Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Polit-Desančić, Mihailo

Polit-Desančić, Mihailo, serbischer Politiker und Publizist, * Neusatz (Novi Sad) 15.04.1833, † Landgut pustara „Mira“ (bei Liebling, rumänisches Banat) 30.03.1920.

Leben

P. entstammte einer begüterten Kaufmannsfamilie, die aus Istanbul nach Neusatz übersiedelt war. Das Gymnasium absolvierte er in Wien, wo Svetozar Miletić sein Lehrer war, was für seine spätere politische Tätigkeit von ausschlaggebender Bedeutung wurde. Das Studium der Staatswissenschaften beendete P. in Paris und promovierte 1861 in Wien zum Dr. jur., um dann Beamter in der kroatischen Hofkanzlei zu werden. Von 1861 bis 1868 bemühte er sich als Abgeordneter zum kroatischen Landtag mit Josip J. Strossmayer um eine engere Zusammenarbeit der Kroaten und Serben in Kroatien. 1868 nach Neusatz zurückgekehrt, schloß er sich 1869 der „Serbischen nationalen freisinnigen Partei“ (Srpska narodna slobodoumna stranka) des Svetozar Miletić an und wurde bald zum Führer ihres rechten Flügels. 1873-1884 und 1906-1913 kämpfte P. als Abgeordneter im ungarischen Reichstag um die Rechte der nichtmagyarischen Nationalitäten und trat gegen den Dualismus und die Bestrebungen zur Schaffung eines einheitlichen ungarischen Staates auf. Sein außenpolitisches Engagement galt vor allem der Orientalischen Frage, deren rasche Lösung im Sinne der Balkanvölker er von Rußland und der Habsburgermonarchie forderte (vgl. dazu seine Schrift „Die orientalische Frage und ihre organische Lösung“, Wien 1862).
Als Mitarbeiter mehrerer serbischer, deutscher und französischer Zeitungen sowie mit Broschüren versuchte P. die Probleme am Balkan vor die europäische Öffentlichkeit zu bringen. Im Gegensatz zu Svetozar Miletić, von dessen radikaleren Ansichten er sich zunehmend entfernte, war P. in seiner politischen Tätigkeit immer bestrebt, die Legalität zu wahren. Als in den 1880er Jahren mit der rasch fortschreitenden sozialen Differenzierung die Einheit des südungarischen serbischen Lagers in der Nationalen freisinnigen Partei zerbrach, übernahm er die Führung der gegenüber der Radikalen Partei schwächeren liberalen Stammpartei und wurde Chefredakteur ihrer Zeitung „Branik“ (Die Wehr), die bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges in Neusatz herauskam.
P. war neben Svetozar Miletić einer der bedeutendsten Politiker der Serben in der Wojwodina. Die von ihm verfaßten Erinnerungen an seine Zeit und Zeitgenossen (Kako sam svoj vek proveo), die bis zum Jahre 1915 reichen, erschienen 1925 in Belgrad.

Literatur

Letopis Matice srpske 337 (1933) passim, 338 (1933) passim [Festschrift zum 100. Geburtstag von Jovan Jovanović-Zmaj und Mihailo Polit-Desančić].
Milutinović, Kosta: Mihailo Polit-Desančić kao istoričar. Novi Sad 1936.
Petrović, Milan: Polit i [Jaša] Tomić. Uspomene. In: Letop. Matice srpske 126 (1950) knj. 366, 368-381.
Milutinović, Nikola: Prve dve poslaničke izborne pobede Mihaila Polita-Desančića u Banatu. In: Zborn. Matice srpske, društ. Nauke 13/14 (1956) 209-224.
Ders.: Nove kontraverze o Svetozaru Miletiću i Mihailu Politu-Desančiću. In: ebd. 27 (1960) 157-178.
Ders.: Napredne političke koncepcije Mihaila Polita-Desančića. In: God. Društ. Ist. Bosne i Hercegovine 15 (1964) 201-212.

Verfasser

Andreas Moritsch (GND: 123957184)


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