Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

In den Suchergebnissen blättern

Treffer 
 von 1526

Bogišić, Valtazar

Bogišić, Valtazar, südslawischer Rechtsgelehrter, * Cavtat 20.12.1834, † Fiume (heute Rijeka) 24.04.1908.

Leben

B. bildete sich zunächst als Autodidakt, gefördert von Angehörigen der ragusäischen Oberschicht. Er zeichnete volkstümliches Literaturgut auf und studierte alt-ragusäische Liedersammlungen. 1858/59 besuchte er die Abschlußklasse eines Gymnasiums in Venedig; anschließend betrieb er juristische, philologische, philosophische, historische und nationalökonomische Studien in Wien, Berlin, Paris und München. Das philosophische Doktorat legte er 1862 in Gießen, das juristische 1865 in Wien ab. Er wurde 1863 „Collaborator“ an der Wiener Hofbibliothek, Mitbegründer des Klubs „Slovanska Beseda“ und Initiator der „Slavenska Biblioteka“, 1868-1869 Grenzschulrat. B. übte eine rege wissenschaftlich-publizistische Tätigkeit aus. Hervorzuheben sind das Projekt für ein „Slovenski Muzeum“ (Neusatz/Novi Sad 1866) im Geist der Wechselseitigkeit Ján Kollárs und nach dem Vorbild von Nürnberg sowie die unter persönlicher Anteilnahme von Vuk Karadžić entstandenen bahnbrechenden „Rechtsbräuche bei den Slaven“ (1866-1867) mit dem später erweiterten und oft übersetzten rechtsethnologischen Fragebogen.
1869 wurde B. zum Ordinarius für slawische Rechtsgeschichte in Odessa ernannt und hielt 1870 seine Antrittvorlesung „Über das wissenschaftliche Studium der slavischen Rechtsgeschichte“ in selbständiger Fortführung der Historischen Rechtsschule. Er war Mitbegründer des „Slavischen Wohltätigkeitsvereins“ und setzte sich entscheidend für die Berufung Vatroslav Jagićs ein. Ende 1871 geriet er in einen Zusammenstoß mit revolutionären Studenten, brach daraufhin 1872 seine Lehrtätigkeit ab und übernahm den Auftrag, für Montenegro eine moderne Gesetzgebung zu schaffen. Ab 1873 führte B. rechtsethnologische Erhebungen in Montenegro durch, studierte das zeitgenössische Zivilrecht, entwarf und revidierte eigene Kodifikationsvorschläge und schuf 1888 das „Allgemeine Gesetzbuch über Vermögen für das Fürstentum Montenegro“.
B. nahm 1874 seinen Wohnsitz in Paris. Während dieser Zeit folgten die Editionen großer Quellenwerke: „Collectio consuetudinum juris apud Slavos meridionalis etiamnum vigentium (Zagreb 1874, auf Grund des seit 1867 gesammelten Materials), „Volkslieder aus älteren, meist küstenländischen Aufzeichnungen“ (Belgrad 1878, mit einer noch nicht überholten Einleitung), „Acta Coniurationem Petri a Zrinio et Francisci de Frankopan ...“ (Zagreb 1888, aus Pariser Archiven). Zwischen 1893 und 1899 war B. montenegrinischer Justizminister. Wichtigste Publikation des letzten Jahrzehnts ist die Edition des „Liber Statutorum Civitatis Ragusii compositus Anno 1272“ (Zagreb 1904, mit Konstantin Jireček).
Die wissenschaftlichen und persönlichen Papiere - darunter rund 10 000 Briefe -, die große, wertvolle Bibliothek und die bedeutenden Sammlungen (Inkunabeln, slawische Frühdrucke, 9000 graphische Blätter des 16.-19. Jh.s) sind in der „Bogišićeva Biblioteka“ in Cavtat aufbewahrt. In seiner Jugend geprägt von ragusäischen Traditionen, dem Illyrismus und der Idee der slawischen Wechselseitigkeit, trat B., ohne sein kosmopolitisches Wesen zu verleugnen, lebenslang für slawische Solidarität und südslawische Einheit und Eigenständigkeit ein. Als Wissenschaftler stand er in der Nachfolge von Jakob Grimm, Vuk Karadžić und der Historischen Rechtsschule, dabei angeregt durch französische und angelsächsische anthropologische, ethnologische und soziologische Forschungen. Das Gesetzbuch von 1888 ist - geistig-methodisch mit den Kodifikationen von Johann Kaspar Bluntschli und Eugen Huber für Zürich bzw. die Schweiz verwandt - sein größtes Werk und ein Höhepunkt der europäischen Rechtskultur im 19. Jh.

Literatur

Novak, Viktor (Hrsg.): V. Bogišić i F. Rački. Prepiska 1866-1893. Beograd 1960.
Zimmermann, Werner Gabriel: Valtazar Bogišič 1834-1908. Ein Beitrag zur südslawischen Geistes- und Rechtsgeschichte im 19. Jahrhundert. Wiesbaden 1962 (mit Bibliographie).
Nikčevič, Tomica (Hrsg.): Valtazar Bogišič. Metod i sistem kodifikacije imovinskog prava u Crnoj Gori. Beograd 1967.

Verfasser

Werner G. Zimmermann (GND: 119279479)

GND: 118660950


Warning: file_get_contents(): SSL operation failed with code 1. OpenSSL Error messages: error:1414D172:SSL routines:tls12_check_peer_sigalg:wrong signature type in /www/htdocs/w00daf99/BioLex/BioLexViewview.php on line 1443

Warning: file_get_contents(): Failed to enable crypto in /www/htdocs/w00daf99/BioLex/BioLexViewview.php on line 1443

Warning: file_get_contents(https://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks/-biolex-ios?format=seealso&id=118660950): failed to open stream: operation failed in /www/htdocs/w00daf99/BioLex/BioLexViewview.php on line 1443

RDF: RDF

Vorlage (GIF-Bild):  Bild1   Bild2   Bild3   

Empfohlene Zitierweise: Werner G. Zimmermann, Bogišić, Valtazar, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 221-223 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=588, abgerufen am: (Abrufdatum)

Druckerfreundliche Anzeige: Druckerfreundlich

Treffer 
 von 1526
Ok, verstanden

Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Mehr Infos