. In: Srpska pravoslavna crkva 1920-1970. Spomenica. Beograd 1971, 466-469.

GND: 1119358213


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Empfohlene Zitierweise: Đoko Slijepčević , Dimitrije (Pavlović), in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 402-403 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=733, abgerufen am: (Abrufdatum)

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