Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

Szilágyi, Dezső
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Szilágyi, Dezső

Szilágyi, Dezső, ungarischer Politiker und Rechtswissenschaftler, * Großwardein (Nagyvárad, heute Oradea) 1.04.1840, † Budapest 31.07.1901.

Leben

Auf Grund seiner Studien im In- und Ausland erwarb sich Sz. als Advokat bald den Ruf eines hervorragenden Juristen. Ab 1867 arbeitete er als Sektionsrat im ungarischen Justizministerium, studierte 1870 die Einrichtungen des Gerichtswesens und des Strafvollzugs in England und gehörte bereits ab 1871 dem Kodifikationsausschuß des Ministerrates an. Im selben Jahr zog er als Abgeordneter der Deák-Partei ins ungarische Parlament, dem er bis zu seinem Tode angehörte. Die Vernachlässigung nationaler Interessen in den Ausgleichsverhandlungen 1876/77 führte Anfang 1878 zu seinem Austritt aus der liberalen Partei, der er nach der Fusion der Deák-Partei mit den Liberalen seit 1875 angehört hatte. In den folgenden Jahren zählte er an der Spitze einer Gruppe von Abgeordneten zu einem der bedeutendsten Führer der im April 1878 konstiuierten „Vereinigten Opposition“. Zur Verstärkung seiner stark angeschlagenen Machtbasis nahm Graf Kálmán Tisza am 9. April 1889 Sz. als Justizminister in sein Kabinett auf, doch war gerade Sz. ein Jahr später maßgeblich am Sturz Tiszas beteiligt, dessen Despotismus er scharf ablehnte. In den nachfolgenden Regierungen des Grafen Gyula Szapáry ( 1890-1892) und Sándor Wekerles (1892-1895) behielt Sz., der extrem antiklerikale Kalviner, trotz großen Widerstandes von seiten der Krone das Justizministerium. Sein kompromißloses Eintreten für eine allgemeine Reform der Verwaltung und im Zusammenhang mit dieser besonders für eine gründliche Liberalisierung des Verhältnisses zwischen Staat und katholischer Kirche machte ihn während seiner Amtszeit zum überragenden Führer der Liberalen in den Auseinandersetzungen um die Einführung der obligaten Zivilehe und anderer damit verbundener Gesetze (Einführung der staatlichen Matrikelführung, der Religionsfreiheit u.a.), die er nach Entwürfen des Kultusministers Graf Albin Csáky nicht nur kodifizierte, sondern im Abgeordnetenhaus auch erfolgreich zur Abstimmung brachte. Die von ihm vorbereitete Strafprozeßordnung wurde 1896 Gesetz Nr. 36. Außerdem begann Sz. mit der Kodifikation des bürgerlichen Gesetzbuches und der materiellen Strafrechtsreform.
Hervorzuheben ist auch die wissenschaftliche Laufbahn von Sz., die seine politische Tätigkeit begleitete und für diese eine ausgezeichnete fachlich-theoretische Grundlage bot. Ab 1874 Professor an der Universität Budapest für Politik und Strafrecht, von 1897 an Mitglied der Akademie, verfaßte er mehrere bedeutende rechts wissenschaftliche Arbeiten, wie „Politikai jegyzetek“ (Politische Kommentare, 3 Bde, Budapest 1887/89) und „Büntetőjogi jegyzetek“ (Strafrechtliche Kommentare, Budapest 1888). Seine zahlreichen Reden wurden nach seinem Tod von Gyula Fayer und Béla Vikar herausgebracht (Szilágyi Dezső beszédei, 4 Bde, Budapest 1906/13). Nach dem von der Krone erzwungenen Rücktritt des Kabinetts Wekerle versah Sz. von 1895 bis 1898 das Amt eines Präsidenten des Abgeordnetenhauses.

Literatur

Eötvös, Károly: Szilágyi és Káldy. Budapest 1906.
Vavrik, Béla: Emlékbeszéd. Budapest 1908.
Halász, Imre: Egy letűnt nemzedék. Budapest 1911, 338-379.
Földes, Béla: Szilágyi Dezső. In: Budapesti Szemle (1937).
Csáky, Moritz: Der Kulturkampf in Ungarn. Graz, Wien, Köln 1967.

Verfasser

Gerhard Seewann (GND: 1069961280)

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Empfohlene Zitierweise: Gerhard Seewann, Szilágyi, Dezső, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 4. Hgg. Mathias Bernath / Karl Nehring. München 1981, S. 261-262 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1738, abgerufen am: (Abrufdatum)

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