Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Schmidt, Heinrich

Schmidt, Heinrich, deutschungarischer Germanist und Volkskundler, * Neuwerbaß (Verbácz, Komitat Bács-Bodrog; heute Vrbas) 14.10.1877, † Szegedin 18.12.1953, aus einer protestantischen donauschwäbischen Kleinbauernfamilie der Batschka.

Leben

 Nach dem Besuch der Gymnasien in Neuwerbaß, Neusatz und Szarvas (Komitat Békés) bezog Sch. 1895 das Eötvös-Kollegium in Budapest, in dem die Elite des ungarischen Staates ausgebildet wurde. Er promovierte 1899 an der Universität Budapest mit einer sprachwissenschaftlichen Arbeit über seinen Heimatort, in der sich bereits sein künftiges Forschungsgebiet, die Mundarten der deutschen Sprachinseln in Ungarn, abzeichnete. Nach einer kurzen Tätigkeit als Lehrer in Preßburg vervollkommnete er seine Ausbildung an den Universitäten Leipzig, Berlin und Heidelberg, wo er Eduard Sievers, Erich Schmidt, Gustav Roethe, Wilhelm Braune und Gustav Ehrismann, alles führende Vertreter der Germanistik ihrer Zeit, hörte. Anschließend war Sch. von 1901 bis 1907 Hauslehrer in der Familie des zweimaligen ungarischen Ministerpräsidenten Graf István Tisza. In seinem Buch „Tisza István boldog évei“ (Stefan Tiszas glückliche Jahre, 1923) erinnerte er sich an diese im Kreis ungarischer hochadeliger Familien verbrachten Zeit. Ab 1907 wirkte er als Professor an der Handelsakademie in Budapest, ab 1910 an der reformierten Hochschule in Debreczin. 1911 wurde er als Nachfolger von Jakob Bleyer an die Franz-Josephs-Universität Klausenburg berufen. Ab 1921 war Sch. Professor an der neuerrichteten Universität in Szegedin, ab 1923 Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Die nach dem Ersten Weltkrieg vornehmlich von Jakob Bleyer, dem Führer der Deutschen in Ungarn, angeregte und durch die Disziplin der Germanistik in Schwung gekommene rege wissenschaftliche Beschäftigung mit dem gesamten geistigen Leben der Deutschen in Ungarn hat Sch. maßgeblich unterstützt und mit zahlreichen eigenen Initiativen gefördert. In dem von ihm in Szegedin gegründeten Universitätsinstitut, der „Zentralstelle für donauschwäbische Familienforschung und Siedelungskunde“, begann er mit der systematischen Erfassung der Mundarten und volkskundlichen Erscheinungen wie Hausund Hofformen, Familien- und Sippenkunde der Donauschwaben. Von seinem Plan, nach dem Vorbild des Deutschen Sprachatlas in Marburg, einen Sprachatlas der ungarischen Mundarten zu erarbeiten, konnten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges nur einige Einzelblätter fertiggestellt werden. Die Sprachinselforschung verdankt Sch. wichtige methodische Erkenntnisse bei der Untersuchung von Prozessen der Sprachmischung und des Sprachausgleichs sowie des vieldiskutierten Problems von Herkunft und Mundart. Sch. hat die erste zusammenfassende Darstellung der ungarndeutschen Mundarten in dem von Jakob Bleyer 1928 herausgegebenen Sammelwerk „Das Deutschtum in Rumpfungarn“ veröffentlicht. 1946 wurde Sch., vorerst ohne Pension, von der Universität entlassen. Der Verlust seines Instituts und seiner Sammlungen sowie die Unmöglichkeit, seine Forschungen fortzusetzen, führten zu Lethargie und Depressionen, so daß er zeitweise in eine Nervenklinik eingewiesen werden mußte.

Literatur

Petz, Gideon: Zu den Aufgaben der ungarländischen Deutschtumsforschung. In: Ung-Jb. 14 (1934) 46-62.
Klein, Karl Kurt: Germanistik in Ungarn. In: Südostdt. Heimatbl. 3 (1954) 3-23.
Tafferner, Anton: Univ.-Prof. Dr. Heinrich Schmidt zum Gedächtnis. In: Südostdt. Heimatbl. 4 (1955) 16-29 (mit Bibliographie).
Hutterer, Claus Jürgen: Geschichte der ungarndeutschen Mundartforschung. Berlin 1960.
Schwob, Anton: Zur donauschwäbischen Mundartforschung. In: Südostdt. Vjbl. 12 (1963) 143-148.

Verfasser

Anton Schwob (GND: 119531100)

GND: 117661376


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Empfohlene Zitierweise: Anton Schwob, Schmidt, Heinrich, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 4. Hgg. Mathias Bernath / Karl Nehring. München 1981, S. 96-97 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1634, abgerufen am: (Abrufdatum)

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